Blog

Singend der Krankheit begegnen

Kooperationsprojekt zwischen dem Verein Singende Krankenhäuser e.V. und der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung

v.l.: Dr. Mareike Schwed, Gisela Steinert, Stephanie Heinze, Henrike Graef, Elke Wünnenberg

Am Samstag, den 26. August 2017, fand in Sulzbach / Taunus (Nähe Frankfurt am Main) die Einführungsveranstaltung zum Selbsthilfe-Pilotprojekt „Singend der Krankheit begegnen“ anläßlich der JuPark-Südhessen-Veranstaltung statt. Hierbei handelt es sich um das Kooperationsprojekt zwischen dem Verein Singende Krankenhäuser e.V. und der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung. Diese ist bundesweit eine wichtige Anlaufstelle, bei der Patienten mit Morbus Parkinson eine unabhängige Beratung sowie wesentliche Informatonen zum Umgang mit der Krankheit erhalten. Die Stiftung ist die erste private Stiftung in Deutschland, die die Erforschung nichtmedikamentöser Behandlungsmethoden bei Morbus Parkinson fördert. Darüber hinaus unterstützt sie wissenschaftliche Studien und leistet wichtige Aufklärungsarbeit, um mit der Krankheit mobil zu bleiben.
In der gemeinsamen Presseerklärung vom Juli 2017 heißt es: „Gemeinsam lässt sich häufig mehr erreichen als alleine, dies gilt vor allem, wenn jeder der Partner besondere Stärken mitbringt. (…) Nun haben die beiden Organisationen beschlossen, eine Kooperation einzugehen und konkrete Projekte umzusetzen. Ziel der Zusammenarbeit ist, Singen zu einem festen Bestandteil in der Parkinson-Therapie im Programm von Selbsthilfegruppen anzubieten. Als künstlerisch-aktivierendes Verfahren soll das Singen zu einer gängigen Behandlungsmethode werden. (…) Das Pilotprojekt soll ab dem 3. Quartal 2017 im Rhein-Main-Gebiet starten. Es ist geplant, Patienten und Angehörigen den Zugang zu alle 2 Wochen stattfindenden Singangeboten von 60-90 min. zu ermöglichen.“

Frau Gisela Steinert, Leiterin der JuPark Südhessen und engagierte Organisatorin der Veranstaltung hatte die Mitglieder ihrer Selbsthilfegruppe ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit zu einem ausgewogenen Programm in das Bürgerzentrum eingeladen: Im ersten Teil der Veranstaltung wurde über die neuesten Entwicklungen in der Behandlung und der Studienlandschaft informiert - im zweiten Teil fanden Ansätze zu nichtmedikamentösen Therapien Zeit und Raum.
Frau Dr. med Claudia Weiland, Fachärztin für Neurologie im Krankenhaus Hanau informierte über die neuesten Entwicklungen der Parkinson-Therapie. Evelyn Mahla und Silvia Jung vom Kompetenznetz-Parkinson e.V. informierten über das Onelineportal "Fox trial Finder", dass über aktuelle Forschungsprojekte und über Möglichkeiten zur Teilnahme an diesen. Die Michael J. Fox Foundation hat in 2013 den Fox Trial Finder in Deutschland eingeführt. Dr. Mareike Schwed, Sportwissenschaftlerin, der Neurowerkstatt in Pfungstadt und Beiratsmitglied der Hilde-Ulrichs-Stiftung, berichtete über die Ergebnisse ihres Workshops „Die bewegte Selbsthilfegruppe“ – und wurde in ihrer Begeisterung, Kreativität und Kompetenz von den außergewöhnlich positiven und lebendigen Rückmeldungen der beteiligten Patienten ergänzt und gewürdigt.

Um 16 Uhr eröffnete Dr. Jürgen Weber, Vorsitzender der Hilde-Ulrichs-Stiftung, die Vorstellung des Singprojektes. Elke Wünnenberg, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Singende Krankenhäuser e.V.“ und Henrike Graef, zertifizierte Singleiterin griffen nach kurzen Einleitungsworten zu ihren Gitarren und brachten das zu dieser Zeit bereits „dampfende Raumklima“ noch mehr in Wallung. So sprang der Funke der Heilsamen Lieder sofort auf die mehr als 50 Teilnehmer über und ein „Singen, Schwingen und Schwitzen“ rundete das intensive Zusammensein an diesem heißen Augusttag ab.
Das angefügte Bilder gibt einen visuellen Eindruck der gelungen Veranstaltung wieder. Frau Heinze, Geschäftsführerin und Stiftungsbeauftragte der Hilde-Ulrichs-Stiftung zeigte sich sehr zufrieden mit dem Start des Pilot-Projektes Rhein-Main. Singende Krankenhäuser dankt insbesondere auch Frau Gisela Steinert für die wunderbare Organisation und Moderation dieses Tages.

Zertifizierungsfeier im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden

Gerlinde Kretschmann überreicht der Einrichtung die Urkunde

Gerlinde Kretschmann übergibt das Zertifikat „Singendes Krankenhaus“ an Jutta Eise, Simone Soldner-Loescher und Klaus Loescher.

Am 18.07.2017 wurde nun endlich nach gut zweijährigem Bestehen des Heilsamen Singens die Klinik zum Singenden Krankenhaus zertifiziert. Annet Rose-Losert, die Geschäftsführerin der Klinik, sprach der Schirmherrin des Vereins, Gerlinde Kretschmann, sowie der Vorstandsvorsitzenden, Elke Wünnenberg, ihren Dank dafür aus, dass beide es möglich gemacht hatten, dem PZN - insbesondere den drei verantwortlichen Musiktherapeuten Jutta Eise, Simone Soldner-Loescher und Klaus Loescher - das Zertifikat persönlich zu überreichen.

Elke Wünnenberg, Vorstandsvorsitzende des Vereins "Singende Krankenhäuser e.V."


Die Zertifizierungsfeier umfasste ein buntes Programm von gemeinsamem Gesang und kurzen Vorträgen, die das Angebot und Singen allgemein aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten und wertschätzen. Eine gelungene und lebendige Veranstaltung! Das Heilsame Singen ist nun in Wiesloch fest etabliert.
www.pzn-wiesloch.de/aktuell

St. Laurentius-Stift wird als "Singendes Krankenhaus" ausgezeichnet

v.l.: Alexandra Köhler, Kai von Lünenschloß

Seit über zwei Jahren organisiert und leitet Alexandra Köhler, Gerontopsychiatrische Fachkraft und Altentherapeutin, drei Singgruppen im St.-Laurentius-Stift Waltrop. Dank ihres Einsatzes konnte das Haus nun als „Singendes Krankenhaus“ ausgezeichnet werden. Das gemeinschaftliche Singen inspiriert die Patienten und fördert frei von Vorurteilen oder Leistungsdruck mit viel guter Laune deren Genesung. Der offizielle Festakt fand am Montag in der Geriatrischen Tagesklinik des St.-Laurentius-Stifts Waltrop statt. Die Urkunde wurde von Musiktherapeut Kai von Lünenschloß, Vorsitzender des internationalen Netzwerks „Singende Krankenhäuser e.V.“, übergeben.

Der Grundgedanke ist simpel: vollstationäre Patienten aktivieren abseits des Klinikalltags singend Körper und Geist und bringen gleichzeitig ihre Selbstheilungskräfte in Schwung. Die musikalische Vielfalt kennt dabei keine Grenzen. „Ob Akkordeon oder Gitarre, wir singen in unseren Singgruppen alles von Rock und Pop bis zu alten Seemannsliedern“, erklärt Alexandra Köhler, Leiterin der drei Singkreise. Neben vielen Vorteilen des Singens, wie der Stimulation von kognitiven Fähigkeiten, Aktivierung des Langzeitgedächtnisses, der Entspannung oder Atemregulation, ist die Förderung sozialer Kontakte im Haus besonders wichtig. „Wer bei uns gesungen hat, trifft sich später auch noch einmal auf dem Gang."

Die Singgruppen werden wöchentlich sowohl für unsere geriatrischen und Demenzpatienten als auch für unsere psychiatrischen Patienten angeboten“, so Alexandra Köhler weiter. „In unserem Krankenhaus schafft das Singen auch eine neue Offenheit und Freude. Es ist ein Erfolg, dass Patienten nicht selten im Anschluss an die Singgruppe beschwingt und mit einer Melodie auf den Lippen auf ihre Station zurückkehren“, erklärt Jens Köster, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik Psychiatrie und Psychotherapie. Singen im Krankenhaus fördert eine warmherzige Atmosphäre und bildet einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von Kultur und Gemeinschaft in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen.

Die internationale Initiative „Singende Krankenhäuser e. V.“ engagiert sich seit 2009 für die vermehrte Verfügbarkeit von Singangeboten in Gesundheitseinrichtungen. Die Initiative folgt dabei dem Grundgedanken, dass gemeinsames Singen die Gesundheit fördere und zur besseren Bewältigung bestehender Erkrankungen beitrage. Die Vision des Netzwerks ist ein Gesundheitswesen, in dem den Menschen die heilsame Kraft des Singens erlebbar gemacht wird und von Patienten, Behandlern und Vertretern des Gesundheitssystems als Ansatz für Krankheitsbewältigung und Gesundheitsfürsorge anerkannt und eingesetzt wird.

v.l.n.r.: Edith Stöwesand mit Akkordeon; Alexandra Köhler, Gerontopsychiatrische Fachkraft und Altentherapeutin und Leiterin der drei Singkreise; Marie-Theres van Almsick, Pflegedienstleitung; Jens Köster, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik Psychiatrie und Psychotherapie; Sabina Nanni, Bereichsleitung Pflege und Kai von Lünenschloß mit Gitarre, Vorsitzender des internationalen Netzwerks „Singende Krankenhäuser e.V.“
(Bildquelle: Öffentlichkeitsarbeit VCK)

Vorbeugen besser als Heilen

„Kongress für Menschliche Medizin“ 2017 in Frankfurt

Prof. Dr. med. Jörg Spitz (geb. 1943) aus Schlangenbad bei Wiesbaden ist Facharzt für Nuklearmedizin, Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin. Prof. Spitz hält einen Paradigmenwechsel in der Medizin für überfällig: „Weltweit zeigen interdisziplinäre Forschungsergebnisse die elementare Bedeutung der Umwelt und des Lebensstils für die Gesundheit der Menschen. Vor diesem Hintergrund ist Vorbeugen eindeutig besser als Heilen. Immer mehr Menschen fordern ein Umdenken und schätzen die Lebensqualität höher ein als die Quantität (gewonnene Zeit ohne Lebensqualität). Vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung ist dies eine große Herausforderung für die Medizin in der Gegenwart und Zukunft“.

Seit einigen Jahren widmet sich Prof. Dr. Spitz ausschließlich der Erarbeitung von Präventionskonzepten und deren Umsetzung in der Praxis. 2008 gründete er die „Deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention” und 2014 die „Akademie für menschliche Medizin und evolutionäre Gesundheit”. Ferner organisiert er seit 2014 den „Kongress für Menschliche Medizin“, der 2017 unter dem Themenschwerpunkt „Neue Perspektiven zur Entstehung und Therapie von Krebserkrankungen“ am 25. – 26. März in Frankfurt stattfand. Neben der wichtigen Bedeutung von Nährstoffen, Bewegung und Sport sowie der Gesprächstherapie hatte Herr Prof. Dr. Spitz auch die Bedeutung der Musik, speziell des Singens, für onkologische Patienten im Blick und die erste Vorsitzende Elke Wünnenberg der Singenden Krankenhäuser e.V. zu diesem Thema eingeladen.

Elke Wünnenberg sprach in ihrem Vortrag darüber, wie Menschen erleben, dass Musik ihr subjektives Erleben widerspiegelt und erweitert. Daher kommt der Musik seit jeher eine hohe Bedeutung in der Verarbeitung von Krankheit und Leiderfahrungen zu. Selbst zu Singen ist noch viel unmittelbarer,  „bewegt“ den Menschen ganzheitlich, vertieft den Kontakt zu sich und der Welt. Um ihre Wirkungsannahmen wissenschaftlich zu begründen erläuterte sie die Erkenntnisse der Polyvagaltheorie von Stephen Porges. Sie verdeutlichte, wie Singen eine Hotline zu psychovegetativen Funktionskreisen bahnt, aus Überlebensstrategien „erlöst“ und Zugang zu sozialer Bezogenheit, emotionaler Schwingungsfähigkeit und Vitalität verbessert. So wurde auf theoretischer wie praktischer Ebene deutlich, wie das Einschwingen auf einen Atemrhythmus, auf lebensbejahende Texte und musikalische Parameter einen Zugang zu Selbstwirksamkeit, Gemeinschaftserleben und Sinnperspektiven eröffnen kann.

Neben Studienergebnissen hatte sie auch Ausschnitte aus dem Film „Krebs – Singen ist Leben“ dabei. Der 13-minütige Film samt Bonusmaterial zeigt, was möglich ist, wenn Menschen sich in Krisensituationen  auf den Weg machen, ihre eigene (Sing-)Stimme zu finden und in eine Gemeinschaft von Menschen mit Liedern und Bewegung einzutauchen. Realisiert wurde er von
Christine Kostrzewa, Medienbüro Essen im Auftrag der Frauenselbsthilfe nach Krebs, ILCO in Zusammenarbeit mit der Initiative Singende Krankenhäuser e.V.

Auch an diesem Konferenztag wurde deutlich, dass es im Gesundheitssystem noch Bewusstseinsarbeit bedarf, um dem Singen den Stellenwert zu geben, der ihm als Resilienzkraft gebührt. Prof. Dr. Spitz würdigte Elke Wünnenbergs Ausführungen im Anschluss an die Konferenz in einer persönlichen Mail: „Ich muss gestehen, ich hatte gehofft, dass Sie nicht nur ein Liedchen trällern würden (pardon!), sondern auch über einige wissenschaftliche Fakten zu Singen und Musik berichten würden. Einen Vortrag auf einem solch hohen wissenschaftlichen Niveau, der gleichzeitig auch noch emotional berührt, hatte ich nicht erwartet. Alle Achtung! Der Beifall der Teilnehmer machte deutlich, dass dies wohl nicht nur mein Eindruck war“.

Der Kongress wurde aufgezeichnet - das gesamte Kongressmaterial wird online verfügbar sein – zunächst gratis, dann zu einem symbolischen Preis, erhältlich auf der Homepage der Akademie für Menschliche Medizin. In der persönlichen Begegnung mit Prof. Dr. Spitz sagte dieser mit einem Augenzwinkern: „Mein Vorhaben ist wie eine Karawane, die auch in unwirtlichen Umständen ihren Weg findet und weiterzieht. Meinem Netzwerk schließen sich immer mehr an und ich habe in der Zwischenzeit ein sicheres Indiz gefunden, um Menschen zu erkennen, die mit mir unterwegs sein möchten: Leuchtende Augen!!! Singende Krankenhäuser e.V. dankt Herrn Prof. Dr. Spitz für die Einladung zu diesem zukunftsträchtigen Kongress, für sein „Funkeln und Sprühen“, für seine Herzlichkeit und sein Engagement für eine Medizin, in der Singen einen Platz finden wird.

Wir ziehen mit und weiter in der Spitzen-Präventions-Karawane!!!

„Musik verbindet“, dies zeigte sich auf der Parkinson-Gala in Frankfurt

Singende Krankenhäuser e.V. auf der Parkinson-Gala „Musik verbindet“ der Hilde-Ulrichs-Stiftung anlässlich deren 20-jährigem Jubiläum und des Welt-Parkinson-Tages

Anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums feierte die Hilde-Ulrichs Stiftung für Parkinsonforschung am 11. April im „Haus am Dom“ in Frankfurt eine Gala. Thema war die bewegende und verbindende Kraft der Musik in Wort und Klang und deren sinnenfreudige und kurzweilige Vermittlung.

Zu Beginn verriet die junge Carolin Schäfer, die momentan erfolgreichste Siebenkämpferin Deutschlands und Schirmherrin der Stiftung, im Interview, wie Musik ihr helfe, sich vor einem Wettkampf zu fokussieren: Eine spezielle Musikauswahl unterstütze sie dabei, positive Wettkampferfahrungen aus der Vergangenheit zu vergegenwärtigen und sich so zu motivieren.
Schäfer ermunterte die Anwesenden, sich zur sportlichen Aktivierung realistische Ziele zu stecken. Dabei lautet ihr Motto zur Steigerung der Selbstwirksamkeit: „Nichts ändert sich, bis man sich selbst ändert, und plötzlich ändert sich Alles!“.

In diesem Sinn motivierte der Moderator und Ehrenvorstand der Singenden Krankenhäuser, Norbert Hermanns, die Gäste, ihre Körper zu strecken, zu drehen und in Schwingung zu bringen, die Stimme mittels Summen und staunender Rufe aufzuwärmen. Die Gäste zeigten sich sehr aktionsfreudig und schon bald erklang aus allen Kehlen, rhythmisch-beschwingt und tänzerisch im „Haus am Dom“, das Lied „Es tönen die Lieder“. So nahm das Singen die Essenz der folgenden Vorträge vorweg: „Musik verbindet und bewegt“:

Diese These untermauerten nun zwei Experten auf dem Gebiet der „Neurobiologie“:
Prof. Björn Hauptmann, der sich als Fachmann bezüglich der sogenannten nicht-medikamentösen, insbesondere künstlerischen, aktivierenden Verfahren wie Theater, Tanz und Musik bei der Parkinsonschen Krankheit bundesweit einen Namen gemacht hat. Hauptmann ist Mitorganisator der Segeberger Symposien „Medizin trifft Kunst“, die wiederum der Verein „Parkinson bewegt“ (www.parkinson-bewegt.de) veranstaltet.

In seinem Vortrag „Mit sportlichen und künstlerischen Aktivitäten der Krankheit begegnen“ vermittelte Prof. Björn Hauptmann die Ergebnisse der Studienlage verständlich und motivierend:
Bei fachgerechter Anleitung könnten Singen, Tanzen, Theater und Sport erheblich die Krankheitssymptome lindern und die Lebensqualität steigern!

Der Beirat der Singenden Krankenhäuser e.V., Prof. Eckart Altenmüller, Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikmedizin an der Musikhochschule in Hannover, wies zu Beginn seines ebenso informativen wie kurzweiligen Vortrages daraufhin, dass Musizieren von Beginn an ein menschliches Bedürfnis gewesen sei. Die musikalische Wiege der Menschheit stehe gewissermaßen in seiner, Altenmüllers, schwäbischen Heimat, wo bereits vor 35.000 Jahren die ältesten Musikinstrumente der Welt, die sogenannten Knochenflöten, entstanden.

Beide Redner erläuterten anhand von Praxisbeispielen und Studien anschaulich, dass Musizieren die Neuroplastizität des Gehirns fördert. Dies bedeutet, dass Synapsen, Nervenzellen oder auch ganze Hirnareale zwecks Optimierung laufender Prozesse in ihrer Anatomie und Funktion, besonders durch aktives Musizieren, in ihrer Entfaltung unterstützt werden.

Wer ein Instrument erlernt, vernetzt Hirnzentren, die für das Hören, Sehen und Bewegen zuständig sind. Wer schon früh intensiv zu musizieren beginnt, verändert sogar die Form seines Gehirns. Musiker besitzen mehr Nervenzellsubstanz in den Bewegungs- und Sprachzentren und in den Hörzentren als Nichtmusiker. Die Verbindung ihrer beiden Hirnhälften ist stärker ausgeprägt und die Nervenbahn der Bewegungszentren des Gehirns zu den motorischen Neuronen des Rückenmarks - die sogenannte "Pyramidenbahn“ - ist dicker und leitet Informationen schneller weiter.
All diese Effekte können auch therapeutisch, in Singgruppen und zu Hause genutzt werden (vgl.: www.parkinson-bad-segeberg.de/musik-in-der-medizin).

„Tremore mio“, ein Chor Parkinson-Betroffener, betrat anschließend die Bühne. Deren Mitglieder erzählten von ihren Beweggründen zu singen:
„Ich singe, weil es mir großen Spaß macht. Weil jedes neue Stück eine Herausforderung ist, die sich zum Erfolgserlebnis wandelt, wenn es anfängt gut zu klingen. Die Freude darüber verbindet unsere Gemeinschaft sicher noch mehr als nur die Tatsache, dass wir Parkinson haben. Außerdem singe ich auch, um meine Stimme zu kräftigen.“

„Aus demselben Grund, warum wir vor 11 oder 12 Jahren unseren Chor gegründet haben, stehen wir hier. Wir wollten zusammen etwas tun, was uns Spaß macht und womit wir anderen Erkrankten Mut machen können, indem wir zeigen, dass man auch trotz fortgeschrittener Symptomatik noch etwas auf die Beine stellen kann und sich nicht verkriechen muss. Gegen fortschreitende Einschränkungen der Mobilität können wir nichts tun, aber der Gefahr des  sozialen Rückzugs und der Isolation haben wir etwas entgegenzusetzen.“

Der Chor sang u.a. Lieder wie „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Darin heißt es:

„Ich will spüren dass ich lebe.
Jeden Tag, den ich hab', will ich leben, wie ich es will.
Ich will spüren, dass ich lebe.
Wissen, ich war gut genug!“

Die SängerInnen sind Botschafter für wirkungsvolle Eigeninitiative und zeigten die praktische Umsetzung der zuvor vermittelten Forschungsergebnisse:
Wie beseelter musikalischer Ausdruck von Lebensfreude und Verbundenheit die Stimme stärkt, Bewegung fördert und den Atem vertieft.

Nach der Pause erfrischte und begeisterte das Cello-Quartett „cellharmonics“ mit virtuoser feuriger Spielweise von „Cross-Over- und Eigen-Kompositionen“. Alsbald wippten die Zuhörer mit den Füßen und einige hielt es in Anbetracht der z.T. rockig intensiven, durchweg leidenschaftlichen Interpretation, kaum auf den Stühlen.

Es folgte die Ziehung der Hauptgewinne. Schirmherrin Carolin Schäfer betätigte sich hierbei als Glücksfee und wurde anschließend von Moderator Norbert Hermanns und dem Publikum mit dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ in eine gute Nacht verabschiedet, da bereits früh am Folgetag wieder ihr Training anstand.

Anschließend betrat nun das Trio „Luftsprung unplugged“ der „Luftsprung Stiftung“ die Bühne. Diese Stiftung fördert u.a. chronisch erkrankte junge Menschen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Die Konzertreihe „Luftsprung unplugged“ wird organisiert von Stiftungsmitglied Ulrich Hartmann, selbst Mukoviszidose-Betroffener und Absolvent der Musikhochschule Mannheim mit Bachelor im Fach Jazzschlagzeug und aktuell Masterstudent an der Pop-Akademie Mannheim.

Auf die Frage, warum er musiziere, antwortete er:
„Musik ist der ideale und natürlichste Gradmesser für einen gesunden Umgang mit meinem Körper und meiner Seele. Je mehr mein Körper in den Fluss und mein Geist zur Ruhe kommt, je natürlicher und schöner wird die Musik, die dabei entsteht. Dieser “Einklang” wiederum führt zu tiefem Glücksgefühl und Lebensfreude. Die Suche nach diesem Glück treibt mich jeden Tag aufs Neue in den Überaum.
Über das Instrument wird dieses Glück hörbar gemacht und mit anderen teilbar. Die dabei transportierten Gefühle sind tiefer und aufrichtiger als Worte.
Als chronisch kranker Mensch ist es mir ein Bedürfnis, dieses Glücksgefühl an Menschen weiter zu geben, die ebenfalls einen Körper haben, der ihnen täglich Steine in den Weg legt.

“Luftsprung Unplugged” soll beweisen, dass auch "chronisch erkrankte“ Menschen eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellen. Erst recht, wenn wir den Mensch hinter der Erkrankung erkennen (und zum Klingen bringen) und wir alle zusammen arbeiten (musizieren).

Ein Trio mit Ulrich Hartmann (Drums), Mama el Dsoki (Sängerin) und Jan David (Gitarre) begeisterte sofort die Gäste. Maram el Dsoki soulige Stimme, das knackig-präzise Spiel von Ulrich Hartmann und die funkig-sprühende Gitarre von Jan David holten die Zuhörer zunehmend von den Stühlen und führten in die Abschlussparty des Abends.

Zu guter Letzt fanden sich alle Beteiligten zu einem „All-Together“ auf der Bühne ein, das der „Tremore mio“-Chor mit dem Gospel „Clap your hands“ begann und in das alle Mitwirkenden einstimmten.
Arm in Arm schunkelnd sangen Publikum und Gäste „Oh lass es Dir gut gehn“, begleitet von Jan David an der Gitarre.

Moderator Norbert Hermanns sprach dem kräftig applaudierenden Publikum aus der Seele, als er allen Mitwirkenden, insbesondere auch der Geschäftsführerin und maßgebliche Organisatorin Stephanie Heinze sowie dem Vorsitzender des Stiftungsbeirats Dr. Jürgen und dem Team herzlich für diesen bewegenden Abend dankte.

Musik zum Ausklang bot Bernd Everding, die erstaunlich viele Gäste zum Tanzen nutzten.
Bernd Everding war weltweit tätiger Produktmanager Musik und spielte in zahlreichen Funk- und Soul-Bands. Mit 42 Jahren erkrankte er an Parkinson und verarbeitete seine Erfahrungen in seinem Song „Thank you Mr. P:“
www.soundcloud.com/bernd-everding/thank-you-mr-p

Hierzu ist auf der Seite des Gala-Veranstalters ein Interview mit Bernd Everding zu finden:
www.parkinsonweb.com/Heidenheimer-Zeitung-Ausgabe-WoEnde-25_26-Feb-2017.pdf

So heizte Bernd Everding mit seinem New York stämmigen Freund, Soul-Sänger John Alexander, noch einmal kräftig dem Publikum ein.
Das spontan improvisierte Duett von John Alexander und Mama El Dsoki wurde zu einem Highlight des Abends und entließ Auditorium wie Veranstalter erfüllt auf den Heimweg.

Bewegende Momente bei der Jahreskonferenz in Hannover

Text: Thomas Jüchter und Sandra Roß-Lünenschloß
Fotos: Barbara Jahn

Wie Singen bewegt – bewegtes Singen belebt

Jahreskonferenz Singende Krankenhäuser e.V.
23. - 25-03.2017, Stephansstift Hannover

Vom 23. - 25.03.2017 trafen sich in Hannover 120 Teilnehmer zur fünften Jahreskonferenz von Singende Krankenhäuser e.V. zum Thema „ Wie singen bewegt – bewegtes Singen belebt “, ein Ansatz zur Gesundheitsprävention und Krankheitsbewältigung.
Das Stephansstift als Tagungsort erwies sich als gute Wahl und da die Rahmenbedingungen stimmig waren, konnten die Teilnehmer dort reichhaltige Tage erleben, getragen von der Professionalität, Offenheit und Kreativität des Netzwerks.

„Singen führt in Bewegung, in „E-Motion“, schafft Zugang zu den aus dem Bewusstsein verbannten Gefühlen und Bedürfnissen und wirkt so dem „Nur-noch-Funktionieren“, dem Stagnieren in Kontrolle und Problemtrancen entgegen.“ So formulierte es die Vorstandsvorsitzende Elke Wünnenberg in ihren einleitenden Worten. „Singen bewegt und hilft, mit dem zu gehen, was uns bewegt, in uns lebendig schwingt und durch den Atem ins Fließen kommt“.

Elke Wünnenberg stellte druckfrisch den von ihr herausgegebenen, zweiten bearbeiteten und erweiterten Tagungsband „Singen als heilsame Kraft - Das Potenzial des Singens für das Gesundheitssystem“ vor. Es geht darin um Grundlagen, Praxisfelder und Perspektiven des Heilsamen Singens und spiegelt die Vielfalt der Arbeit der singenden Krankenhäuser wider. Der Tagungsband ist zum Preis von 29,90 € im Webshop von Singende Krankenhäuser e.V. zu beziehen.

In ihren Grußwörtern hoben Regierungspräsident der Region Hannover, Hauke Jagau, Bürgermeister Thomas Hermann sowie Uwe Mletzko, Pastor des Henriettenstiftes (zertifiziertes singendes Krankenhaus in Hannover), die Bedeutung des Singens als gemeinschaftsfördernde, tröstliche, aktivierende Ressource hervor. „Singen schafft Wunder“, sagte Pastor Mletzko. Er erinnerte an das afrikanische Sprichwort „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“

Wolfgang Bossinger betonte in seiner Funktion als Ehrenvorsitzender die Bedeutung des Singens zur Entstehung guter Beziehungen – gute Beziehungen wiederum seien entscheidend für Aktivierung der Selbstheilungskräfte, die Welt brauche heute mehr denn je miteinander verbundene Menschen!

Prof. Dr. phil habil. Theo Hartogh, Professor für Musikpädagogik der Universität Vechta, hielt den Eröffnungsvortrag zum Thema Demenz und Musik, Musik und Kulturgeragogik. Er gab einen Überblick über Studien zum Thema Alter und musikalische Aktivität. Die Generation 60+ wolle aktiv Musik machen, daher steige die Nachfrage gerade an Gruppenangeboten und besonders dem Singen. Er zitierte die Altersforscher Reimer Gronemeyer von „Aktion Demenz“ und Peter Whitehouse, Professor für geriatrische Neurologie an der Case Western Reserve University in Cleveland, USA, die Demenz als einen bloßen Alterungsprozess des Gehirns begreifen - nicht als Krankheit. In Zukunft brauche es viel mehr integrierende Angebote wie das Heilsame Singen, es geht mehr um die Würdigung und Stärkung der Kompetenzen als um das Herausstellen der Defizite.

Einen weiteren interessanten Vortrag hielt Prof. Dr. med. Peer Abilgaard, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an den SANA-Kliniken Duisburg. Parallel ist er auch Professor für Musikermedizin an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, zudem noch Chorleiter und Sänger. Sein Statement: „Manchmal geht mit mancher Musik für manche manches besser“. Er stellt die wichtige Bedeutung günstiger Rahmenbedingungen heraus. Wenn Kontext und die Einstellungen stimmen, könne Musik und Singen die Resilienzkräfte im Menschen stärken, Herz und Hören weit machen, dadurch „innere Vielstimmigkeit“ fördern.

Praktisch ging es in den sechs Workshops zu:

  • Sylvia Abegg widmete sich der Frage, wie Demenz singend überbrückt werden kann.
  • Friederike Bauer zeigte, mit welchem Repertoire in ihrer COPD-Gruppe auch Männer zum Singen bewegt werden können.
  • Ulrike Behr näherte sich Schritt für Schritt dem Singen bei neurologischen Erkrankungen.
  • Bei Sylka Uhlig ging es um Singen, Summen und Rappen als Zugang zur Emotionsregulierung.
  • Katharina und Wolfgang Bossinger gaben Einblicke in die Verbindung von Chants mit Bodypercussion.
  • Jochen Bockholt fokussierte das Heilsame Singen als Nahrung für Körper und Seele.

Theoretischer wurde es in den Netzwerkthemen von Christina Kostrzewa, freie Journalistin und Autorin, zum Thema Öffentlichkeitsarbeit, von Elke Wünnenberg zum Thema Praxis in Singgruppen, von Vera Kimmig zum bisherigen §87b, neu §43b SGB und zum Singen in Altersheimen, sowie von Norbert Hermanns zur Etablierung von Singangeboten in Kliniken.

Christine Kostrzewa stellte ihren Film „Krebs – Singen ist Leben“ vor. Sie begleitet seit vielen Jahren an Krebs erkrankte Frauen und porträtiert einige in diesem Film. Christine Kostrzewa, die in der Reihe „Filme gegen die Angst“ schon mehrere DVDs prodziert hat, fokussiert hier die Heilung unterstützende Form des Singens. Exemplarisch kommen etwa betroffene Frauen und Männer sowie leitende Ärzte der Uni Köln und des Evangelischen Krankenhauses Mühlheim vor, die eindrücklich schildern, welche positiven Effekte das Heilsame Singen hat. Ihr Film ist ein sehr starkes Dokument für Klinikbetreiber und Krankenkassen, Heilsames Singen im Gesundheitssystem zu etablieren.

Auftraggeber und Initiatoren waren die Frauenselbsthilfe nach Krebs Landesverband NRW e.V. (Kooperationspartner von Singende Krankenhäuser e.V.) www.frauenselbsthilfe.de und die Deutsche ILCO Landesverband NRW e.V.
Mit der Projektförderung der AOK Rheinland/Hamburg wurde der finanzielle Grundstein gelegt. Auch der Verein Singende Krankenhäuser e.V. beteiligte sich inhaltlich und finanziell an dem Projekt.

Auch weitere Kooperationspartner stellten sich auf der Jahreskonferenz vor:

  • Stefan Kleinstück von der Initiative „Tanzen bewegt“, er zeigte: Singen und Tanzen gehören zusammen (www.wir-tanzen-wieder.de)
  • Marie Beisert von der Agentur KuGeL - Kunst, Gesundheit, Leben - die Kulturschaffende mit Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen zusammenbringen möchte (www.kugelkultur.de)
  • Simone Willig stellte den Verein TROTZDEMENZ vor, der sich für eine neue, potentialorientierte Sichtweise auf Menschen mit Demenz einsetzt (www.trotzdemenz.de)

Erik Franklin, Sportwissenschaftler, Tänzer, Choreograf und Universitätsdozent, stellte in Vortrag und Workshop seine nach ihm benannte Franklin-Methode als eine dynamische Bewegungslehre vor. Diese Methode fügt sich aus Imagination, Bewegung, erlebter Anatomie und Berührung zusammen, sehr anschaulich zeigte er die Funktion und Wirkweise des auch beim Singen höchst beanspruchten Zwerchfelles und zeigte Übungen zur Aktivierung.

Im Vortrag von Elke Wünnenberg ging es um „Bewegende Begegnung“ als Kultur des Miteinanders, um Standpunkt in Praxis und Ausblick auf Forschungsfragen der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“. Zentraler Aspekt in ihren Ausführungen ist das Singen als Seins-Erfahrung zu begreifen. Sie erläuterte die Polyvagaltheorie nach Stephen Porges als wissenschaftliche Grundlage für die Vielzahl von spontanen Rückmeldungen, im Singen einen sicheren Raum und Zugang zu Kontakt und Lebendigkeit zu finden.

Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war die Präsentation des Filmes von Dagmar Titsch, die bei der Kölner Jahreskonferenz vor zwei Jahren mit der Kamera unterwegs war. Dabei ist ein 18-minütiger Film entstanden, der vielfältige Einblicke in die SiKra-Seele gibt. Auf YouTube zu sehen unter „Die Kraft des Heilsamen Singens“ und demnächst auf der Homepage von „Singende Krankenhäuser“ sowie auf facebook.

Während der stimmungsvollen Liedernacht mit 400 Besuchern in der schönen Kapelle des Stephansstiftes, welche die Singleiter Jochen Bockholt und Inke Lechner organisiert hatten, kamen beachtliche 1800 € an Spenden zusammen!

Im Nachklang dieser abwechslungsreichen Tage äußerten sich viele Teilnehmer begeistert über die gute Mischung von Theorie und Praxis und das erfüllende Miteinander aller TeilnehmerInnen.

Thomas Jüchter, 21614 Buxtehude, Helga-Wex-Platz 8b
Dipl.Musiktherapeut/FH-NL
thomas.juechter@web.de

Singender Umzug „Wieverfastelovend“ in der Uniklinik Köln

Un wenn dat Trömmelche jeht, dann stonn se all parat...

Und wie wir alle wieder parat standen! Über 60 „Jecken“ fanden sich an Weiberfastnacht, oder eher „Wieverfastelovend“ wieder in der Klinikkirche der Uniklinik Köln zum 6. Singenden Umzug zusammen. Ja, der singende Umzug hat tatsächlich das schulfähige Alter erreicht!
Statt Schulhefte gab es an diesem Tag liebevoll vorbereitete Blätter zur Unterstützung der Kultur „der zweiten und dritten Strophe“.
Ausgestattet mit dieser kölschen Liedgut-Lektüre stimmte uns Edel-Punk Norberto ein, und bald gab es ein fröhliches Quäken und Juchzen von schmucken Sultans, kessen Bienen und anderen phantasievollen Gestalten.

Los ging es um 11:11 Uhr mit dem traditionellen Lied „Eimol Prinz zu sin“, in ausdrucksvoller Pantomime, die nach der passierten Pförtnerloge in ein beherztes „Mate Aroha - Kölle Alaaf!“ überging und in den hohen Fluren der Uniklinik auf das herrlichste schallte!

Nicht nur die Anzahl der Umzugssänger wächst stetig mit Sängern der Singgruppe, mutigen Gästen aus der „verbotenen Stadt“ (D-dorf) und Singleitern aus der Region. Auch die musikalische Combo, die alle Jecken rhythmisch im Zaum hielt, ist gewachsen: So bekam das Singleiter-Stammteam  bestehend aus einem Huhn mit der „Quetsch“ (Bärbel Kükenshöner), einem Dieb und Herzensbrecher (Micha Meza), der janz, janz zachten Clownin in rosé mit der dicken Trum (Hille Grooterhorst) und der weitgereisten Esferaldinosia  (Monika Wiese) noch musikalische Unterstützung vom Sulltaaaan (Martin Hermanns), ne kölsch lecker Mädsche am Trömmelschen (Anni....), dem Pandabär (Adrian Gahbler) an der Djembe und einem waschechten Revoluzzer (Helmut Metten).

Janz zuvörderst winkte unsere Edelkeit Norberto mit Neptuns (oder gar Beelzebubs?) Gabel, um die singende Schar anzuführen und zu dirigieren.

So zog der bunte Trupp singend, trommelnd, rasselnd hinüber zum Herzzentrum – passierende Patienten in Rollstühlen oder Betten, auf dem Weg zum OP wurden bereits im Vorfeld mit dem Ruf „Majestät!“ angekündigt und es öffnete sich eine Gasse, in der die Narren mit freudig-erhabener Verbeugung grüßten! Wunderbar und berührend zu sehen, wie so mancher Patient mit der hoheitlichen Zuwendung an Strahlkraft gewann, freudig zurück grüßte, und noch Meter weiter im Takt winkte!

Auf jedem Flur und an jeder Tür begegneten uns immer wieder verkleidete Mitarbeiter und ausschließlich freundliche Gesichter, die bei „Viva Colonia“ mitsangen und sich für eine ganze Weile in die Magie des kölschen Karnevals hinein ziehen ließen.

So ging es wohl auch den Ärzten und anderen Mitarbeitern, die zunächst am Rande standen als wir das Foyer des Herzzentrums erreichten und dort im großen Kreis die hohen Hallen schon bald nach kölschen Klassikern wie „En dr Kayrgass“ oder auch einem feurigen „Haida!“ die ganze Eingangshalle bis in die einsehbaren Flure und Räume der anderen Etagen zum vibrieren und feiern brachten. Nicht lange, und die Ärzte wurden eingeladen, untergehakt und sangen mit Inbrunst und wachsender Heiterkeit die umgetextete Variante  von „Drink doch ene mit“ von Bärbel:

„Sing doch einfach mit, stell Dich nit esu an,
Du stehst hier die janze Zick eröm.
Bist auch als scheu, dat jeht schnell vorbei:
sing doch einfach mit, sing einfach mit!“
Wunderbar! So geht Integration! :-)

Und es waren diesmal nicht nur die asiatischen Gäste, die das jecke Treiben, in dem so herrlich spürbar wird, „dass mer doch alle jlich sin im Hätze“ mit ihren Kameras staunend einfingen – viele Mitarbeiter standen am Geländer oder an den Fenstern und filmten die wunderbare Verwandlung des Foyers.

Dann folgte ein fliegender Wechsel, denn kaum waren unsere Töne von „Bele Mama“ verklungen, folgte auch schon ein Tanzkorps der neuen Generation 4+ der wir winkend das Foyer überließen und uns wieder auf den Rückweg machten. Die Clownin Rosalie hüpfte immer wieder vorbei oder wagte ein kleines Tänzchen mit dem ein oder anderen Passanten, die ihrem Charme nie widerstehen konnten.

So aufgetankt und erfrischt an „Hätz un Siel“ landeten wir wieder in der Kapelle der Klinik, wo Gänsewein und bunter Konfettikuchen auf uns warteten und viele Erinnerungsbilder gemacht wurden - nicht selten mit dem himmlischen Segen des Altars im Hintergrund... Auch das ist kölscher Karneval - der „Herrjott“ ist irgendwie immer mit Schmunzeln im Hintergrund dabei...

Und wenn im nächsten Jahr die verhexte 7 lockt, dann klingt es vielleicht:
“wat och passiert, das eine ist doch klar: et schönste wat mer han, schon all die lange Johr, is unser Umzug....“

Bericht: Monika Wiese
Fotos: Christian Wittke, MedizinFotoKöln

„Wunderheiler“ Eckart von Hirschhausen auf Tour in Recklinghausen

„Wir haben die Bude gerockt“

Singleiterin Hildegard Hospital am Infostand

Zitat von Teilnehmerin Antje H.

Die Singleiterinnen Hildegard Hospital und Claudia Kock sowie acht ihrer Singgruppen-TeilnehmerInnen sorgten für eine tolle Präsenz der „Singenden Krankenhäuser“ im ausverkauften Ruhrfestspielhaus Recklinghausen: Unser musikalisch-buntgestalteter Info-Stand, der neben einiger Fachliteratur zur Ansicht natürlich auch eine Menge Informationen über die Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“ sowie Sing-Flyer der Region zur Mitnahme zu bieten hatte, wurde sehr interessiert wahrgenommen.

Claudia Kock und "Sing-Mit" beim Warming up

Die Besucher wurden von uns bereits im Foyer musikalisch mit einem „Herzlich willkommen, schön, dass Ihr da seid…“ sikra-like begrüßt. Die anfängliche Scheu und Zurückhaltung sangen wir einfach in Mut und Begeisterung um und so kam es zu einem ganz besonderen Gemeinschaftserleben und vielen freudigen Begegnungen. Ganz unter dem Motto „Sing doch einfach mit“ kamen viele Besucher von Beginn an unserer mitreißenden Einladung nach und trauten sich sogar an die Percussions-Instrumente.

Musikalischer Abschied aller Gäste

Die fetzigsten Titel aus unserem heilsamen Liedgut (mit z.T. situativ spontanen Textvarianten) wie „Singen ist Energie“, „Komm‘Se ran, könn‘Se mitsingen“, „Komm und bring -Dein Lachen- in diesen Tag…“, „Immer wenn ich sing…“, „Leilola…ein bisschen lachen, ein bisschen quatschen …“ sorgten für eine heitere bis ausgelassene Stimmung im ganzen Foyer. Auch in der Pause gelang es uns, die Gäste zum Mitswingen und Mitsingen zu animieren.
Natürlich durften da die Liedern aus dem Bühnenprogramm wie „Wunder gibt es immer wieder…“ oder „Auf einem Baum ein Kuckuck, Simsalabim…“ nicht fehlen.

Das Tour-Management ermöglichte tatsächlich all unseren Helfern, das Erleben einer äußerst amüsanten, aber mindestens ebenso tiefsinnigen Show, in der Eckart von Hirschhausen den Verein "Singende Krankenhäuser" wie immer besonders erwähnte und uns nett begrüßte. So verbrachte unsere Gruppe einen wirklich unvergesslichen und energiereichen Abend, den so schnell niemand vergessen wird. DANKE.

Auch zum Ende der Veranstaltung ließen wir es uns nicht nehmen, alle Gäste mit einer temperamentvollen Version von „Aufwiedersehen, mögest Du mit Freude, Lachen, Wundern und weiteren guten Wünschen geh´n“ am Ausgang sehr persönlich zu verabschieden.
Unser Dankeschön-Lied „Ihr seid geboren, weil Ihr wichtig seid…“ jeweils ganz persönlich gerichtet an die beiden Klinikclowns, die Garderoben-Damen sowie die Catering-Crew, an das Service- und Ticketteam, ans Tour-Management und auch an Eckart von Hirschhausen, hat so manches Herz tief berührt.
Gleich beim nächsten offenen Singtreff im Prosper-Hospital konnten wir die positive Resonanz durch eine Rekordteilnehmerzahl von fast 30 Teilnehmern spüren. Wow und Juchhuu, der Singvirus greift um sich…

Mit klangvollen Grüßen aus dem Ruhrpott Claudia Kock.
www.singmitclaudiakock.de

5. NordSingLeiter-Treffen in Hamburg

Sabine Git - mit Gitarre

Am 4.2.2017 fand das insgesamt 5. NoSiLei-Treffen statt. NoSiLei steht für NordSingLeiter und ist ein loses Netzwerk von inzwischen 48 im Norden ansässigen Singleitern. Sabine Kirjakov lud zu sich in die Volkshochschule nach Hamburg-Farmsen ein. 18 KollegInnen folgten der Einladung in einen atmosphärisch sehr schönen Raum. Die ehemalige LaLeLu-Sängerin und Stimmcoach Sonja Wilts aus Lübeck war zu einem Workshop eingeladen, der vor allem das unangestrengte Singen fokussiert. Gut für uns und für unsere Teilnehmer. Dabei ging es viel um Atmung und Atemmuskulatur, die Frage, wie "Stütze" wirklich funktioniert, um den Kehlkopf, um emotionale Verbindungen zur Stimme, um die Körperbefindlichkeit insgesamt, Die Schnute-Übung also das Lösen von Verspannungen und Versteifungen beim Singen. Wir durften reichhaltige Anregungen auch für Warming-Ups ausprobieren und mitnehmen.

Das nächste NoSiLei-Treffen findet am Samstag, 9. September bei Rainer und Nuriama Lichterstein in Grebenhagen (bei Lübeck) an der Ostsee statt. Nähere Informationen bei Thomas Jüchter thoka.juechter@web.de

Wir waren dabei! ...bei Eckart von Hirschhausen´s Wunderheiler-Tour

Herzlichen Dank für die Einladung

Am 3. November 2016 hatten wir, das sind Singleiter Christa und Frank Schäffer sowie Annemarie Denk, unterstützt von ihrem Sohn Julian, die Möglichkeit einen Info-Tisch für Singende Krankenhäuser e.V. bei der Wunderheiler-Veranstaltung von Eckart von Hirschhausen in München im Circus Krone direkt neben Eckarts Autogrammtisch und dem Stand „Humor Hilft Heilen“ aufzubauen und zu präsentieren. Dabei waren wir auch geladen, die mit „wunder“-baren Lachnummern und humorvollen kabarettistisch-medizinischen Seitenhieben gespickte Show zu sehen. Mit allen Beteiligten entwickelte sich ein sehr netter Kontakt. Wir wurden mit roten Nasen ausgestattet und hatten neugierigen Besuch von den Klinikclowns aus München, die für sich werbend durch das Foyer des Circus Krone schlenderten.

Eckart von Hirschhausen konnten wir während der Pause begrüßen und freuten uns sehr, dass er bei seinem Auftritt in München auf Singende Krankenhäuser e. V. während seiner Show aufmerksam machte. Außerdem hatte sein Tourmanager Christian Zumstein die geniale Idee, den Banner von Singende Krankenhäuser direkt hinter Eckarts Autogrammtisch zur Buchsignierung zu stellen. So zeigt jedes, während der Autogrammstunde von Eckart schnell gemachte Foto, „Singende Krankenhäuser e.V.“ deutlich im Hintergrund (siehe Foto).

Die Wunderheiler-Aufführung war getragen von humorvoller Leichtigkeit. Die Lachmuskeln wurden gut trainiert. Insgesamt ein sehr erheiternder Abend.

Herzlicher und großer Dank geht an Eckart und seinen Tourmanager für die Einladung und die gute Unterstützung. Es war ein wirklich „wunder“-barer Abend!

Annemarie Denk www.medibalance.com, Julian Denk
Christa und Frank Schäffer www.fracri.de