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Gelungener Spendenaufruf auf der 15. Münchner Nacht der spirituellen Lieder

Zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, gestalten Wolfgang Friederich, Arzt und Leiter des Klangheilzentrums München und Philipp Stegmüller, Chanter, Lichtgestalter und Singleiter in München, die Nacht der spirituellen Lieder in der 1000 Plätze fassenden St. Michaelskirche in der Münchner Innenstadt. Zu der durch Mantren aus den verschiedensten Kulturen getragenen 3½-stündigen Liedernacht laden sie jeweils einen Gastsänger ein, sowie eine Organisation für einen Spendenaufruf. In der diesjährigen herbstlichen Liedernacht am 28. Oktober 2016 war Raimund Mauch geladen.

Foto: Susanne Hesping

Ich freue mich sehr, dass Wolfgang Friederich mich als Mitglied und Singleiterin bat, einen Spendenaufruf für Singende Krankenhäuser e.V. zu machen und dabei gleichzeitig eines meiner eigenen Lieder vorzustellen.

In der gut gefüllten St. Michaelskirche hielt ich einen Kurzvortrag über Entstehung und Zielsetzung des Vereins und wies insbesondere auf die Möglichkeit der Anschubfinanzierung von Singprojekten an Krankenhäusern durch Spenden hin.

Annemarie Denk am Aktionsstand

Die Erzählung über die Entstehung meines Liedes im Rahmen des Heilsamen Singens in der Schmerztherapie an der Paracelsusklinik München, einem zertifizierten „Singenden Krankenhaus“ und das gemeinsame Singen meines „O(b‘)m auf’m Berg“ wurde fröhlich beklatscht.

Am Aktionstisch konnte ich in der Pause und im Anschluss viele Fragen über Singende Krankenhäuser e.V. beantworten. Es war ein sehr schöner und erfolgreicher Abend, der mit einer hohen Spende belohnt wurde. Großer Dank an alle!

Nähere Informationen zum Klangheilzentrum hier: www.klangheilzentrum.de

Annemarie Denk, www.medibalance.com

Singende Krankenhäuser e.V. bei Landestagung in Münster

v.l.: Sirun und Klaus Hogrefe, Petra Kunz

Die Landestagung der Frauenselbsthilfe nach Krebs NRW e.V. mit vierzig Selbsthilfegruppen vom 28.-30.10.16 in Münster widmete sich am ersten Tag dem heilsamen Singen. Überraschend und wohltuend war die klangvolle Eröffnung durch Elke Wünnenberg, in die ca. 80 Gruppenleiterinnen der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. einstimmten. Petra Kunz, die Landesvorsitzende begrüßte dann die anwesenden Frauen, die wenigen Männer und die Gäste.

Der erste Vortrag widmete sich dem Thema Fatigue - für die Betroffenen wichtig, da viele die Erfahrung von Erschöpfungszuständen kennen, es jedoch an Verständnis und Hilfen mangelt. Danach richtete sich der Blick nicht mehr auf die Erkrankung und deren Folgen, sondern auf die Entfaltung von Potentialen.

v.l.: Elke Wünnenberg, Petra Kunz (Landesvorsitzende NRW), Christine Poensgen

Elke Wünnenberg, 1. Vorsitzende von Singende Krankenhäuser e.V., stellte den Verein und sein Anliegen vor. Sie erläuterte, dass Selbsthilfegruppen und das Netzwerk „Singende Krankenhäuser e.V.“ eine gemeinsame Grundausrichtung hätten: den Menschen in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ganzheitliche Ansätze zu fördern und das Gesundheitssystem mitzugestalten. Dabei betonte die Vorstandsvorsitzende, dass das Gesundheitssystem so menschlich sei, wie sich alle Beteiligten persönlich einbrächten und Beziehungen gelängen. Auch der Umgang mit Krebs sei eine Beziehung – eine Beziehung zu sich selbst, in der sich oft die eigene Biografie und persönliche Überzeugungen spiegelten.

Eine gemeinsame Singerfahrung verdeutlichte das Menschenbild und die Grundausrichtung der Initiative. Über die angestimmten Lieder konnten die Frauen unmittelbare Veränderungen in ihrer Befindlichkeit wahrnehmen. Nach einem Kanon mit Gänsehauteffekten, begannen Mimik und Gestik der versammelten Frauen lebendiger zu werden. Von einem „Oioi im Jammermodus“ ging es über zu swingenden Körperbewegungen – wobei Elke Wünnenberg augenzwinkernd anmerkte, dass diese der Körper “schon nach wenigen Sekunden mit Lebensfreude verwechsele“. Körper richteten sich auf und der Gesang wurde voller. Tatsächlich lässt das gemeinschaftliche leistungsfreie Singen vielfältige Erfahrungen zu. Die Teilnehmerinnen der Landestagung schätzten in späteren Rückmeldungen die Achtsamkeit und emotionale Tiefe, die durch das Singen angeregt wurden. Sie nahmen die wertvollen Impulse zur Krankheitsbewältigung, die „so ganz nebenbei, aber unmittelbar spürbar“ vermittelt wurden, dankbar wahr. Elke Wünnenberg, die in der Paracelsus-Klinik Scheidegg arbeitet, sprach sich für das Potential des Singens aus – Singen gebe ihr einen Zugang zu Patientinnen, der weit über Reden hinausgehe.

Im Anschluss an Vortrag und Singerfahrung wurde der Film „Krebs – Singen ist Leben“ zum ersten Mal gezeigt. Christine Kostrzewa vom medienbüro Essen, die mit ihren Filmreihen schon viel für krebsbetroffene Frauen bewegte, hat diesen Film geplant und gestaltet. Auftraggeber und Initiatoren waren die Frauenselbsthilfe nach Krebs Landesverband NRW e.V. und die Deutsche ILCO Landesverband NRW e.V.
Mit der Projektförderung der AOK Rheinland/Hamburg wurde der finanzielle Grundstein gelegt. Auch der Verein Singende Krankenhäuser e.V. beteiligte sich inhaltlich und finanziell an dem Projekt. Die Vertreterinnen der AOK (Frau Hiemer und Frau Greiner) zeigten sich sehr beeindruckt vom Film, Vortrag und Singworkshop und nahmen die Anregungen mit in ihre Geschäftsstelle.
Der Film ist der Beginn einer gemeinsamen Kooperation zwischen dem Netzwerk „Singende Krankenhäuser e.V.“ und den Selbsthilfegruppen der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Ein nächster gemeinsamer Termin wird die 5. Jahreskonferenz von „Singende Krankenhäuser e.V.“ sein, auf der das Filmprojekt vertiefend vorgestellt wird.

Rückmeldungen zum Film "Krebs - Singen ist Leben"

Die ersten Rückmeldungen auf den Film „Krebs – Singen ist Leben“ am Auftaktabend der Landestagung waren sehr emotional und knüpften nahtlos an die geschilderten Singerfahrungen an. Auf die Frage, was der Film innerlich angerührt und spürbewusst gemacht habe, antworteten die Frauen: „Berührend, beeindruckend, heilsam“ oder „Musik öffnet die Herzen und nimmt alle Sorgen und Ängste“ oder „Für Herz und Seele! – Einklang“. Es ging weiter mit Impulsen zum Singen in der Gruppenstunde, zum Durchführen von Sing-Workshops und zu ins Leben zu rufenden offenen Singgruppen. Diese Vorhaben werden durch die zukünftige Kooperation zwischen den Initiativen „Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.“ und „Singende Krankenhäuser e.V.“ gestärkt und getragen.

Am zweiten Tag der Landestagung gab es in drei thematisch unterschiedlichen Workshops, die die Teilnehmerinnen nacheinander besuchten, die Gelegenheit Neues zu erfahren und sich auszutauschen. Die Arbeit in den Workshops zu „Entstauungsgymnastik und alles fließt“, „Ruhe und Kraft mit dem Atem“ sowie „Ein starker Auftritt für meine Gruppe“ waren für die ehrenamtliche Arbeit der Gruppenleitungen eine große Hilfe und Unterstützung.

Die Mitgliederversammlung fand am Sonntagvormittag statt; hier wurde auch der verstorbenen Mitglieder gedacht. Die Landestagung wurde mittags mit dem Lied der Frauenselbsthilfe nach Krebs „Zusammenstehen gibt Kraft und Halt“ beendet.

Fliedner Kliniken Düsseldorf zertifiziert

Welcome! "Singing Fliedners"

Eckart von Hirschhausen und Kai von Lünenschloß

Unser Netzwerk kann sich freuen, am 27. Oktober 2016 mit der Fliedner Klinik Düsseldorf, einer Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie ein neues zertifiziertes singendes Krankenhaus gewonnen zu haben.

Anstifter und Singleiter ist kein anderer als Kai von Lünenschloß – als 2. Vorsitzender freute er sich sichtlich, dass sein langer Atem Früchte trug und er zur Zertifizierungsfeier mit Botschafter Eckart von Hirschhausen einladen durfte.

Nach einer kurzen Begrüßung von der Klinikleiterin Dr. Kerstin Fries gab Kai von Lünenschloß einen kleinen Einblick in seinen Erstkontakt mit „Singende Krankenhäuser e.V.“
Neben dem vielfältigen Weiterbildungsangebot war es vor allem die herzliche und menschliche Kultur des Miteinanders, die ihn überzeugte, und das Feuer entfachte selber aktiv Teil dieser Bewegung zu sein. Wie viel ansteckendes Feuer in ihm als Singleiter steckt, konnten wir alle bei seinem Lied „Helene“ auf die Melodie von „Hit the road, Jack“ erleben – schnell groovte der ganze Raum mit allen ca. 50 Gästen aus Klinikteam, Patienten und einigen Externen:
„Ja was kann ich denn dafür, dass der Mond schon scheint, und dass der Mond nicht seinen Mondschein schont. Und dass Helene im Wohnheim weint, weil sie nicht in Weinheim wohnt. Heleeeeeene!...“

Nach diesem Eisbrecher übernahm ich den Staffelstab und stellte das Netzwerk und einige Aspekte des Heilsamen Singens vor. Die Praxis darf auch hier nicht fehlen- und so stimmte der Saal nach erstem Räkeln, Schütteln und ausdrücklich ermutigtem Hüftschwung in „Bele Mama“ ein.

„Singing Fliedners“ nennt sich die Singgruppe des Hauses, in der die Patienten ohne Leistungsdruck und mit viel guter Laune ihre Genesung vorantreiben können. Einige von ihnen waren bei der Feier dabei und beschenkten alle mit ihrer Schwingungsbereitschaft. Bevor es zur Verleihung des Zertifikats ging, wanderte der Staffelstab weiter an den Ehrengast, Eckart von Hirschhausen.

Humorvolle Übergabe der Urkunde an Dr. Kerstin Fries

Als musikalischer Botschafter von „Singende Krankenhäuser e.V.“ verstand er es, den Gästen den Wert des Singens als Gesundheitserreger und als „emotionale Nähe auf Distanz“ zu vermitteln, wie auch die Notwendigkeit und Komplexität, dies in Studien belegbar zu machen. Für die Patienten und Mitarbeitenden in der Fliedner Klinik Düsseldorf warf er humorvoll einen Blick auf die wissenschaftliche Seite des Singens und hatte die Lacher stets auf seiner Seite. Wie zentral Bewegung und Tanz für Gesundung, Gesunderhaltung und Regeneration sind, durfte dabei nicht fehlen- so wie auch Eckarts Steckenpferd, im Singen und Humor eine spirituelle Kraft zu bemerken, die Menschen nährt - jenseits von jeglicher Religion.
Und dann lies er es sich nicht nehmen, selber zur Gitarre zu greifen, und mit uns den Kanon „I like the flowers“ anzustimmen.

Dann war es endlich soweit und die Zertifizierung ging mit Ritterschlag per Gitarre an Dr. Kerstin Fries. Wir danken für der Einladung und wünschen der Fliedner Klinik und den „Fliedner Singers“ eine fruchtbare, schwingungsvolle Zeit!

Bericht von Monika Wiese

"Medizin trifft Kunst" beim 3. Segeberger Symposium

„Musik stabilisiert und belebt“

v.l.: Stephanie Heinze, Bernd Braun, Dr. Weber (von der Hilde-Ulrichs-Stiftung), Norbert Hermanns, Vera Kimmig, Prof. Altenmüller und Prof. Hauptmann

Das nunmehr 3. Segeberger Symposium richtete sich wieder in erster Linie an Patienten und war hier beispielhaft:
Perfekt organisiert wurden gut verständliche, praxisbezogene Referate und Workshops angeboten, in denen verschiedenste künstlerische Therapieverfahren erkundet werden konnten. Über Musik-, Tanz- und Theaterworkshops erlebten die Teilnehmenden sich und ihre Ausdrucks- und Bewegungsmöglichkeiten im künstlerischen Miteinander neu und erweiterten sie. Es war berührend schön zu sehen, welche neuen Erfahrungs- und Begegnungsräume sich hier öffneten, wie lust- und humorvoll Bewegung und stimmlicher Ausdruck sein konnten.
Prof. Eckart Altenmüller erläuterte sehr kurzweilig und verständlich, wie über Rhythmus als Impulsgeber die Länge und Geschwindigkeit der Schritte verbessert werden kann. Musik könne unser Gehirn anregen, dadurch Sprachfähigkeiten und Gedächtnisleistungen verbessern. Ebenso könne sie unser Immunsystem stärken und vor allem unsere Kooperationsfähigkeit fördern.

Bernd Braun, Initiator des nunmehr 3. Symposions, ist davon überzeugt, dass er dem Singen verdankt, noch Sprechen zu können. Bei ihm wurde 2005 Morbus Parkinson diagnostiziert. Aus eigener leidvoller Erfahrung mit den herkömmlichen Therapieverfahren gründete er den Förderverein „Parkinson bewegt e.V.“, der sich für nichtmedikamentöse Therapieverfahren bei Parkinson einsetzt. Bernd Braun sprüht geradezu vor Engagement und hat mit seiner Frau und einem phantastischen Helferteam in den letzten Jahren schon viel für die Akzeptanz künstlerisch-aktivierender Verfahren im Gesundheitswesen bewegen können. Deshalb wurde er auch bei diesem Symposion von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung im Bereich Bildung, gesellschaftliche Interventionen und Neurowissenschaften mit einem 5.000 Euro dotierten Förderpreis ausgezeichnet und geehrt. Mit stehenden Ovationen zollten ihm hierfür die ca. 120 Teilnehmer des Symposions Anerkennung und Dank.

v.l.: Bernd Braun, Vera Kimmig, Norbert Hermanns und Elke Wünnenberg

Die Initiative „Parkinson bewegt e.V. “ pflegt enge Verbindungen zur Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“
Gemeinsam sind sie von der Vision getragen, Patienten neben den etablierten Behandlungsstrukturen Möglichkeiten zu schaffen, sich kreativ, selbstwirksam und selbstverantwortlich zu erleben und psychosozialem Leid vorzubeugen. So folgten gleich mehrere aktive Mitglieder von „Singende Krankenhäuser“ der Einladung von Bernd Braun:
Im Workshop von Norbert Hermanns (Sänger und Musiktherapeut, seit 2016 Ehrenvorsitzender der Initiative „Singende Krankenhäuser“) erlebten die Teilnehmer, dass sie durch eine freudige, selbstbewusste Haltung deutlicher und lauter sprechen und singen können und sie sicherer in ihren Bewegungen sind, denn Rhythmus stabilisiert.
Zwischen den Hauptvorträgen konnten dies alle Zuhörer im gemeinsamen Singen erfahren, das Norbert Hermanns anleitete. Die 120 Teilnehmer hatten sichtlich und hörbar großen Spaß an den bewegenden Wirkungen des Singens.

Vera Kimmig (Gesangspädagogin und 3. Vorsitzende der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“) ermöglichte ihren Teilnehmern, sich wertfrei stimmlich auszudrücken, sich selbst horchend zu begegnen und alles schwingend geschehen zu lassen. So konnten sich im „Lauschenden Singen“ schöpferische und heilsame Kräfte in der eigenen Stimme entfalten. Die Sängerinnen und Sänger kamen in den Einzelgesangsstunden in Kontakt mit sich selbst und es entstanden wunderbar berührende Momente der Begegnung.

Elke Wünnenberg (Psycholog. Psychotherapeutin, Musikerzieherin und 1. Vorsitzende der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“) zeigte in ihrem Referat auf Basis der aktuellen neurobiologischen Forschung auf, welch heilsames Potential im Singen liegt. In der Parkinsonbehandlung können künstlerisch-aktivierende Verfahren dazu beitragen, positive innere (Beziehungs-)Bilder und Begegnungserfahrungen zu stiften. Diese führen aus innerer wie äußerer Erstarrung heraus, so dass den belastenden Erfahrungen der Fähigkeitsverluste entgegengewirkt wird.

Wie wichtig es ist, den Teufelskreis aus Selbstverunsicherung und Selbstrücknahme zu unterbrechen und Patienten wie Angehörigen Unterstützung zu geben, aus negativen Interaktionsschleifen herauszufinden, zeigte sich in den Gesprächskreisen, die am 2. Symposionstag neben den aktiven Sing-, Tanz- und Theatererfahrungen angeboten wurden. Krankheit ist auch Kränkung, die es gemeinsam zu begrenzen gilt. Im schöpferischen Tun, wenn sich teilweise ganz neue Fähigkeiten zeigen und Flowerleben möglich ist, kann diese überwunden und Kraft für den Alltag gewonnen werden.

Die anregende Wirkung der verschiedenen Workshopangebote erlebte man teilweise bis spät in die Nacht hinein beim Erfahrungsaustausch in kleinen Gesprächsgruppen, oder auch Evergreens singend an der Bar.
Über dem gesamten Verlauf des Symposiums war eine entspannte, freundschaftliche Verbundenheit aller Anwesenden zu spüren und beim Verabschieden hatte man das Gefühl, sich von Freunden zu trennen und mit vielen neu gewonnenen Eindrücken beladen die Heimreise anzutreten.
Ansteckende Lebensfreude, Lachen und Singen, gepaart mit Neugier zeigten in diesen Tagen „Sir James Parkinson“, wer Herr im Hause ist…

Fotos: Erken Schroeder, www.parkinson-bewegt.de

Singgruppe für geflüchtete Kinder in Köln

Unser Mitglied Monika Voellmecke berichtet

„Hallo Du da, komm herein, sag uns Deinen Namen: (Name des Kindes) - oh wie fein“ ertönt das von den heute 17 Kindern lebhaft und freudig gesungene, immer selbe Begrüßungslied mit der Melodie von „Bruder Jakob“ - begleitet von der Guitalele im sogenannten Spielzimmer einer Notaufnahmeeinrichtung in Köln. Jedes der 3- bis 11- jährigen Kinder geht bei „seiner“ Strophe in die Mitte unseres Stuhlkreises und sagt „Ich heiße ...“ oder „Mein Name ist...“. Den Kindern, die zum ersten Mal dabei sind, sagen die erfahreneren Kinder den Satz vor und ergänzen bei den Kleineren schon mal deren Namen.
Wir jeweils 2-3 Ehrenamtler legen Wert auf die Formulierung dieser Sätze. Das Konzept dieser Singgruppe beinhaltet - laut wissenschaftlicher Forschungen und eigener praktischer Erfahrungen in Singgruppen - Freude, Stabilisierung, Ressourcenstärkung, Gelassenheit, Gemeinschaftsgefühl, Trost u.a.. Auch das Lernen der deutschen Sprache soll unterstützt werden.
Aufmerksam und erwartungsvoll greifen die Kinder das nächste Lied „Herzlich willkommen liebe Kinder, singt mit uns“ auf. Bereits bei der 2. Wiederholung singen die meisten lauter oder leiser mit. Wenn weniger Kinder da sind, singen wir das Lied für jedes der Kinder und singen dabei seinen Namen. Das bringt immer wieder erst staunende und dann strahlende Augen und Lächeln über das ganze Gesicht. Bei einer Gruppengröße von über ca. 10 Kindern werden die kleineren Kinder unruhig und unaufmerksam, wenn der Fokus auch bei diesem Lied bei jeder Strophe nur bei einem Kind und dessen Namensnennung ist.

Als nächstes gibt es als Standardrepertoire das Lied „Schön, dass Du da bist“. Es bewirkt ein weiteres Wiedererkennen und Vertrautheitsgefühl, stärkt die Stabilität und wirkt wie eine Steigerung der Willkommensäußerungen der ersten beiden Lieder. Die Kinder nehmen die ruhigere Atmosphäre des Liedes auf.
Als Jahreszeitenlied wird heute „Lachend kommt der Sommer über das Feld“ angestimmt. Es ist für alle neu und wird kurz mit Hilfe eines Bildes und dem arabischen Wort für Sommer und einer lachenden Sonne erklärt. Die Kinder finden es lustig, dabei auch ihre Hände auf ihren Bauch zu legen um dort das Lachen und den Atem zu spüren.

Ein solches Lied (Volkslied u.ä.) – wie es bei jedem unserer Treffen gesungen wird - dient auch dem Kennenlernen von Liedern der deutschen Kultur. Die Kinder können später in der Schule oder im Kindergarten diese Lieder gleich mitsingen. Sie können über die Musik unsere Kultur sinnlich erkunden und - im Sinne einer kulturellen Erweiterung - mit ihr vertrauter werden. Auch der Zugang zu den Menschen kann erleichtert werden (B. Knab: Mit Musik wachsen, 'Psychologie Heute' 08/2016, S. 28-31).

Es folgt einer der Höhepunkte, das sehr rhythmische und zum lauten Singen und Klatschen animierende Lied „Ja, wir machen heut` Musik“. Das muss man nicht mit Gestik, Mimik oder wenigen Worten übersetzen, es geht sozusagen sofort in die Emotionen über. Die Kinder singen und klatschen dieses Lied minutenlang mit viel Freude.
So sind alle weiterhin freudig und aufmerksam dabei, als das Alphabet-Lied angestimmt wird. Die neben mir sitzenden Kinder fangen schon an zu singen, als ich die für jede Liedzeile eigene Buchstabentafel aus der Notenmappe herausnehme und die Teile einigen Kindern zum Hochhalten gebe. Mir ist wichtig, dass wir dieses Lied jede Woche singen, auch wenn manche größeren Kinder es schon können. Die anderen lernen es auf diese Weise ebenfalls. Nach jeder Strophe werden die Umlaute (ä, ö, ü), das ß und Lautkombinationen (Sch, ch, ei, eu) rhythmisch gesprochen und einige Kinder benennen dann gleich ein Beispiel oder lesen es von der Buchstabentafel ab. Der in den Anfängen der Singgruppe gemachte Versuch, jedem Kind einen Buchstaben zu geben und ihn jeweils hoch halten zu lassen, hatte Chaos und bei den kleineren Kindern Verwirrung gebracht und wurde deshalb auf die o.a. Weise geändert.

Bild 1: "Das ist gerade, das ist schief." Nichts hält die Kinder mehr auf ihren Plätzen.

Nach diesem für einige Kinder anstrengenden Lied folgt ein Bewegungslied im Stehen. Wir singen mit entsprechenden Gesten „Das ist gerade, das ist schief“ (s. Bild 1). Jede Strophe wird mehrmals gesungen, bis alle sie gut mitsingen können. Auch von diesem Lied können sie nicht genug bekommen und einige sagen „nochmal“ und alle machen mit derselben Begeisterung nochmal mit. Besonderen Spaß machen die Zeilen „das ist langsam, das ist schnell“ und „das ist leise, das ist laut“, die entsprechend langsamer, schneller, leiser und lauter gesungen werden. Letztgenannte Zeile wird in Abwandlung des Originaltextes zum Schluss gesungen, damit alle die Gelegenheit haben, mal besonders laut zu sein solange sie es brauchen. Dies wird gerne genutzt, dabei ist die Lautstärke fröhlich und ausgelassen, fast nie mit aggressiven Untertönen, selbst wenn die Kinder mit Aggressionen in die Singgruppe kommen. Hier wird die gefühlsregulative Wirkung der Musik durch die bereits gesungenen Lieder besonders deutlich. Daher wird dieses Lied nicht am Anfang der Singgruppe angestimmt.

Das Lied „Ich kann so viel“ macht den Kindern ihre Kompetenz und somit auch ihre Ressourcen bewusst. Für die meisten ist es auch ein spannendes und lustiges Lied. Auch das Lied „Regenbogen“ wird wieder mit Spaß gesungen, da nach jeder Nennung einer Farbe eine kurze Stille ist, in der die jeweilige Farbe von den Kindern gesucht und mehr oder weniger schnell gezeigt und unter Nennung der Farbe freudig gerufen wird. Mittlerweile fragen die Kinder auch nach Zwischenfarben und den Begriffen für „schwarz, weiß, grau“. Auch hier zeigen sich die im vorigen Lied angesprochene Kompetenz und die Freude der Kinder über diese Kompetenz. Das Lernen von Farben macht den Kindern immer besondere Freude und klappt entsprechend schnell.

Die Wertschätzung der Kinder und die liebevolle Atmosphäre verstärkt sich durch den abgewandelten nur als Refrain gesungen Text „Wie schön, dass du geboren bist ... wir freuen uns und singen alle mit“. Die Begriffe von Gegenständen in unserem Spielzimmer können durch das Lied „Das ist unser Klassenzimmer“ gelernt werden.
Da nach den fast 40 Minuten des Singens (und Lernens) die Konzentration der Kinder schnell sinkt, wird nun zum Abschluss wie jedes Mal das Lied „Frieden, Peace, salamaleikum“ im Kreis gesungen und getanzt. Versehentlich stoßen 2 Kinder zusammen und eine 9-Jährige weint. Ich stelle mich mit ihr in die Kreismitte und nehme sie in die Arme. Die anderen singen und tanzen um uns herum bis wir beide wieder in den Kreis kommen können und gemeinsam einen fröhlichen Abschluss dieses Liedes und der Singphase gestalten.

Dieses Lied singen manche Kinder auch noch während der folgenden Spielphase. Manche malen Themen der Lieder, z.B. den Regenbogen oder dieses Mal große rote Herzen. Beim letzten Mal wurde die Sonne gemalt und es wurden Zahlen geübt. Die Jungen spielen – wie oft getrennt von den Mädchen - mit Duplo-Steinen. Das Zusammensetzen von Steinen und Puzzles ist sehr beliebt. Nach der erlebten Zerstörung im Heimatland kann dadurch etwas heilen. Hierzu werden wir demnächst das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehen ... Stein auf Stein ...“ singen. Dies habe ich bewusst bisher noch nicht ausgewählt, da immer viele neue, gerade in Deutschland angekommene Kinder in dieser bisherigen Erstaufnahmeeinrichtung waren und ich sie nicht durch das Lied an die Zerstörung erinnern wollte. Überhaupt vermeide ich Lieder, in denen Wasser vorkommt wie „Jetzt fahr`n wir über`n See“, „Alle meine Entchen“, aber auch Lieder vom Gehen oder Wandern wie „Hänschen klein, ging allein“ „Das Wandern ist des Müller`s Lust“ oder „Einfach gehen“, um nicht zu retraumatisieren. Erst wenn die Kinder von sich aus dies zur Sprache bringen, kann vorsichtig darauf eingegangen werden. Zur Zeit brauchen die Kinder Stabilität.

Bild 2: Ein sicherer Ort zum gemeinsamen Spielen.

Diese schaffen sie sich auch selbst. Einige größere Mädchen bauen sich wieder mit aufrecht gestellten Turnmatten einen abgetrennten Bereich, in dem sie heute mit einer Ehrenamtlerin „Kaffee trinken“ spielen (s. Bild 2), sie schaffen sich eine kleine heile Welt, einen sicheren Ort mit sicheren Grenzen. Die anderen Kinder respektieren meist diesen Raum. Andere Mädchen, die in diesen Raum hinein möchten, werden hinein gelassen. An den anderen Tagen, an denen die Kinder „nur“ spielen und nicht vorher zusammen singen, spielen sie weniger in Gemeinschaft. Gerade die Gemeinschaft der Kinder ist jedoch sehr wichtig, um Traumen zu verarbeiten.

Nach insgesamt 1,5 Stunden helfen viele beim Aufräumen der Spielsachen. Teilweise wird das als Spiel gestaltet indem wir die deutschen Begriffe der Dinge nennen: „Wo ist ...“. Die heute besonders liebevolle Atmosphäre zeigt sich auch darin, dass es diesmal kein Quengeln gibt, sondern dass die Kinder bereitwillig in kleinen Gruppen den Raum verlassen. Keines will heute unbedingt ein Spielzeug mitnehmen - was nicht erlaubt ist. Es scheint, dass die Kinder noch erfüllt sind von der Musik und dem miteinander spielen. Manche nehmen ihre selbst gemalten Bilder mit, um sie den Eltern zu zeigen bzw. im Zimmer aufzuhängen. Das eine oder andere Kind umarmt uns Ehrenamtler, eine 10-Jährige sagt zu uns „Ich liebe Euch“ und strahlt über das ganze Gesicht.

Singende Krankenhäuser e.V. auf Fachsymposium in Nürnberg

... vertreten durch unsere Mitglieder Christa & Frank Schäffer

Organisator Dr. Wolfgang Baumgärtner ist selbst aktiver Musiker

Ca. 80 Teilnehmer aus den Bereichen Musiktherapie, Musikermedizin und Forschung kamen am letzten Juli-Wochenende zum Symposium „Musik und Medizin“ in Nürnberg zusammen. Dort wo sich die Altstadt durch das Bardentreffen zu einer einzigen großen Flaniermeile mit vielfältigsten Musikdarbietungen verwandelt, boten die Veranstalter Dr. Wolfgang Baumgärtner und Prof. Thomas Loew die Gelegenheit zum Brückenbauen, Netzwerken und Informationsaustausch - es ging um aktuelle Themen in Musik und Medizinforschung. Neben Fachvorträgen und praktischen Darbietungen konnte das größtenteils aus angehenden oder fertig ausgebildeten Musiktherapeuten und Medizinern bestehende Auditorium spezielle Themen in parallel angelegten Workshops vertiefen.

Das Programm des Symposiums spannte einen weiten Bogen – Themen aus Schmerzforschung, Musikermedizin (mit einem spannenden Exkurs zur Auftrittsangst) sowie Kardiologie (mit einem Spontanvortrag von Thomas Loew zur Wirkung von Musik auf die Herzratenvariabilität) bildeten die Pfeiler von medizinischer Seite. Beiträge aus der Musikgeschichte, Praxisberichte aus der psychosomatischen und Palliativmedizin bauten auf diesen auf.

Workshops: TaKeTiNa, Meridian-Mantren und CircleSinging

TaKeTiNa, Meridian-Mantren und ein inspirierendes CircleSinging mit Anette Mahlberg brachten das praktische Erleben eindrucksvoll ins Symposium.
Eines der angekündigten Glanzlichter war die Vorstellung des neuen Buches von Prof. Gunter Kreutz. Leider war dieser verhindert, so stellte Mitherausgeber Prof. Bernatzky aus Salzburg den neuesten Stand der Forschung zu evidenzbasierten Anwendungen von Musik vor. Aus der Sicht der Biologie informierte er beispielsweise über neue Forschungsreihen an Krankenhäusern und seine Erfahrungen mit dem „Musikament“-Ansatz zur Senkung des Arzneimitteleinsatzes.

Stand von Singende Krankenhäuser e.V.: Christa Schäffer informiert

Die "Singenden Krankenhäuser" umrahmten zusammen mit einem sachkundig recherchierten Büchertisch einer Fachbuchhandlung neben einer wohl klingenden Auswahl von Musikinstrumenten der Fa. Allton dieses Symposium. Christa und Frank Schäffer stellten interessierten Teilnehmern und Referenten die Arbeit des Vereins vor, bewarben die Fortbildungsangebote und konnten vielversprechende Kontakte aufbauen. Quasi nebenbei kamen noch ausgewählte Bücher und CDs aus dem Webshop unter das interessierte Fachpublikum. Für das 2017 geplante Symposium ist angedacht, auch für Singende Krankenhäuser e.V. einen Workshop oder Vortrag ins Programm zu nehmen.

Das gesamte Symposium war getragen von großen Ambitionen und viel Begeisterung für den vertieften Einsatz des „Musikaments“ in der Medizin. Ein weiterer hoffnungsvoller Ansatz für das Zusammenwachsen der in der Praxis oft noch als unvereinbar erachteten Systeme. Und eine ansprechende Plattform für die Präsentation unseres Vereins als gelebte Symbiose von Musik und Medizin.

"Reden reicht nicht!?" - Fachkongress für Psychotherapie in Heidelberg

Elke Wünnenberg war begeistert vom Hauptredner Dr. Stephen Porges

"Der Körper ist die Bühne der Gefühle" (Antonio Damasio)

Vom 24.5.16 bis 29.5.16 erlebten über 2000 Teilnehmer die Konferenz "Reden Reicht Nicht!?". Sie wurde gemeinsam von Michael Bohne, Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle und Matthias Ohler (Carl-Auer Akademie) ins Leben gerufen. Ziel dieser Tagung ist es, innovativen Konzepten in der Psychotherapie Raum zu geben und über Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten zu diskutieren. Über 100 Referentinnen und Referenten waren an diesen Tagen eingeladen, ihre Techniken und Methoden einer prozess- und körperzentrierten Psychologie vorzustellen. Auch die Arbeit mit Stimme und Gesang fehlte nicht. Mit einem Workshop „Singen und Selbstregulation“ war auch "Singende Krankenhäuser e.V." mit ihrer Vorsitzenden Elke Wünnenberg vertreten. Neben den vielfältigen Einblicken in praktische Arbeit fanden auch anregende Podiumsdiskussionen und Vorträge statt.

Elke Wünnenberg, Dr. Stephen PorgesEiner der spannendsten Hauptredner war Dr. Stephen Porges, Professor für Psychiatrie und Biomedizintechnik, Direktor des Brain Body Centers an der University of Illinois in Chicago. Er war Präsident der „Federation of Behavioral, Psychological and Social Sciences” und der “Society for Psychophysiological Research”. Von 1985 bis 2001 war er Professor für humane Entwicklung und Psychologie an der University of Maryland/Collage Park und Direktor des “Institut for Child Study“. Er ist verheiratet mit Sue Carter, einer international bekannten Expertin im Bereich der Neuropeptide Oxytocin und Vasopressin in Bezug auf soziales Verhalten; sie ist Co-Direktorin des Brain Body Centers. Man kann sich die lebhaften und geistig gegenseitig befruchtenden Interaktionen über das Frühstücksei hinweg vorstellen, welche dann anschließend im Labor überprüft werden sollen. Ursprünglich erforschte Porges anfangs der 90er Jahre das autonome Nervensystem, repräsentiert durch das sich gegenseitig balancierende parasympathische Nervensystem, vermittelt durch den Nervus vagus und das sympathische Nervensystem. Porges entdeckte damals das Prinzip der Herzraten-Variabilität (HRV), welches heute vielfältig genutzt wird. Damals ging Porges davon aus, dass ein Organismus je parasympathischer gestimmt, desto gesünder sei. Dass dem nicht so war, wurde ihm durch das Feedback eines Kinderarztes auf eine Publikation bewusst: in der Neonatologie ist eine Bradykardie ein lebensbedrohliches Alarmzeichen. Dieses Phänomen, von Porges als „Vagus-Paradox“ bezeichnet, wurde Ausgangspunkt zu einem intensiven Literaturstudium, welches in die eigentliche PVT mündete. Seine Forschungsarbeiten, die er im Rahmen der „Polyvagaltheorie“ bündelt, können aktuell als einer der wegweisenden wissenschaftlichen Ansätze gesehen werden. Porges Polyvagaltheorie rollt dem Singen „den roten Teppich“ aus, lässt verstehen, wie und warum über Gemeinschaftserleben, Kontakt und Resonanzerfahrung Selbstheilungskräfte entfaltet, „versteinerte Herzen“ geöffnet werden können und Lebensfreude pur spürbar wird. Neben dem Singen war es vor allem das wissenschaftlich erforschte Lächeln von Stephen Porges und seine Ideen, die ansteckend wirkten.

Wieder einmal konnte sich die Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“ einem interessierten und aufgeschlossenen Fachpublikum des Gesundheitswesens präsentieren, wurden Kontakte geknüpft und Visionen entwickelt und „last but noch least“ Prof. Dr. Stephen Porges in den wissenschaftlichen Beitrat der Initiative eingeladen.

Zertifizierung des 1. Singenden Altenheims in Hamburg

v.l.: Thomas Ritzenhoff, Stefanie Metasch, Helge Röschmann, Vera Liesznanska, Thomas Jüchter, Ingeborg Henker-Kelsch, Dirk Ackermann

Bericht über die Seniorenwohnanlage Walddörfer in Hamburg-Wandsbek von Thomas Jüchter

Im Rahmen eines großen Festes wurde der Seniorenwohnanlage Walddörfer am 26.05.2016 als erstem Hamburger Altenheim von mir das Zertifikat „Singendes Altersheim“ durch den Verein Singende Krankenhäuser e.V. verliehen - damit sind deutschlandweit 68 Altenheime und 400 Krankenhäuser zertifiziert.

Das 25-jährige Bestehen der Wohnanlage Walddörfer gab einen sehr würdigen Rahmen bei typischem Hamburger Schietwetter (--> Nieselregen). Thomas Ritzenhoff, Leiter des Bezirksamts Wandsbek, gratulierte herzlich und freute sich mit Stefanie Metasch (Singleiterin für Altersheime und Senioren in der Seniorenwohnanlage Walddörfer), Helge Röschmann (Leiterin der Seniorenwohnanlage), Vera Liesznanska (Singleiterin), Thomas Jüchter (Singende Krankenhäuser e.V.), Ingeborg Henker-Kelsch (Seniorenhilfe Berne e.V.), Dirk Ackermann (Leiter des Geschäftsbereich Wohnen im Alter der vhw), den Bewohnern, Mitarbeitern und Gästen über die Auszeichnung.

Bei den Walddörfern wird es nicht langweilig, es finden täglich diverse Betreuungsangebote statt, die jedem der knapp 200 Bewohner etwas bieten. Seit 2012 gibt es eine Musikgruppe, die ein fester Bestandteil der Einrichtung ist. Zuständig dafür sind eine ausgebildete Pflegefachkraft mit den Zusatzqualifikationen Gerontofachkraft und Altentherapeutin sowie die zwei zertifizierten Singleiterinnen Stefanie Metasch und Wienzlawa Lieznianska. Zusätzlich werden die Bewohner und Mitarbeiter von dem Freundeskreis Seniorenhilfe e.V. mit seinen zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt. Mehrmals wöchentlich finden im Rahmen der Musiktherapie Einzel- und Gruppenangebote statt. Der hauseigene Chor, der zu allen Geburtstagen und Festen des Hauses auftritt, trifft sich einmal in der Woche. Die evangelische Kindermusikschule Bergstedt pflegt seit Juni 2014 eine Patenschaft mit der Einrichtung unter dem Motto: „Musik verbindet“. Regelmäßige Begegnungen sorgen für ein lebendiges und generationsübergreifendes musikalisches Miteinander. Daneben liegt derSchwerpunkt der Musiktherapie auf Einzelbegleitung und Kleingruppenarbeit.
Vor allem bei Bewohnern mit gerontopsychiatrischen Einschränkungen erreicht die Musiktherapie großen Anklang.

Thomas Jüchter begeistert Bewohner und Gäste mit flotten Liedern

Bei unserem Besuch anlässlich der Zertifizierung konnten meine Frau Karin und ich uns von der Sang- und Klangfreudigkeit überzeugen. Nach der Würdigung des Singens durch Geschäftsführers Dirk Ackermann und Grußworten des Bezirksamtsleiters Wandsbek, Thomas Ritzenhoff, und der feierlichen Überreichung unserer Urkunde an die Leitung der Wohnanlage Helga Röschmann sangen wir mit den Bewohnern und Gästen.

Spätestens beim Plattdüütschen Klassiker "Herrn Pastor sien Kauh" kam geradezu Köllsche Karnevalsstimmung auf
HUMMEL HUMMEL! - MORS, MORS! (das Hamburgische ALAAF - für die Nicht-Eingeweihten).

Der Verein „Singende Krankenhäuser e.V.“ hat eine Einrichtung gewonnen, in der die Idee und der Geist von Singende Krankenhäuser e.V. gelebt und überall spürbar ist. Die Herzlichkeit, die Gemeinschaft und Verbundenheit lebt über und durch Sang und Klang hinaus.

Fotos: Jan Haeselich für die vhw

Sing-Kongress in Slowenien

Unser Mitglied Monika Wiese war dabei

v.l.: Ana Tavcar, Monika Wiese, Damjana Zupan,
Dr. Katarina Habe, Blaz Roijko

Vom 13.-22. Mai veranstaltete der slowenische Verbund für öffentliche Kulturarbeit, JSKD, in Ljubljana eine Veranstaltungsreihe zu Amateur-Chormusik. Über 1000 Veranstaltungen in einer Woche - das ist ein beeindruckendes Zeugnis für die weit verbreitete Sing- und Chorkultur in Slowenien. Zum ersten Mal wurden in diesem Rahmen auch weitere soziale, unterstützende Aspekte des Singens in den Fokus gerückt.

„Singen auf Rezept“ lautete das Motto des Runden Tisches, bei dem Vertreter verschiedener Bereiche über die heilsamen Aspekte des Singens in Austausch kamen.

Ideengeberin war Frau Mihela Jagodic, Leiterin der Abteilung für Chormusik, die zutiefst von der umfassenden Wirkung des gemeinsamen Singens überzeugt ist. In Vorgesprächen berichtete sie, dass sie seit Jahren das soziale Potential des Singens sehe, aber nie „Beweise“ gehabt hätte. Hier war ich wirklich dankbar zu erkennen was für eine Fülle an zusammengetragenen Informationen uns bei Singende Krankenhäuser e.V. zum Thema Singforschung bereit gestellt wird und wie hilfreich dies ist.

Mihela Jagodic eröffnete den Abend vor einem ausverkauften Saal mit Erlebnissen aus dem (Sing-)Alltag: Wie kann es sein, dass Menschen sich nach anstrengenden Arbeitstagen abends zu einem weiteren verpflichtenden Termin in eine Chorprobe setzen und anschließend mehr Energie haben als vorher? Was steckt dahinter, wenn Menschen die sich eher als schüchtern begreifen, über die Jahre in einem Chor an Selbstbewusstsein gewinnen und selbstsicherer im Kontakt sind? Wie kommt es, dass Menschen mit Demenz beim Hören von Liedern einstimmen und wieder den Zugang in die Sprache finde, textsicher ganze Lieder mitsingen können?

Mit dieser „emotionalen Steilvorlage“ übergab sie den Redestab an TV Moderatorin Ana Tavcar-Petrovic, selber langjährige Sängerin, die stimmungsvoll und spritzig zwischen den verschiedenen Erkenntnis- und Erfahrungsfeldern von uns geladenen Gästen modulierte. Zu nennen sind hier die Gäste:
Dr. Katarina Habe, Sängerin und Lehrende Musikpsychologin mit dem Schwerpunkt Neuropsychologie in Maribur, Damjana Zupan, Musikpädagogin mit ganzheitlichem, körperorientierten Ansatz am Konservatorium für Musik und Tanz und Blaz Roijko, Sozialarbeiter, Soziologe und Chorleiter mit vielen sozialen Chorprojekten für Arbeitslose und Kinder. Als vierte im Bunde hatte ich, Monika Wiese, die Freude, die Arbeit und Vision von Singende Krankenhäuser, bzw. die gesundheitlichen Effekte des Singens vorzustellen.

Die Stimmung zwischen uns „Vieren“ war von Anfang an sehr herzlich, offen und interessiert. Es war spannend für mich, Fragen der Moderatorin nach wortwörtlicher „Heilung“ durch Gesang gestellt zu bekommen und den Bogen zur inneren Haltung die uns in unserer Arbeit leitet, einer Unterstützungskultur in jeder Hinsicht, zu spannen. Diese Haltung war wohl den Rednern, aber längst nicht allen Medizinern vertraut.

Ganz deutlich wurde in allen Beiträgen: gemeinsames Singen kann Quelle für heilsames Erleben, Erfahrung von Gemeinschaft, Sinnerleben sein und die Persönlichkeit stärken - solange es frei von Leistungs- und Erwartungsdruck ist. Das zeigen im positiven Sinne Projekte von Blaz Roijko, der im Arbeitsamt Gesuche nach neuen Chormitgliedern aushing und viel Zulauf erhielt, sowie unsere vielfältigen Erfahrungen der Singgruppen und Singangebote in Gesundheitseinrichtungen. Es gibt aber auch  traumatische musikalische Erfahrungen, die Damjana Zupan in ihrer Arbeit mit Musikschülern aufgreift und konstruktiv umwandelt.

Wie sehr Musik und Gesang dem Gehirn helfen, als Ganzes zu arbeiten und die Hemisphären dabei eng miteinander kooperieren, ist das Spezialgebiet von Katarina Habe.
Sie motiviert mittlerweile alle Studenten dazu, über die Wirkungen des Singens zu forschen und legte gleichzeitig eine beeindruckend natürliche Haltung an den Tag, als sie nach herausragenden Forschungsergebnissen ihrer Forschung  gefragt wurde. Ich gebe das aus dem Englischen übersetzt hier wieder:

„Ich bitte sie, um all diese Ergebnisse nicht zu viel Wirbel zu machen. Tatsächlich ist das Singen eine der natürlichsten Ausdrucksweisen des Menschen. Menschen haben schon immer miteinander gesungen, um sich auszudrücken, Gemeinschaft zu erfahren, sich zu heilen. Wir haben das verlernt und tun nun so als ob wir es neu entdecken. Tatsächlich war es schon immer da. Denken Sie also nicht zu viel an diese ganzen Ergebnisse - singen sie einfach!“

Gesangseinlage von Monika Wiese

Das taten wir denn auch - ich durfte mit einem kurzen stimmungsvollen Warm Up die Zuhörer in Bewegung bringen und den Unterschied zum Chorsingen praktisch erfahrbar machen.
So begegneten sich die Saalgäste im Kanon mit „I am here with you, you are here with me. We are together, we are one when we sing with all our hearts“, was zu anhaltender Herzlichkeit und viel freudiger Schwingung unter den  Anwesenden führte.

Weiter entspann sich ein Austausch über das Paradoxon des Singens -wie schlicht es auf der einen Seite ist- und wie komplex, wirkungs- und gehaltvoll wenn wir beginnen näher zu forschen und zu untersuchen, und dass es für einzelne Zielgruppen sinnvoll und richtungsweisend  ist, bestimmte Parameter herauszuheben.

Das Thema stieß beim Publikum insgesamt auf großen Zuspruch: der Raum war bis auf dem letzten Platz besetzt - unter den Besuchern zwei Musiktherapeutinnen, Ärzte, Journalisten und Chorsänger mit Bezug zu sozialen/gesundheitlichen Arbeitsfeldern. Das Interesse an der Weiterbildung, der Vernetzung untereinander -den Forschungszentren und den Chorverbänden- ist groß, und Slowenien bringt mit seiner Fülle an singfreudigen Menschen einen fruchtbaren Boden für eine echte Pionierarbeit im Gesundheitswesen mit.

Welche Strukturen es braucht, welche genutzt werden können, wie offen die Entscheidungsträger sind, das wird sich zukünftig weisen. In jedem Fall ist den Veranstaltern ein echter Coup in Sachen Öffentlichkeitsarbeit gelungen. Sonst fast nie von den Medien beachtet, gab es in diesem Rahmen ein Radio- und zwei TV-Interviews zum Thema Singende Krankenhäuser e.V. - was auch für mich eine schöne Anekdote bleiben wird: Wann sieht man sich schon einmal mit Gitarre auf einer pittoresken Brücke in Ljubljana stehen und heilsame Lieder in eine Fernsehkamera singen? Liebe Daniela Sauter de Beltré, nun wandert dein Lied also auch durch Slowenien!

Wir können uns nur glücklich schätzen, wenn die Vision des weltweiten Netzwerkes in Europa wächst und Slowenien das nächste Land mit Singenden Gesundheitseinrichtungen wird - vielleicht entwickeln sich eigene „Tonarten“ von Land zu Land, wir werden sehen wie der Same sich entwickeln mag. In jedem Fall aber soll das Singen verbinden - und uns zu uns selbst und dann wieder zueinander führen.
Ich danke von Herzen für das Vertrauen, die „frohe Botschaft“ weitertragen zu dürfen. Ich hatte viel Freude am Vernetzen und Inspirieren und natürlich: Am Singen!

"Singende Krankenhäuser e.V." im slowenischen TV:
Gestern wurde der 18minütige Beitrag zum slowenischen "Sing-Kongress" zur besten Sendezeit auf dem populärsten TV-Kanal gezeigt. Sie können unsere Referentin Monika Wiese ab Minute 8:30 dort sehen...
www.24ur.com

Weitere Infos zum Kongress findet Sie weiter unten auf dieser Facebook-Seite:
www.facebook.com

Zertifizierung der NeuroCare Rehaklinik Salzburg zum Singenden Krankenhaus

v.l.: Elke Wünnenberg, Barbara Balika, Dr. Heinrich Bartsch

Bereits seit zwei Jahren wird in der NeuroCare Rehaklinik auf dem Gelände der Christian-Doppler Klinik in Salzburg Singen in einer allen offenstehenden Gruppe angeboten. Singen findet einmal wöchentlich im Aufenthaltsbereich der Station statt, so dass die beschwingten Töne und beseelten Texte auch all denjenigen zugänglich sind, denen nach einer neurologischen Erkrankung noch vieles schwer fällt und für die auch kurze Wege noch weit sind - und bewegen nicht selten Patienten und Besucher anderer Stationen dazu, sich einen Moment zu den Singenden hinzuzugesellen und die heilsame Kraft des Singens zu teilen.

Für Frau Barbara Balika, Diätologin und zertifizierte Singleiterin nach der Weiterbildung der Initiative "Singende Krankenhäuser", ist das Singen eine Herzangelegenheit geworden. Voller Begeisterung berichtet sie, dass das Singangebot ihren Kontakt zu den Patienten (und diesen untereinander!) nachhaltig verändere und somit ihre therapeutischen Möglichkeiten sehr positiv erweitere. Singen stellt für sie selbst und für die TeilnehmerInnen eine Ressource dar. Beim Singen kann Energie, Lebensfreude und Kraft getankt werden. Die Singgruppe wird als Freizeitaktivität angeboten. Ziel ist, dass sich die TeilnehmerInnen wohl zu fühlen und selbstwirksam erleben. Hier wird nicht an den Defiziten gearbeitet, jeder trägt bei, was gerade möglich ist. Gerade Patienten mit Sprachstörungen erleben hier, dass Worte möglich sind und dass sie trotz Einschränkungen Anteil haben.  Besucher, ehemalige Patienten und Menschen die die Gruppe singen hören und Lust haben mitzumachen sind herzlich eingeladen Platz zu nehmen und dabei zu sein.

Das Singangebot wird von der Ärztlichen Leitung und Mitarbeitern geschätzt und gefördert. Der stellvertretende Leiter Dr. Heinrich Bartsch gab bei der Eröffnung einen Überblick über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungen zum Singangebot in der NeuroCare Rehaklinik  und erklärte seine Bereitschaft, sich für die Verbreitung und Akzeptanz von Singangeboten in der Neurologie mit einem Forschungsprojekt in seinem Hause zu engagieren.

Seit 25.04.2016 ist die Rehaklinik NeuroCare ein offizielles "Singendes Krankenhaus".

Im Rahmen einer Zertifizierungsfeier mit Impulsvortrag, Workshop und Pressekonferenz überreichte die am 16.04.2016 gewählte 1. Vorsitzende der Initiative Elke Wünnenberg das Zertifikat - am selben Abend brachte der ORF2 einen entsprechenden Beitrag (Sendung ansehen).

Und in den Salzburger Nachrichten erschien ebenfalls ein Artikel - siehe Anlage: