Blog

Bewegende Momente bei der Jahreskonferenz in Hannover

Text: Thomas Jüchter und Sandra Roß-Lünenschloß
Fotos: Barbara Jahn

Wie Singen bewegt – bewegtes Singen belebt

Jahreskonferenz Singende Krankenhäuser e.V.
23. - 25-03.2017, Stephansstift Hannover

Vom 23. - 25.03.2017 trafen sich in Hannover 120 Teilnehmer zur fünften Jahreskonferenz von Singende Krankenhäuser e.V. zum Thema „ Wie singen bewegt – bewegtes Singen belebt “, ein Ansatz zur Gesundheitsprävention und Krankheitsbewältigung.
Das Stephansstift als Tagungsort erwies sich als gute Wahl und da die Rahmenbedingungen stimmig waren, konnten die Teilnehmer dort reichhaltige Tage erleben, getragen von der Professionalität, Offenheit und Kreativität des Netzwerks.

„Singen führt in Bewegung, in „E-Motion“, schafft Zugang zu den aus dem Bewusstsein verbannten Gefühlen und Bedürfnissen und wirkt so dem „Nur-noch-Funktionieren“, dem Stagnieren in Kontrolle und Problemtrancen entgegen.“ So formulierte es die Vorstandsvorsitzende Elke Wünnenberg in ihren einleitenden Worten. „Singen bewegt und hilft, mit dem zu gehen, was uns bewegt, in uns lebendig schwingt und durch den Atem ins Fließen kommt“.

Elke Wünnenberg stellte druckfrisch den von ihr herausgegebenen, zweiten bearbeiteten und erweiterten Tagungsband „Singen als heilsame Kraft - Das Potenzial des Singens für das Gesundheitssystem“ vor. Es geht darin um Grundlagen, Praxisfelder und Perspektiven des Heilsamen Singens und spiegelt die Vielfalt der Arbeit der singenden Krankenhäuser wider. Der Tagungsband ist zum Preis von 29,90 € im Webshop von Singende Krankenhäuser e.V. zu beziehen.

In ihren Grußwörtern hoben Regierungspräsident der Region Hannover, Hauke Jagau, Bürgermeister Thomas Hermann sowie Uwe Mletzko, Pastor des Henriettenstiftes (zertifiziertes singendes Krankenhaus in Hannover), die Bedeutung des Singens als gemeinschaftsfördernde, tröstliche, aktivierende Ressource hervor. „Singen schafft Wunder“, sagte Pastor Mletzko. Er erinnerte an das afrikanische Sprichwort „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“

Wolfgang Bossinger betonte in seiner Funktion als Ehrenvorsitzender die Bedeutung des Singens zur Entstehung guter Beziehungen – gute Beziehungen wiederum seien entscheidend für Aktivierung der Selbstheilungskräfte, die Welt brauche heute mehr denn je miteinander verbundene Menschen!

Prof. Dr. phil habil. Theo Hartogh, Professor für Musikpädagogik der Universität Vechta, hielt den Eröffnungsvortrag zum Thema Demenz und Musik, Musik und Kulturgeragogik. Er gab einen Überblick über Studien zum Thema Alter und musikalische Aktivität. Die Generation 60+ wolle aktiv Musik machen, daher steige die Nachfrage gerade an Gruppenangeboten und besonders dem Singen. Er zitierte die Altersforscher Reimer Gronemeyer von „Aktion Demenz“ und Peter Whitehouse, Professor für geriatrische Neurologie an der Case Western Reserve University in Cleveland, USA, die Demenz als einen bloßen Alterungsprozess des Gehirns begreifen - nicht als Krankheit. In Zukunft brauche es viel mehr integrierende Angebote wie das Heilsame Singen, es geht mehr um die Würdigung und Stärkung der Kompetenzen als um das Herausstellen der Defizite.

Einen weiteren interessanten Vortrag hielt Prof. Dr. med. Peer Abilgaard, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an den SANA-Kliniken Duisburg. Parallel ist er auch Professor für Musikermedizin an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, zudem noch Chorleiter und Sänger. Sein Statement: „Manchmal geht mit mancher Musik für manche manches besser“. Er stellt die wichtige Bedeutung günstiger Rahmenbedingungen heraus. Wenn Kontext und die Einstellungen stimmen, könne Musik und Singen die Resilienzkräfte im Menschen stärken, Herz und Hören weit machen, dadurch „innere Vielstimmigkeit“ fördern.

Praktisch ging es in den sechs Workshops zu:

  • Sylvia Abegg widmete sich der Frage, wie Demenz singend überbrückt werden kann.
  • Friederike Bauer zeigte, mit welchem Repertoire in ihrer COPD-Gruppe auch Männer zum Singen bewegt werden können.
  • Ulrike Behr näherte sich Schritt für Schritt dem Singen bei neurologischen Erkrankungen.
  • Bei Sylka Uhlig ging es um Singen, Summen und Rappen als Zugang zur Emotionsregulierung.
  • Katharina und Wolfgang Bossinger gaben Einblicke in die Verbindung von Chants mit Bodypercussion.
  • Jochen Bockholt fokussierte das Heilsame Singen als Nahrung für Körper und Seele.

Theoretischer wurde es in den Netzwerkthemen von Christina Kostrzewa, freie Journalistin und Autorin, zum Thema Öffentlichkeitsarbeit, von Elke Wünnenberg zum Thema Praxis in Singgruppen, von Vera Kimmig zum bisherigen §87b, neu §43b SGB und zum Singen in Altersheimen, sowie von Norbert Hermanns zur Etablierung von Singangeboten in Kliniken.

Christine Kostrzewa stellte ihren Film „Krebs – Singen ist Leben“ vor. Sie begleitet seit vielen Jahren an Krebs erkrankte Frauen und porträtiert einige in diesem Film. Christine Kostrzewa, die in der Reihe „Filme gegen die Angst“ schon mehrere DVDs prodziert hat, fokussiert hier die Heilung unterstützende Form des Singens. Exemplarisch kommen etwa betroffene Frauen und Männer sowie leitende Ärzte der Uni Köln und des Evangelischen Krankenhauses Mühlheim vor, die eindrücklich schildern, welche positiven Effekte das Heilsame Singen hat. Ihr Film ist ein sehr starkes Dokument für Klinikbetreiber und Krankenkassen, Heilsames Singen im Gesundheitssystem zu etablieren.

Auftraggeber und Initiatoren waren die Frauenselbsthilfe nach Krebs Landesverband NRW e.V. (Kooperationspartner von Singende Krankenhäuser e.V.) www.frauenselbsthilfe.de und die Deutsche ILCO Landesverband NRW e.V.
Mit der Projektförderung der AOK Rheinland/Hamburg wurde der finanzielle Grundstein gelegt. Auch der Verein Singende Krankenhäuser e.V. beteiligte sich inhaltlich und finanziell an dem Projekt.

Auch weitere Kooperationspartner stellten sich auf der Jahreskonferenz vor:

  • Stefan Kleinstück von der Initiative „Tanzen bewegt“, er zeigte: Singen und Tanzen gehören zusammen (www.wir-tanzen-wieder.de)
  • Marie Beisert von der Agentur KuGeL - Kunst, Gesundheit, Leben - die Kulturschaffende mit Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen zusammenbringen möchte (www.kugelkultur.de)
  • Simone Willig stellte den Verein TROTZDEMENZ vor, der sich für eine neue, potentialorientierte Sichtweise auf Menschen mit Demenz einsetzt (www.trotzdemenz.de)

Erik Franklin, Sportwissenschaftler, Tänzer, Choreograf und Universitätsdozent, stellte in Vortrag und Workshop seine nach ihm benannte Franklin-Methode als eine dynamische Bewegungslehre vor. Diese Methode fügt sich aus Imagination, Bewegung, erlebter Anatomie und Berührung zusammen, sehr anschaulich zeigte er die Funktion und Wirkweise des auch beim Singen höchst beanspruchten Zwerchfelles und zeigte Übungen zur Aktivierung.

Im Vortrag von Elke Wünnenberg ging es um „Bewegende Begegnung“ als Kultur des Miteinanders, um Standpunkt in Praxis und Ausblick auf Forschungsfragen der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“. Zentraler Aspekt in ihren Ausführungen ist das Singen als Seins-Erfahrung zu begreifen. Sie erläuterte die Polyvagaltheorie nach Stephen Porges als wissenschaftliche Grundlage für die Vielzahl von spontanen Rückmeldungen, im Singen einen sicheren Raum und Zugang zu Kontakt und Lebendigkeit zu finden.

Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war die Präsentation des Filmes von Dagmar Titsch, die bei der Kölner Jahreskonferenz vor zwei Jahren mit der Kamera unterwegs war. Dabei ist ein 18-minütiger Film entstanden, der vielfältige Einblicke in die SiKra-Seele gibt. Auf YouTube zu sehen unter „Die Kraft des Heilsamen Singens“ und demnächst auf der Homepage von „Singende Krankenhäuser“ sowie auf facebook.

Während der stimmungsvollen Liedernacht mit 400 Besuchern in der schönen Kapelle des Stephansstiftes, welche die Singleiter Jochen Bockholt und Inke Lechner organisiert hatten, kamen beachtliche 1800 € an Spenden zusammen!

Im Nachklang dieser abwechslungsreichen Tage äußerten sich viele Teilnehmer begeistert über die gute Mischung von Theorie und Praxis und das erfüllende Miteinander aller TeilnehmerInnen.

Thomas Jüchter, 21614 Buxtehude, Helga-Wex-Platz 8b
Dipl.Musiktherapeut/FH-NL
thomas.juechter@web.de

Singender Umzug „Wieverfastelovend“ in der Uniklinik Köln

Un wenn dat Trömmelche jeht, dann stonn se all parat...

Und wie wir alle wieder parat standen! Über 60 „Jecken“ fanden sich an Weiberfastnacht, oder eher „Wieverfastelovend“ wieder in der Klinikkirche der Uniklinik Köln zum 6. Singenden Umzug zusammen. Ja, der singende Umzug hat tatsächlich das schulfähige Alter erreicht!
Statt Schulhefte gab es an diesem Tag liebevoll vorbereitete Blätter zur Unterstützung der Kultur „der zweiten und dritten Strophe“.
Ausgestattet mit dieser kölschen Liedgut-Lektüre stimmte uns Edel-Punk Norberto ein, und bald gab es ein fröhliches Quäken und Juchzen von schmucken Sultans, kessen Bienen und anderen phantasievollen Gestalten.

Los ging es um 11:11 Uhr mit dem traditionellen Lied „Eimol Prinz zu sin“, in ausdrucksvoller Pantomime, die nach der passierten Pförtnerloge in ein beherztes „Mate Aroha - Kölle Alaaf!“ überging und in den hohen Fluren der Uniklinik auf das herrlichste schallte!

Nicht nur die Anzahl der Umzugssänger wächst stetig mit Sängern der Singgruppe, mutigen Gästen aus der „verbotenen Stadt“ (D-dorf) und Singleitern aus der Region. Auch die musikalische Combo, die alle Jecken rhythmisch im Zaum hielt, ist gewachsen: So bekam das Singleiter-Stammteam  bestehend aus einem Huhn mit der „Quetsch“ (Bärbel Kükenshöner), einem Dieb und Herzensbrecher (Micha Meza), der janz, janz zachten Clownin in rosé mit der dicken Trum (Hille Grooterhorst) und der weitgereisten Esferaldinosia  (Monika Wiese) noch musikalische Unterstützung vom Sulltaaaan (Martin Hermanns), ne kölsch lecker Mädsche am Trömmelschen (Anni....), dem Pandabär (Adrian Gahbler) an der Djembe und einem waschechten Revoluzzer (Helmut Metten).

Janz zuvörderst winkte unsere Edelkeit Norberto mit Neptuns (oder gar Beelzebubs?) Gabel, um die singende Schar anzuführen und zu dirigieren.

So zog der bunte Trupp singend, trommelnd, rasselnd hinüber zum Herzzentrum – passierende Patienten in Rollstühlen oder Betten, auf dem Weg zum OP wurden bereits im Vorfeld mit dem Ruf „Majestät!“ angekündigt und es öffnete sich eine Gasse, in der die Narren mit freudig-erhabener Verbeugung grüßten! Wunderbar und berührend zu sehen, wie so mancher Patient mit der hoheitlichen Zuwendung an Strahlkraft gewann, freudig zurück grüßte, und noch Meter weiter im Takt winkte!

Auf jedem Flur und an jeder Tür begegneten uns immer wieder verkleidete Mitarbeiter und ausschließlich freundliche Gesichter, die bei „Viva Colonia“ mitsangen und sich für eine ganze Weile in die Magie des kölschen Karnevals hinein ziehen ließen.

So ging es wohl auch den Ärzten und anderen Mitarbeitern, die zunächst am Rande standen als wir das Foyer des Herzzentrums erreichten und dort im großen Kreis die hohen Hallen schon bald nach kölschen Klassikern wie „En dr Kayrgass“ oder auch einem feurigen „Haida!“ die ganze Eingangshalle bis in die einsehbaren Flure und Räume der anderen Etagen zum vibrieren und feiern brachten. Nicht lange, und die Ärzte wurden eingeladen, untergehakt und sangen mit Inbrunst und wachsender Heiterkeit die umgetextete Variante  von „Drink doch ene mit“ von Bärbel:

„Sing doch einfach mit, stell Dich nit esu an,
Du stehst hier die janze Zick eröm.
Bist auch als scheu, dat jeht schnell vorbei:
sing doch einfach mit, sing einfach mit!“
Wunderbar! So geht Integration! :-)

Und es waren diesmal nicht nur die asiatischen Gäste, die das jecke Treiben, in dem so herrlich spürbar wird, „dass mer doch alle jlich sin im Hätze“ mit ihren Kameras staunend einfingen – viele Mitarbeiter standen am Geländer oder an den Fenstern und filmten die wunderbare Verwandlung des Foyers.

Dann folgte ein fliegender Wechsel, denn kaum waren unsere Töne von „Bele Mama“ verklungen, folgte auch schon ein Tanzkorps der neuen Generation 4+ der wir winkend das Foyer überließen und uns wieder auf den Rückweg machten. Die Clownin Rosalie hüpfte immer wieder vorbei oder wagte ein kleines Tänzchen mit dem ein oder anderen Passanten, die ihrem Charme nie widerstehen konnten.

So aufgetankt und erfrischt an „Hätz un Siel“ landeten wir wieder in der Kapelle der Klinik, wo Gänsewein und bunter Konfettikuchen auf uns warteten und viele Erinnerungsbilder gemacht wurden - nicht selten mit dem himmlischen Segen des Altars im Hintergrund... Auch das ist kölscher Karneval - der „Herrjott“ ist irgendwie immer mit Schmunzeln im Hintergrund dabei...

Und wenn im nächsten Jahr die verhexte 7 lockt, dann klingt es vielleicht:
“wat och passiert, das eine ist doch klar: et schönste wat mer han, schon all die lange Johr, is unser Umzug....“

Bericht: Monika Wiese
Fotos: Christian Wittke, MedizinFotoKöln

„Wunderheiler“ Eckart von Hirschhausen auf Tour in Recklinghausen

„Wir haben die Bude gerockt“

Singleiterin Hildegard Hospital am Infostand

Zitat von Teilnehmerin Antje H.

Die Singleiterinnen Hildegard Hospital und Claudia Kock sowie acht ihrer Singgruppen-TeilnehmerInnen sorgten für eine tolle Präsenz der „Singenden Krankenhäuser“ im ausverkauften Ruhrfestspielhaus Recklinghausen: Unser musikalisch-buntgestalteter Info-Stand, der neben einiger Fachliteratur zur Ansicht natürlich auch eine Menge Informationen über die Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“ sowie Sing-Flyer der Region zur Mitnahme zu bieten hatte, wurde sehr interessiert wahrgenommen.

Claudia Kock und "Sing-Mit" beim Warming up

Die Besucher wurden von uns bereits im Foyer musikalisch mit einem „Herzlich willkommen, schön, dass Ihr da seid…“ sikra-like begrüßt. Die anfängliche Scheu und Zurückhaltung sangen wir einfach in Mut und Begeisterung um und so kam es zu einem ganz besonderen Gemeinschaftserleben und vielen freudigen Begegnungen. Ganz unter dem Motto „Sing doch einfach mit“ kamen viele Besucher von Beginn an unserer mitreißenden Einladung nach und trauten sich sogar an die Percussions-Instrumente.

Musikalischer Abschied aller Gäste

Die fetzigsten Titel aus unserem heilsamen Liedgut (mit z.T. situativ spontanen Textvarianten) wie „Singen ist Energie“, „Komm‘Se ran, könn‘Se mitsingen“, „Komm und bring -Dein Lachen- in diesen Tag…“, „Immer wenn ich sing…“, „Leilola…ein bisschen lachen, ein bisschen quatschen …“ sorgten für eine heitere bis ausgelassene Stimmung im ganzen Foyer. Auch in der Pause gelang es uns, die Gäste zum Mitswingen und Mitsingen zu animieren.
Natürlich durften da die Liedern aus dem Bühnenprogramm wie „Wunder gibt es immer wieder…“ oder „Auf einem Baum ein Kuckuck, Simsalabim…“ nicht fehlen.

Das Tour-Management ermöglichte tatsächlich all unseren Helfern, das Erleben einer äußerst amüsanten, aber mindestens ebenso tiefsinnigen Show, in der Eckart von Hirschhausen den Verein "Singende Krankenhäuser" wie immer besonders erwähnte und uns nett begrüßte. So verbrachte unsere Gruppe einen wirklich unvergesslichen und energiereichen Abend, den so schnell niemand vergessen wird. DANKE.

Auch zum Ende der Veranstaltung ließen wir es uns nicht nehmen, alle Gäste mit einer temperamentvollen Version von „Aufwiedersehen, mögest Du mit Freude, Lachen, Wundern und weiteren guten Wünschen geh´n“ am Ausgang sehr persönlich zu verabschieden.
Unser Dankeschön-Lied „Ihr seid geboren, weil Ihr wichtig seid…“ jeweils ganz persönlich gerichtet an die beiden Klinikclowns, die Garderoben-Damen sowie die Catering-Crew, an das Service- und Ticketteam, ans Tour-Management und auch an Eckart von Hirschhausen, hat so manches Herz tief berührt.
Gleich beim nächsten offenen Singtreff im Prosper-Hospital konnten wir die positive Resonanz durch eine Rekordteilnehmerzahl von fast 30 Teilnehmern spüren. Wow und Juchhuu, der Singvirus greift um sich…

Mit klangvollen Grüßen aus dem Ruhrpott Claudia Kock.
www.singmitclaudiakock.de

5. NordSingLeiter-Treffen in Hamburg

Sabine Git - mit Gitarre

Am 4.2.2017 fand das insgesamt 5. NoSiLei-Treffen statt. NoSiLei steht für NordSingLeiter und ist ein loses Netzwerk von inzwischen 48 im Norden ansässigen Singleitern. Sabine Kirjakov lud zu sich in die Volkshochschule nach Hamburg-Farmsen ein. 18 KollegInnen folgten der Einladung in einen atmosphärisch sehr schönen Raum. Die ehemalige LaLeLu-Sängerin und Stimmcoach Sonja Wilts aus Lübeck war zu einem Workshop eingeladen, der vor allem das unangestrengte Singen fokussiert. Gut für uns und für unsere Teilnehmer. Dabei ging es viel um Atmung und Atemmuskulatur, die Frage, wie "Stütze" wirklich funktioniert, um den Kehlkopf, um emotionale Verbindungen zur Stimme, um die Körperbefindlichkeit insgesamt, Die Schnute-Übung also das Lösen von Verspannungen und Versteifungen beim Singen. Wir durften reichhaltige Anregungen auch für Warming-Ups ausprobieren und mitnehmen.

Das nächste NoSiLei-Treffen findet am Samstag, 9. September bei Rainer und Nuriama Lichterstein in Grebenhagen (bei Lübeck) an der Ostsee statt. Nähere Informationen bei Thomas Jüchter thoka.juechter@web.de

Wir waren dabei! ...bei Eckart von Hirschhausen´s Wunderheiler-Tour

Herzlichen Dank für die Einladung

Am 3. November 2016 hatten wir, das sind Singleiter Christa und Frank Schäffer sowie Annemarie Denk, unterstützt von ihrem Sohn Julian, die Möglichkeit einen Info-Tisch für Singende Krankenhäuser e.V. bei der Wunderheiler-Veranstaltung von Eckart von Hirschhausen in München im Circus Krone direkt neben Eckarts Autogrammtisch und dem Stand „Humor Hilft Heilen“ aufzubauen und zu präsentieren. Dabei waren wir auch geladen, die mit „wunder“-baren Lachnummern und humorvollen kabarettistisch-medizinischen Seitenhieben gespickte Show zu sehen. Mit allen Beteiligten entwickelte sich ein sehr netter Kontakt. Wir wurden mit roten Nasen ausgestattet und hatten neugierigen Besuch von den Klinikclowns aus München, die für sich werbend durch das Foyer des Circus Krone schlenderten.

Eckart von Hirschhausen konnten wir während der Pause begrüßen und freuten uns sehr, dass er bei seinem Auftritt in München auf Singende Krankenhäuser e. V. während seiner Show aufmerksam machte. Außerdem hatte sein Tourmanager Christian Zumstein die geniale Idee, den Banner von Singende Krankenhäuser direkt hinter Eckarts Autogrammtisch zur Buchsignierung zu stellen. So zeigt jedes, während der Autogrammstunde von Eckart schnell gemachte Foto, „Singende Krankenhäuser e.V.“ deutlich im Hintergrund (siehe Foto).

Die Wunderheiler-Aufführung war getragen von humorvoller Leichtigkeit. Die Lachmuskeln wurden gut trainiert. Insgesamt ein sehr erheiternder Abend.

Herzlicher und großer Dank geht an Eckart und seinen Tourmanager für die Einladung und die gute Unterstützung. Es war ein wirklich „wunder“-barer Abend!

Annemarie Denk www.medibalance.com, Julian Denk
Christa und Frank Schäffer www.fracri.de

Gelungener Spendenaufruf auf der 15. Münchner Nacht der spirituellen Lieder

Zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, gestalten Wolfgang Friederich, Arzt und Leiter des Klangheilzentrums München und Philipp Stegmüller, Chanter, Lichtgestalter und Singleiter in München, die Nacht der spirituellen Lieder in der 1000 Plätze fassenden St. Michaelskirche in der Münchner Innenstadt. Zu der durch Mantren aus den verschiedensten Kulturen getragenen 3½-stündigen Liedernacht laden sie jeweils einen Gastsänger ein, sowie eine Organisation für einen Spendenaufruf. In der diesjährigen herbstlichen Liedernacht am 28. Oktober 2016 war Raimund Mauch geladen.

Foto: Susanne Hesping

Ich freue mich sehr, dass Wolfgang Friederich mich als Mitglied und Singleiterin bat, einen Spendenaufruf für Singende Krankenhäuser e.V. zu machen und dabei gleichzeitig eines meiner eigenen Lieder vorzustellen.

In der gut gefüllten St. Michaelskirche hielt ich einen Kurzvortrag über Entstehung und Zielsetzung des Vereins und wies insbesondere auf die Möglichkeit der Anschubfinanzierung von Singprojekten an Krankenhäusern durch Spenden hin.

Annemarie Denk am Aktionsstand

Die Erzählung über die Entstehung meines Liedes im Rahmen des Heilsamen Singens in der Schmerztherapie an der Paracelsusklinik München, einem zertifizierten „Singenden Krankenhaus“ und das gemeinsame Singen meines „O(b‘)m auf’m Berg“ wurde fröhlich beklatscht.

Am Aktionstisch konnte ich in der Pause und im Anschluss viele Fragen über Singende Krankenhäuser e.V. beantworten. Es war ein sehr schöner und erfolgreicher Abend, der mit einer hohen Spende belohnt wurde. Großer Dank an alle!

Nähere Informationen zum Klangheilzentrum hier: www.klangheilzentrum.de

Annemarie Denk, www.medibalance.com

Singende Krankenhäuser e.V. bei Landestagung in Münster

v.l.: Sirun und Klaus Hogrefe, Petra Kunz

Die Landestagung der Frauenselbsthilfe nach Krebs NRW e.V. mit vierzig Selbsthilfegruppen vom 28.-30.10.16 in Münster widmete sich am ersten Tag dem heilsamen Singen. Überraschend und wohltuend war die klangvolle Eröffnung durch Elke Wünnenberg, in die ca. 80 Gruppenleiterinnen der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. einstimmten. Petra Kunz, die Landesvorsitzende begrüßte dann die anwesenden Frauen, die wenigen Männer und die Gäste.

Der erste Vortrag widmete sich dem Thema Fatigue - für die Betroffenen wichtig, da viele die Erfahrung von Erschöpfungszuständen kennen, es jedoch an Verständnis und Hilfen mangelt. Danach richtete sich der Blick nicht mehr auf die Erkrankung und deren Folgen, sondern auf die Entfaltung von Potentialen.

v.l.: Elke Wünnenberg, Petra Kunz (Landesvorsitzende NRW), Christine Poensgen

Elke Wünnenberg, 1. Vorsitzende von Singende Krankenhäuser e.V., stellte den Verein und sein Anliegen vor. Sie erläuterte, dass Selbsthilfegruppen und das Netzwerk „Singende Krankenhäuser e.V.“ eine gemeinsame Grundausrichtung hätten: den Menschen in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ganzheitliche Ansätze zu fördern und das Gesundheitssystem mitzugestalten. Dabei betonte die Vorstandsvorsitzende, dass das Gesundheitssystem so menschlich sei, wie sich alle Beteiligten persönlich einbrächten und Beziehungen gelängen. Auch der Umgang mit Krebs sei eine Beziehung – eine Beziehung zu sich selbst, in der sich oft die eigene Biografie und persönliche Überzeugungen spiegelten.

Eine gemeinsame Singerfahrung verdeutlichte das Menschenbild und die Grundausrichtung der Initiative. Über die angestimmten Lieder konnten die Frauen unmittelbare Veränderungen in ihrer Befindlichkeit wahrnehmen. Nach einem Kanon mit Gänsehauteffekten, begannen Mimik und Gestik der versammelten Frauen lebendiger zu werden. Von einem „Oioi im Jammermodus“ ging es über zu swingenden Körperbewegungen – wobei Elke Wünnenberg augenzwinkernd anmerkte, dass diese der Körper “schon nach wenigen Sekunden mit Lebensfreude verwechsele“. Körper richteten sich auf und der Gesang wurde voller. Tatsächlich lässt das gemeinschaftliche leistungsfreie Singen vielfältige Erfahrungen zu. Die Teilnehmerinnen der Landestagung schätzten in späteren Rückmeldungen die Achtsamkeit und emotionale Tiefe, die durch das Singen angeregt wurden. Sie nahmen die wertvollen Impulse zur Krankheitsbewältigung, die „so ganz nebenbei, aber unmittelbar spürbar“ vermittelt wurden, dankbar wahr. Elke Wünnenberg, die in der Paracelsus-Klinik Scheidegg arbeitet, sprach sich für das Potential des Singens aus – Singen gebe ihr einen Zugang zu Patientinnen, der weit über Reden hinausgehe.

Im Anschluss an Vortrag und Singerfahrung wurde der Film „Krebs – Singen ist Leben“ zum ersten Mal gezeigt. Christine Kostrzewa vom medienbüro Essen, die mit ihren Filmreihen schon viel für krebsbetroffene Frauen bewegte, hat diesen Film geplant und gestaltet. Auftraggeber und Initiatoren waren die Frauenselbsthilfe nach Krebs Landesverband NRW e.V. und die Deutsche ILCO Landesverband NRW e.V.
Mit der Projektförderung der AOK Rheinland/Hamburg wurde der finanzielle Grundstein gelegt. Auch der Verein Singende Krankenhäuser e.V. beteiligte sich inhaltlich und finanziell an dem Projekt. Die Vertreterinnen der AOK (Frau Hiemer und Frau Greiner) zeigten sich sehr beeindruckt vom Film, Vortrag und Singworkshop und nahmen die Anregungen mit in ihre Geschäftsstelle.
Der Film ist der Beginn einer gemeinsamen Kooperation zwischen dem Netzwerk „Singende Krankenhäuser e.V.“ und den Selbsthilfegruppen der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Ein nächster gemeinsamer Termin wird die 5. Jahreskonferenz von „Singende Krankenhäuser e.V.“ sein, auf der das Filmprojekt vertiefend vorgestellt wird.

Rückmeldungen zum Film "Krebs - Singen ist Leben"

Die ersten Rückmeldungen auf den Film „Krebs – Singen ist Leben“ am Auftaktabend der Landestagung waren sehr emotional und knüpften nahtlos an die geschilderten Singerfahrungen an. Auf die Frage, was der Film innerlich angerührt und spürbewusst gemacht habe, antworteten die Frauen: „Berührend, beeindruckend, heilsam“ oder „Musik öffnet die Herzen und nimmt alle Sorgen und Ängste“ oder „Für Herz und Seele! – Einklang“. Es ging weiter mit Impulsen zum Singen in der Gruppenstunde, zum Durchführen von Sing-Workshops und zu ins Leben zu rufenden offenen Singgruppen. Diese Vorhaben werden durch die zukünftige Kooperation zwischen den Initiativen „Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.“ und „Singende Krankenhäuser e.V.“ gestärkt und getragen.

Am zweiten Tag der Landestagung gab es in drei thematisch unterschiedlichen Workshops, die die Teilnehmerinnen nacheinander besuchten, die Gelegenheit Neues zu erfahren und sich auszutauschen. Die Arbeit in den Workshops zu „Entstauungsgymnastik und alles fließt“, „Ruhe und Kraft mit dem Atem“ sowie „Ein starker Auftritt für meine Gruppe“ waren für die ehrenamtliche Arbeit der Gruppenleitungen eine große Hilfe und Unterstützung.

Die Mitgliederversammlung fand am Sonntagvormittag statt; hier wurde auch der verstorbenen Mitglieder gedacht. Die Landestagung wurde mittags mit dem Lied der Frauenselbsthilfe nach Krebs „Zusammenstehen gibt Kraft und Halt“ beendet.

Fliedner Kliniken Düsseldorf zertifiziert

Welcome! "Singing Fliedners"

Eckart von Hirschhausen und Kai von Lünenschloß

Unser Netzwerk kann sich freuen, am 27. Oktober 2016 mit der Fliedner Klinik Düsseldorf, einer Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie ein neues zertifiziertes singendes Krankenhaus gewonnen zu haben.

Anstifter und Singleiter ist kein anderer als Kai von Lünenschloß – als 2. Vorsitzender freute er sich sichtlich, dass sein langer Atem Früchte trug und er zur Zertifizierungsfeier mit Botschafter Eckart von Hirschhausen einladen durfte.

Nach einer kurzen Begrüßung von der Klinikleiterin Dr. Kerstin Fries gab Kai von Lünenschloß einen kleinen Einblick in seinen Erstkontakt mit „Singende Krankenhäuser e.V.“
Neben dem vielfältigen Weiterbildungsangebot war es vor allem die herzliche und menschliche Kultur des Miteinanders, die ihn überzeugte, und das Feuer entfachte selber aktiv Teil dieser Bewegung zu sein. Wie viel ansteckendes Feuer in ihm als Singleiter steckt, konnten wir alle bei seinem Lied „Helene“ auf die Melodie von „Hit the road, Jack“ erleben – schnell groovte der ganze Raum mit allen ca. 50 Gästen aus Klinikteam, Patienten und einigen Externen:
„Ja was kann ich denn dafür, dass der Mond schon scheint, und dass der Mond nicht seinen Mondschein schont. Und dass Helene im Wohnheim weint, weil sie nicht in Weinheim wohnt. Heleeeeeene!...“

Nach diesem Eisbrecher übernahm ich den Staffelstab und stellte das Netzwerk und einige Aspekte des Heilsamen Singens vor. Die Praxis darf auch hier nicht fehlen- und so stimmte der Saal nach erstem Räkeln, Schütteln und ausdrücklich ermutigtem Hüftschwung in „Bele Mama“ ein.

„Singing Fliedners“ nennt sich die Singgruppe des Hauses, in der die Patienten ohne Leistungsdruck und mit viel guter Laune ihre Genesung vorantreiben können. Einige von ihnen waren bei der Feier dabei und beschenkten alle mit ihrer Schwingungsbereitschaft. Bevor es zur Verleihung des Zertifikats ging, wanderte der Staffelstab weiter an den Ehrengast, Eckart von Hirschhausen.

Humorvolle Übergabe der Urkunde an Dr. Kerstin Fries

Als musikalischer Botschafter von „Singende Krankenhäuser e.V.“ verstand er es, den Gästen den Wert des Singens als Gesundheitserreger und als „emotionale Nähe auf Distanz“ zu vermitteln, wie auch die Notwendigkeit und Komplexität, dies in Studien belegbar zu machen. Für die Patienten und Mitarbeitenden in der Fliedner Klinik Düsseldorf warf er humorvoll einen Blick auf die wissenschaftliche Seite des Singens und hatte die Lacher stets auf seiner Seite. Wie zentral Bewegung und Tanz für Gesundung, Gesunderhaltung und Regeneration sind, durfte dabei nicht fehlen- so wie auch Eckarts Steckenpferd, im Singen und Humor eine spirituelle Kraft zu bemerken, die Menschen nährt - jenseits von jeglicher Religion.
Und dann lies er es sich nicht nehmen, selber zur Gitarre zu greifen, und mit uns den Kanon „I like the flowers“ anzustimmen.

Dann war es endlich soweit und die Zertifizierung ging mit Ritterschlag per Gitarre an Dr. Kerstin Fries. Wir danken für der Einladung und wünschen der Fliedner Klinik und den „Fliedner Singers“ eine fruchtbare, schwingungsvolle Zeit!

Bericht von Monika Wiese

"Medizin trifft Kunst" beim 3. Segeberger Symposium

„Musik stabilisiert und belebt“

v.l.: Stephanie Heinze, Bernd Braun, Dr. Weber (von der Hilde-Ulrichs-Stiftung), Norbert Hermanns, Vera Kimmig, Prof. Altenmüller und Prof. Hauptmann

Das nunmehr 3. Segeberger Symposium richtete sich wieder in erster Linie an Patienten und war hier beispielhaft:
Perfekt organisiert wurden gut verständliche, praxisbezogene Referate und Workshops angeboten, in denen verschiedenste künstlerische Therapieverfahren erkundet werden konnten. Über Musik-, Tanz- und Theaterworkshops erlebten die Teilnehmenden sich und ihre Ausdrucks- und Bewegungsmöglichkeiten im künstlerischen Miteinander neu und erweiterten sie. Es war berührend schön zu sehen, welche neuen Erfahrungs- und Begegnungsräume sich hier öffneten, wie lust- und humorvoll Bewegung und stimmlicher Ausdruck sein konnten.
Prof. Eckart Altenmüller erläuterte sehr kurzweilig und verständlich, wie über Rhythmus als Impulsgeber die Länge und Geschwindigkeit der Schritte verbessert werden kann. Musik könne unser Gehirn anregen, dadurch Sprachfähigkeiten und Gedächtnisleistungen verbessern. Ebenso könne sie unser Immunsystem stärken und vor allem unsere Kooperationsfähigkeit fördern.

Bernd Braun, Initiator des nunmehr 3. Symposions, ist davon überzeugt, dass er dem Singen verdankt, noch Sprechen zu können. Bei ihm wurde 2005 Morbus Parkinson diagnostiziert. Aus eigener leidvoller Erfahrung mit den herkömmlichen Therapieverfahren gründete er den Förderverein „Parkinson bewegt e.V.“, der sich für nichtmedikamentöse Therapieverfahren bei Parkinson einsetzt. Bernd Braun sprüht geradezu vor Engagement und hat mit seiner Frau und einem phantastischen Helferteam in den letzten Jahren schon viel für die Akzeptanz künstlerisch-aktivierender Verfahren im Gesundheitswesen bewegen können. Deshalb wurde er auch bei diesem Symposion von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung im Bereich Bildung, gesellschaftliche Interventionen und Neurowissenschaften mit einem 5.000 Euro dotierten Förderpreis ausgezeichnet und geehrt. Mit stehenden Ovationen zollten ihm hierfür die ca. 120 Teilnehmer des Symposions Anerkennung und Dank.

v.l.: Bernd Braun, Vera Kimmig, Norbert Hermanns und Elke Wünnenberg

Die Initiative „Parkinson bewegt e.V. “ pflegt enge Verbindungen zur Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“
Gemeinsam sind sie von der Vision getragen, Patienten neben den etablierten Behandlungsstrukturen Möglichkeiten zu schaffen, sich kreativ, selbstwirksam und selbstverantwortlich zu erleben und psychosozialem Leid vorzubeugen. So folgten gleich mehrere aktive Mitglieder von „Singende Krankenhäuser“ der Einladung von Bernd Braun:
Im Workshop von Norbert Hermanns (Sänger und Musiktherapeut, seit 2016 Ehrenvorsitzender der Initiative „Singende Krankenhäuser“) erlebten die Teilnehmer, dass sie durch eine freudige, selbstbewusste Haltung deutlicher und lauter sprechen und singen können und sie sicherer in ihren Bewegungen sind, denn Rhythmus stabilisiert.
Zwischen den Hauptvorträgen konnten dies alle Zuhörer im gemeinsamen Singen erfahren, das Norbert Hermanns anleitete. Die 120 Teilnehmer hatten sichtlich und hörbar großen Spaß an den bewegenden Wirkungen des Singens.

Vera Kimmig (Gesangspädagogin und 3. Vorsitzende der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“) ermöglichte ihren Teilnehmern, sich wertfrei stimmlich auszudrücken, sich selbst horchend zu begegnen und alles schwingend geschehen zu lassen. So konnten sich im „Lauschenden Singen“ schöpferische und heilsame Kräfte in der eigenen Stimme entfalten. Die Sängerinnen und Sänger kamen in den Einzelgesangsstunden in Kontakt mit sich selbst und es entstanden wunderbar berührende Momente der Begegnung.

Elke Wünnenberg (Psycholog. Psychotherapeutin, Musikerzieherin und 1. Vorsitzende der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“) zeigte in ihrem Referat auf Basis der aktuellen neurobiologischen Forschung auf, welch heilsames Potential im Singen liegt. In der Parkinsonbehandlung können künstlerisch-aktivierende Verfahren dazu beitragen, positive innere (Beziehungs-)Bilder und Begegnungserfahrungen zu stiften. Diese führen aus innerer wie äußerer Erstarrung heraus, so dass den belastenden Erfahrungen der Fähigkeitsverluste entgegengewirkt wird.

Wie wichtig es ist, den Teufelskreis aus Selbstverunsicherung und Selbstrücknahme zu unterbrechen und Patienten wie Angehörigen Unterstützung zu geben, aus negativen Interaktionsschleifen herauszufinden, zeigte sich in den Gesprächskreisen, die am 2. Symposionstag neben den aktiven Sing-, Tanz- und Theatererfahrungen angeboten wurden. Krankheit ist auch Kränkung, die es gemeinsam zu begrenzen gilt. Im schöpferischen Tun, wenn sich teilweise ganz neue Fähigkeiten zeigen und Flowerleben möglich ist, kann diese überwunden und Kraft für den Alltag gewonnen werden.

Die anregende Wirkung der verschiedenen Workshopangebote erlebte man teilweise bis spät in die Nacht hinein beim Erfahrungsaustausch in kleinen Gesprächsgruppen, oder auch Evergreens singend an der Bar.
Über dem gesamten Verlauf des Symposiums war eine entspannte, freundschaftliche Verbundenheit aller Anwesenden zu spüren und beim Verabschieden hatte man das Gefühl, sich von Freunden zu trennen und mit vielen neu gewonnenen Eindrücken beladen die Heimreise anzutreten.
Ansteckende Lebensfreude, Lachen und Singen, gepaart mit Neugier zeigten in diesen Tagen „Sir James Parkinson“, wer Herr im Hause ist…

Fotos: Erken Schroeder, www.parkinson-bewegt.de

Singgruppe für geflüchtete Kinder in Köln

Unser Mitglied Monika Voellmecke berichtet

„Hallo Du da, komm herein, sag uns Deinen Namen: (Name des Kindes) - oh wie fein“ ertönt das von den heute 17 Kindern lebhaft und freudig gesungene, immer selbe Begrüßungslied mit der Melodie von „Bruder Jakob“ - begleitet von der Guitalele im sogenannten Spielzimmer einer Notaufnahmeeinrichtung in Köln. Jedes der 3- bis 11- jährigen Kinder geht bei „seiner“ Strophe in die Mitte unseres Stuhlkreises und sagt „Ich heiße ...“ oder „Mein Name ist...“. Den Kindern, die zum ersten Mal dabei sind, sagen die erfahreneren Kinder den Satz vor und ergänzen bei den Kleineren schon mal deren Namen.
Wir jeweils 2-3 Ehrenamtler legen Wert auf die Formulierung dieser Sätze. Das Konzept dieser Singgruppe beinhaltet - laut wissenschaftlicher Forschungen und eigener praktischer Erfahrungen in Singgruppen - Freude, Stabilisierung, Ressourcenstärkung, Gelassenheit, Gemeinschaftsgefühl, Trost u.a.. Auch das Lernen der deutschen Sprache soll unterstützt werden.
Aufmerksam und erwartungsvoll greifen die Kinder das nächste Lied „Herzlich willkommen liebe Kinder, singt mit uns“ auf. Bereits bei der 2. Wiederholung singen die meisten lauter oder leiser mit. Wenn weniger Kinder da sind, singen wir das Lied für jedes der Kinder und singen dabei seinen Namen. Das bringt immer wieder erst staunende und dann strahlende Augen und Lächeln über das ganze Gesicht. Bei einer Gruppengröße von über ca. 10 Kindern werden die kleineren Kinder unruhig und unaufmerksam, wenn der Fokus auch bei diesem Lied bei jeder Strophe nur bei einem Kind und dessen Namensnennung ist.

Als nächstes gibt es als Standardrepertoire das Lied „Schön, dass Du da bist“. Es bewirkt ein weiteres Wiedererkennen und Vertrautheitsgefühl, stärkt die Stabilität und wirkt wie eine Steigerung der Willkommensäußerungen der ersten beiden Lieder. Die Kinder nehmen die ruhigere Atmosphäre des Liedes auf.
Als Jahreszeitenlied wird heute „Lachend kommt der Sommer über das Feld“ angestimmt. Es ist für alle neu und wird kurz mit Hilfe eines Bildes und dem arabischen Wort für Sommer und einer lachenden Sonne erklärt. Die Kinder finden es lustig, dabei auch ihre Hände auf ihren Bauch zu legen um dort das Lachen und den Atem zu spüren.

Ein solches Lied (Volkslied u.ä.) – wie es bei jedem unserer Treffen gesungen wird - dient auch dem Kennenlernen von Liedern der deutschen Kultur. Die Kinder können später in der Schule oder im Kindergarten diese Lieder gleich mitsingen. Sie können über die Musik unsere Kultur sinnlich erkunden und - im Sinne einer kulturellen Erweiterung - mit ihr vertrauter werden. Auch der Zugang zu den Menschen kann erleichtert werden (B. Knab: Mit Musik wachsen, 'Psychologie Heute' 08/2016, S. 28-31).

Es folgt einer der Höhepunkte, das sehr rhythmische und zum lauten Singen und Klatschen animierende Lied „Ja, wir machen heut` Musik“. Das muss man nicht mit Gestik, Mimik oder wenigen Worten übersetzen, es geht sozusagen sofort in die Emotionen über. Die Kinder singen und klatschen dieses Lied minutenlang mit viel Freude.
So sind alle weiterhin freudig und aufmerksam dabei, als das Alphabet-Lied angestimmt wird. Die neben mir sitzenden Kinder fangen schon an zu singen, als ich die für jede Liedzeile eigene Buchstabentafel aus der Notenmappe herausnehme und die Teile einigen Kindern zum Hochhalten gebe. Mir ist wichtig, dass wir dieses Lied jede Woche singen, auch wenn manche größeren Kinder es schon können. Die anderen lernen es auf diese Weise ebenfalls. Nach jeder Strophe werden die Umlaute (ä, ö, ü), das ß und Lautkombinationen (Sch, ch, ei, eu) rhythmisch gesprochen und einige Kinder benennen dann gleich ein Beispiel oder lesen es von der Buchstabentafel ab. Der in den Anfängen der Singgruppe gemachte Versuch, jedem Kind einen Buchstaben zu geben und ihn jeweils hoch halten zu lassen, hatte Chaos und bei den kleineren Kindern Verwirrung gebracht und wurde deshalb auf die o.a. Weise geändert.

Bild 1: "Das ist gerade, das ist schief." Nichts hält die Kinder mehr auf ihren Plätzen.

Nach diesem für einige Kinder anstrengenden Lied folgt ein Bewegungslied im Stehen. Wir singen mit entsprechenden Gesten „Das ist gerade, das ist schief“ (s. Bild 1). Jede Strophe wird mehrmals gesungen, bis alle sie gut mitsingen können. Auch von diesem Lied können sie nicht genug bekommen und einige sagen „nochmal“ und alle machen mit derselben Begeisterung nochmal mit. Besonderen Spaß machen die Zeilen „das ist langsam, das ist schnell“ und „das ist leise, das ist laut“, die entsprechend langsamer, schneller, leiser und lauter gesungen werden. Letztgenannte Zeile wird in Abwandlung des Originaltextes zum Schluss gesungen, damit alle die Gelegenheit haben, mal besonders laut zu sein solange sie es brauchen. Dies wird gerne genutzt, dabei ist die Lautstärke fröhlich und ausgelassen, fast nie mit aggressiven Untertönen, selbst wenn die Kinder mit Aggressionen in die Singgruppe kommen. Hier wird die gefühlsregulative Wirkung der Musik durch die bereits gesungenen Lieder besonders deutlich. Daher wird dieses Lied nicht am Anfang der Singgruppe angestimmt.

Das Lied „Ich kann so viel“ macht den Kindern ihre Kompetenz und somit auch ihre Ressourcen bewusst. Für die meisten ist es auch ein spannendes und lustiges Lied. Auch das Lied „Regenbogen“ wird wieder mit Spaß gesungen, da nach jeder Nennung einer Farbe eine kurze Stille ist, in der die jeweilige Farbe von den Kindern gesucht und mehr oder weniger schnell gezeigt und unter Nennung der Farbe freudig gerufen wird. Mittlerweile fragen die Kinder auch nach Zwischenfarben und den Begriffen für „schwarz, weiß, grau“. Auch hier zeigen sich die im vorigen Lied angesprochene Kompetenz und die Freude der Kinder über diese Kompetenz. Das Lernen von Farben macht den Kindern immer besondere Freude und klappt entsprechend schnell.

Die Wertschätzung der Kinder und die liebevolle Atmosphäre verstärkt sich durch den abgewandelten nur als Refrain gesungen Text „Wie schön, dass du geboren bist ... wir freuen uns und singen alle mit“. Die Begriffe von Gegenständen in unserem Spielzimmer können durch das Lied „Das ist unser Klassenzimmer“ gelernt werden.
Da nach den fast 40 Minuten des Singens (und Lernens) die Konzentration der Kinder schnell sinkt, wird nun zum Abschluss wie jedes Mal das Lied „Frieden, Peace, salamaleikum“ im Kreis gesungen und getanzt. Versehentlich stoßen 2 Kinder zusammen und eine 9-Jährige weint. Ich stelle mich mit ihr in die Kreismitte und nehme sie in die Arme. Die anderen singen und tanzen um uns herum bis wir beide wieder in den Kreis kommen können und gemeinsam einen fröhlichen Abschluss dieses Liedes und der Singphase gestalten.

Dieses Lied singen manche Kinder auch noch während der folgenden Spielphase. Manche malen Themen der Lieder, z.B. den Regenbogen oder dieses Mal große rote Herzen. Beim letzten Mal wurde die Sonne gemalt und es wurden Zahlen geübt. Die Jungen spielen – wie oft getrennt von den Mädchen - mit Duplo-Steinen. Das Zusammensetzen von Steinen und Puzzles ist sehr beliebt. Nach der erlebten Zerstörung im Heimatland kann dadurch etwas heilen. Hierzu werden wir demnächst das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehen ... Stein auf Stein ...“ singen. Dies habe ich bewusst bisher noch nicht ausgewählt, da immer viele neue, gerade in Deutschland angekommene Kinder in dieser bisherigen Erstaufnahmeeinrichtung waren und ich sie nicht durch das Lied an die Zerstörung erinnern wollte. Überhaupt vermeide ich Lieder, in denen Wasser vorkommt wie „Jetzt fahr`n wir über`n See“, „Alle meine Entchen“, aber auch Lieder vom Gehen oder Wandern wie „Hänschen klein, ging allein“ „Das Wandern ist des Müller`s Lust“ oder „Einfach gehen“, um nicht zu retraumatisieren. Erst wenn die Kinder von sich aus dies zur Sprache bringen, kann vorsichtig darauf eingegangen werden. Zur Zeit brauchen die Kinder Stabilität.

Bild 2: Ein sicherer Ort zum gemeinsamen Spielen.

Diese schaffen sie sich auch selbst. Einige größere Mädchen bauen sich wieder mit aufrecht gestellten Turnmatten einen abgetrennten Bereich, in dem sie heute mit einer Ehrenamtlerin „Kaffee trinken“ spielen (s. Bild 2), sie schaffen sich eine kleine heile Welt, einen sicheren Ort mit sicheren Grenzen. Die anderen Kinder respektieren meist diesen Raum. Andere Mädchen, die in diesen Raum hinein möchten, werden hinein gelassen. An den anderen Tagen, an denen die Kinder „nur“ spielen und nicht vorher zusammen singen, spielen sie weniger in Gemeinschaft. Gerade die Gemeinschaft der Kinder ist jedoch sehr wichtig, um Traumen zu verarbeiten.

Nach insgesamt 1,5 Stunden helfen viele beim Aufräumen der Spielsachen. Teilweise wird das als Spiel gestaltet indem wir die deutschen Begriffe der Dinge nennen: „Wo ist ...“. Die heute besonders liebevolle Atmosphäre zeigt sich auch darin, dass es diesmal kein Quengeln gibt, sondern dass die Kinder bereitwillig in kleinen Gruppen den Raum verlassen. Keines will heute unbedingt ein Spielzeug mitnehmen - was nicht erlaubt ist. Es scheint, dass die Kinder noch erfüllt sind von der Musik und dem miteinander spielen. Manche nehmen ihre selbst gemalten Bilder mit, um sie den Eltern zu zeigen bzw. im Zimmer aufzuhängen. Das eine oder andere Kind umarmt uns Ehrenamtler, eine 10-Jährige sagt zu uns „Ich liebe Euch“ und strahlt über das ganze Gesicht.