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Singen im Männerwohnheim in der Kyreinstraße in München

Dagmar Aigner mit einem Teil der Singgruppe

Dagmar Aigner, zertifizierte Singleiterin in München, berichtet über ein Projekt das Singende Krankenhäuser e.V. mit einer Anschubfinanzierung unterstützte:

Anfang August begann mein wöchentliches Singen mit den wohnungslosen Männern im Haus an der Kyreinstraße, einer Einrichtung des Katholischen Männerfürsorgevereins München e.V.. Seitdem singen wir jeden Montagmorgen eine Stunde lang zusammen, ganz anders allerdings, als ich anfangs dachte: Da das Votum der Männer eindeutig in Richtung Oldies ging, singe ich mit ihnen weniger „heilsame“ Lieder als hauptsächlich Songs aus Pop, Rock, Folk und Soul - u.a. aus meinem Straßenmusikrepertoire der frühen Jahre vor meinem Gesangsstudium.

Und noch etwas ist anders, als ich es von anderen Singgruppen her kenne: Die Heimbewohner, von denen die meisten eine psychische Krankheit oder eine Suchterkrankung oder beides haben, sind extrem schwer zu motivieren, wie mir die Betreuer von Anfang an zu verstehen gaben. Und es gibt im Alltag wenig Austausch untereinander oder Bezogenheit. Die Bewohner sind aufgrund ihrer Vorgeschichte sehr mit ihren Problemen beschäftigt und haben häufige Beziehungsabbrüche erlebt, so dass es ihnen auch schwerfällt, Verbindlichkeiten in Form von Wahrnehmung regelmäßiger Termine einzugehen.

Vor diesem Hintergrund ist es nach der Meinung der Sozialpädagogin, die das Singen begleitet (wenn sie nicht anderweitig eingespannt ist), schon außergewöhnlich und als Erfolg zu werten, dass sich ein kleiner, aber fester Kern herausgebildet hat, der regelmäßig kommt und auch zusammen interagiert. Sie ist z.B. auch positiv überrascht von einem Teilnehmer, bei dem es wohl schon etwas ganz Besonderes ist, wenn er überhaupt eine Stunde lang still dasitzen kann. Diesem (am häufigsten von allen erscheinenden) Teilnehmer, den mangelnde Sprachkenntnisse oft am Mitsingen hindern, ist häufig ein starkes Berührtsein durch unser Singen anzumerken. Nach einer Singstunde meinte er: „Mehr Singen ist besser als Trinken!“ Er hat neulich einen Alkoholentzug begonnen, ihn leider aber fürs Erste wieder abgebrochen.

Auch bei einem weiteren Mitsänger findet dessen Betreuerin es ganz erstaunlich, dass er regelmäßig teilnimmt und sich sogar intensiv einbringt, da er ansonsten, so wie sie erzählt, kaum aus seinem Zimmer herauskommt. Er hat ein selbst geschriebenes Lied eingebracht, für das er viel positives Feedback der Gruppe bekam, genauso wie für seine gelegentlichen Gitarrensoli, mit denen er meine Gitarrenbegleitung unterstützt. Dieser Mann hat eine gravierende psychische Erkrankung, hat sich aber für seine Verhältnisse inzwischen sehr geöffnet, was sich z.B. darin ausdrückt, dass er immer sein lebensgroßes Lieblingsstofftier mitbringt, das während des Singens bei ihm auf dem Schoß sitzt, als quasi zusätzlicher Teilnehmer. Damit wir bald mühelos Lieder in der gleichen Tonart zusammen spielen können, hat er sich zu Weihnachten einen Kapodaster für die Gitarre gewünscht.

Überhaupt bringen einige Teilnehmer großes künstlerisches Talent und teilweise auch musikalische Vorbildung mit. Immer wieder nutzt einer gerne die „Bühne“, die er bei uns hat, etwa für ein vorgetragenes Gedicht oder einen kleinen eigenen Flötenvortrag und erhält eine Wertschätzung, die er sonst nicht gewohnt ist.

Trotz erkennbarer Schwierigkeiten in der Interaktion der Männer kommt es oft zu einem schönen Miteinander, bei dem wir mit mehreren Instrumenten und trotz der kleinen Teilnehmerzahl sogar mehrstimmig und mit Inbrunst zusammen singen. Es ist dann „Leben in der Bude“ und eine Begeisterung und ein gemeinsamer „Spirit“ fühlbar, wie man es auch vom „Chanten“ her kennt, vom nicht ambitionierten Singen also, bei dem Freude und Entspannung im Vordergrund stehen.

Apropos Chanten: Auf die wohltuende Wirkung der dort üblichen mantrenartigen Wiederholungen müssen wir bisher weitgehend verzichten, denn die Männer tun sich schwer, mit ihrem Interesse an etwas länger „dran zu bleiben“ und selbst wenn wir einen Popsong zweimal hintereinander sangen, kam von einem der Sänger schon gelegentlich die Klage, das sei zu langweilig.

Die Wiederholungen „schmuggle“ ich manchmal hinein, z.B. in Form eines Kanons. Ich bin gerne bereit, die musikalischen Wünsche, wenn möglich, zu erfüllen, denn, wenn wir z.B. ein „Proud Mary“ von Creedence Clearwater Revival oder ein „Morning has broken“ von Cat Stevens singen, dann fühlen viele sich, wie sie sagen, an ihre Jugend „angedockt“. Für mich ist dabei spürbar, dass es auch ein Anknüpfen an etwas Kraftvolles innerhalb der eigenen Biographie ist, etwas Stärkendes, eine Ressource.

Bisher wird das Singangebot leider nur von einem kleinen Teil der Bewohner angenommen, was aber auch für andere Angebote gilt, wie mir der Heimleiter Herr Baierlacher versichert. Für die regelmäßig Teilnehmenden allerdings ist der Singkreis mittlerweile ein wichtiger „Ankerpunkt“ in ihrer Woche geworden. „Heilsames Singen“ also mal ganz anders – und dennoch, so die Einschätzung der Sozialpädagogen des Heimes, mit salutogenetischer Wirkung.

Herzlichen Dank den Singenden Krankenhäusern für die halbjährige Anschubfinanzierung!

Dagmar Aigner


NordSingLeiter-Treffen in Lüneburg

NoSiLei-Treffen am 10.11.2018 in Lüneburg
Foto: Thomas Jüchter

Thomas Jüchter berichtet:

"Am 10.11.2018 fand wieder ein NoSiLei-Treffen statt - diesmal in der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg mit 13 Singleiter*innen. Die dort tätige Singleiterin Annette Bruns (4. von rechts auf dem Foto) und Iris Popkes (1. von rechts) hatten eingeladen. Es war ein informatives, natürlich gewohnt sang- und klangvolles Treffen.

"NoSiLei" steht für Nordsingleiter und ist ein loser Verbund von Singleiter*innen im Norden. Es gibt etwa drei Treffen im Jahr, an denen man sich austauschen, ausprobieren und singen kann (siehe auch Info/Blog). Es gibt eine "Wer ist wo-und-macht-was?"-Liste mit zur Zeit 51 Teilnehmer*innen aus dem ganzen Norden, der entnommen werden kann, wer wo ist und was macht :-)
Das ist zum Beispiel für Teilnehmer*innen am Heilsamen Singen in Kliniken, die nach Entlassung eine freie Gruppe Heilsames Singen an ihrem Ort suchen, eine Möglichkeit, diese zu finden.

Die assoziierten Singleiter*innen kommen aus unterschiedlichen "Ställen" wie Singende Krankenhäuser e.V., Bossinger, Hagara, Adamek, Wijnen etc. Zudem können wir uns auf dem Laufenden halten, was läuft.

Bei Interesse melde Dich gerne bei thoka.juechter@web.de"


"Wo man singt da lass Dich nieder…!"

"Diese Stimme ist jetzt viel lauter, kräftiger und selbstbewußter geworden und Musik hat mir eine neue Alternative gegeben um Kraft zu tanken!"

Wie kann Singen in der Musiktherapie Krebs-Patienten in der Krankheitsverarbeitung unterstützen? Einen sehr persönlichen Einblick gibt Alexandra von Korff, die in ihrem Blog kick Cancer chick über ihr Leben seit der Diagnose Brustkrebs schreibt. Sie ist Teilnehmerin der musiktherapeutischen Singgruppe von Norbert Hermanns bei LebensWert e.V. - Psychoonkologie, Leben mit Krebs:

"Wir stehen im Kreis, einige schliessen die Augen, einige tanzen und Norbert Hermanns´ Stimme hallt enthusiastisch zu Polynesischen Klängen, die er mit der Gitarre unterstreicht… spätestens, wenn sich alle an den Händen halten, hätte ich wohl normalerweise gedacht „Um Himmels Willen, wo bin ich denn hier gelandet!?!?“ Ein esoterischer Singkreis? Die Hare Krisnas?

Nein, es ist die Musiktherapie von LebensWert e.V. - Psychoonkologie, Leben mit Krebs und mittlerweile das Highlight meiner Woche. Am 31. August 2018 jährte sich der Tag meiner Diagnose zum ersten Mal - Die Diagnose Brustkrebs, aggressiv, schnell wachsend, metastasier freudig…. Ja, es schockt, es macht Angst, was ist mit meinen Kindern, aber sehr früh sah die Prognose positiv aus und so stehe ich diesem Wandel in meinem Leben auch entgegen. Ich kann es nicht ändern, ich kann meine Therapien gewissenhaft machen, jede Chemo, jede Bestrahlung, jede OP abhaken und mich auf das Positive konzentrieren.

Was gibt es denn bitte Positives an einer Krebserkrankung? Es ist die Chance sich einmal nur auf sich selber zu konzentrieren, sich etwas Gutes zu tun, sein Leben nochmal zu durchleuchten (ok, ich bin 44, vielleicht ist es auch ein wenig dem Alter oder Lebensabschnitt geschuldet). Und genau hier, bin ich auf die zahlreichen Angebote des Vereins LebensWert gestoßen, denn psychoonkologische Begleitung, ist die eine Sache, aber eine Musiktherapie ist etwas, das mir in meinen kühnsten Träumen nicht in den Sinn gekommen wäre. Ja, ich singe sehr gerne - im Auto oder unter der Dusche, aber definitiv nicht vor anderen…. Ehemalige Karaoke Auftritte beschränkten sich auf zwei Lieder, da ich nicht nur talentfrei bin, sondern auch noch Schwierigkeiten haben, wenn Lieder zu hoch, zu tief, zu irgendwas sind… Tja, und da ich aber gerne und viel male, entschied ich mich gegen eine Kunsttherapie und stellte mich meiner Angst. Ja, ich wollte singen!

Der Kursraum befindet sich im 12. Stock und alleine dies ist schon so beflügelnd… es gibt eine Dachterrasse und so stehe ich da bei meiner ersten Stunde und trällere „We are sailing“ über die Dächer von Köln, wären mir die Tränen das Gesicht herunterlaufen. Singen macht etwas mit einem, es setzt so viel frei und Norbert Hermanns versteht es gut, durch Stimmübungen und gezielt ausgewählte Lieder, einem ein Verständnis für die eigene Stimme und den Körper zu vermitteln, man lernt sich Gehör zu verschaffen, wird selbstbewusster, befreiter und findet so auch mehr zu sich. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern ist zudem eine wirkliche Bereicherung, wie jeder Austausch mit anderen Patienten, aber hier findet er auf der Gefühlsebene statt.

Ich schreibe über mein Leben mit Krebs und es ist eine Art Therapie mit der ich aber auch versuche das Tabu um das Thema Krebs ein wenig zu brechen, Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren und dem Krebs ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Diese Stimme ist jetzt viel lauter, kräftiger und selbstbewußter geworden und Musik hat mir eine neue Alternative gegeben um Kraft zu tanken! Danke, Verein LebensWert und all seine Unterstützer, dass ich jeden Montag beflügelt in eine neue Therapiewoche starten darf!"

(Auszug aus dem LebensWert Journal 2/18, S.12: www.vereinlebenswert.de)

Jede Spende schenkt einem Patienten ein schönes Erlebnis, ein Lächeln und so viel mehr!
Hier geht es nicht um den Krebs, sondern um den Menschen, der dahinter steht!

Die Therapeutische Singgruppe von LebensWert e.V. ist ein Spendenprojekt von Singende Krankenhäuser e.V.


"Hospiz in Frechen" als Singende Gesundheitseinrichtung zertifiziert

Das Hospiz in Frechen e.V. lud am 28.10.2018 zu einem Mitsingtag der besonderen Art ein. Anlass war die Überreichung der Zertifizierungsurkunde als "Singendes Hospiz", das zweite überhaupt in unseren Reihen neben dem Gemeinschaftshospiz Christophorus in Berlin. Die Zertifizierung selbst war eingebettet in ein tagesfüllendes Programm, das die langjährige Mitarbeiterin, Musiktherapeutin und Singleiterin Carmen Schröder-Meißner zusammen mit der Hospizleitung Beate Krieger-Spohr auf die Beine gestellt hatte. Von der Auszeichnung sollten auch vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer profitieren, so dass der Tag mit einem Workshop zur Integration des Singens in die Betreuung schwerkranker Menschen unseres Ehrenvorsitzenden Norbert Hermanns begann. Anschließend wurde feierlich die Urkunde überreicht und mit dem Schwung des Workshops endete der Tag in einer sehr stimmungsvollen öffentlichen Mitsingveranstaltung. Carmen Schröder-Meißner fasst diesen besonderen Tag hier wie folgt zusammen:

"Hospiz singt"

Norbert Hermanns, Carmen Schröder-Meißner, Susanne Stupp

unter diesem dem Motto veranstaltete der ambulante Hospizdienst Frechen e.V. am 28.10.2018 einen Workshoptag für ehrenamtlich Mitarbeitende sowie für Mitglieder und Freunde des Vereins. 30 Teilnehmer/innen erlebten an diesem Tag die wohltuende, nährende und gemeinschaftsstärkende Wirkung des heilsamen Singens.

Norbert Hermanns, Musiktherapeut an der Uniklinik Köln und Ehrenvorsitzender der Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“ leitete diesen Workshop und es gelang ihm in seiner einfühlsamen und kompetenten Art, den Teilnehmer/innen einen bewussteren Zugang zu ihrer Stimme zu eröffnen. Sie erfuhren ihren Körper als schwingungsfähiges „Instrument“ und spürten Musik als Sprache der Gefühle. Die Teilnehmer erkundeten neue Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Stimme und bekamen so wertvolle Impulse, um sich besser auf sterbende Patienten einschwingen zu können. Hierbei entstand ein starkes Gemeinschaftsgefühl und eine Atmosphäre von Tiefe und Leichtigkeit.

Die Rückmeldungen der Teilnehmer waren durchweg positiv. Manche ehrenamtlich Mitarbeitende fühlten sich ermutigt und bestärkt, das Singen und das Tönen nun stärker in ihr Leben zu nehmen. In der Begleitung von Menschen mit Demenz, in Form eines „Nachmittages der Begegnung“ im Rahmen unseres Hospizangebotes, hat das Singen von vertrauten Liedern, sowie neuen, heilsamen Liedern, schon eine lange Tradition.

Weitere Rückmeldungen waren sehr persönlich und berührend. Eine Teilnehmerin meldete zurück „Ich hatte zu Beginn sehr gemischte Gefühle - kam auch in sehr bedrückter Stimmung hierin - bin aber erstaunt, welche Leichtigkeit ich jetzt in mir habe, der Tag war sehr beeindruckend für mich.“ Eine andere Teilnehmerin berichtete von ihren starken Nacken und Kopfschmerzen, die sie seit Wochen plagen. „Nach dem heutigen Tag spüre ich kaum Schmerzen, ich bin sehr überrascht und weiß nicht, was ich davon halten soll.“ Eine weitere Teilnehmerin sagte: „Ich nehme einige Anregungen des Tages mit in meine Beziehung und habe einige wertvolle Rückschlüsse ziehen können.“

Norbert Hermanns und Gäste des Mitmachkonzerts

Krönender Abschluss des Workshoptages war ein Mitmachkonzert für die Öffentlichkeit, dessen Höhepunkt die Zertifizierung unseres ambulanten Hospizdienstes als „Singende Gesundheitseinrichtung - Singendes Hospiz“ war.

Die Bürgermeisterin von Frechen, Susanne Stupp, eröffnete die Veranstaltung mit motivierenden, persönlichen Erfahrungen zur Kraft des Singens bei Menschen mit Demenz. Norbert Hermanns würdigte anschließend das Engagement des ambulanten Hospizdienst in Frechen. „Die Mitarbeiter stehen den Sterbenden in ihren Ängsten bei, sind ihnen nah und umhüllen sie u.a. singend mit einem klingenden Mantel der Fürsorge.“ Anschließend erläuterte er in einem kurzen Impulsvortrag die möglichen Wirkungen des Singens und die Idee von „Singende Krankenhäuser e.V.“ Dies mündete in das gemeinsame Singen, in das die Anwesenden direkt einstimmten. Viele der Lieder waren den Workshop-Teilnehmer/innen ja schon bekannt, sodass es für die anderen Besucher leicht war, sich von der Energie und der Stimmung der Lieder mitreißen und mittragen zu lassen. Es war ein wunderbares, gelungenes Mitmachkonzert, bei dem sich einige Besucher auch spontan zu manchen Liedern im Raum bewegten, und mit ihrer Begeisterung und Freude die anderen ansteckten. Das Lied, „Eines schönen sonnigen Tages, fliege ich heim. Fliege ich wie ein Adler, fliege ich heim“ wurde an diesem Abend zu „unserem Hospizlied“ auserkoren.

Wir als ambulanter Hospizdienst sind sehr stolz, dass wir zu dem Netzwerk von „Singende Krankenhäuser e.V.“ dazugehören dürfen und damit auch nach außen unsere Haltung, unseren Facettenreichtum und unsere Wirksamkeit sichtbar machen können.

Carmen Schröder-Meißner
Musiktherapeutin

Fotos: Simon Wiener


EKM als „Singendes Krankenhaus“ ausgezeichnet

Chefarzt Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel, Geschäftsführer Nils B. Krog, Kantorin Petra Stahringer, Norbert Hermanns (v.l.)

Am 28.09.2018 wurde das Evangelische Krankenhaus Mülheim an der Ruhr GmbH mit seiner langen kulturellen Tradition weithin hörbar ein Singendes Krankenhaus. Die Kantorin und Singleiterin Petra Stahringer-Burger bot an diesem Tag musikalisch eine - auch sehenswerte - Vielfalt und Qualität ihrer Arbeit auf. Prof. Dr. Walter Möbius, wissenschaftlicher Beirat und Ehrenvorsitzender Norbert Hermanns, die die Urkunde überreichten, wurden mit den anderen Gästen gleich zu Beginn mit einem Flashmob des Backstein-Chores begrüßt. Mit den singenden Chefärzten "Chefsache Singen" fanden die Feierlichkeiten einen glänzenden Abschluss. Wir gratulieren herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung. Mehr zu diesem besonderen Tag hier:

"Bei einer eher ungewöhnlichen Feierstunde erhielt das Ev. Krankenhaus Mülheim (EKM) das Zertifikat als „Singendes Krankenhaus“ vom internationalen Netzwerk „Singende Krankenhäuser“. Zertifizierungen in der Medizin belegen die gleichbleibend hervorragende Qualität in Diagnose und Behandlung. Ähnlich verhält es sich mit dem Siegel als „Singendes Krankenhaus“: Musik und Gesang sind therapiebegleitende Elemente im EKM. Dabei geht es keineswegs nur um Unterhaltung, sondern insbesondere um die vielschichtige Wirkung von Musik und Gesang, die wissenschaftlich belegt ist: Singen kann u.a. das Stressniveau reduzieren, angstlösend und stimmungsaufhellend, emotional ausgleichend sowie schmerzlindernd wirken und die soziale Bindungsfähigkeit stärken.

Prof. Dr. Walter Möbius, Wissenschaftlicher Beirat Singende Krankenhäuser e.V.

Nils B. Krog, Vorstandsvorsitzender der ATEGRIS und Geschäftsführer des EKM, blickte in seiner Begrüßung zurück auf die schon über 28-jährige Geschichte der Kulturarbeit am EKM.

Unter der Leitung von Kantorin Petra Stahringer gibt es am Haus viele musikalische Angebote für Patienten und Bewohner.
Begonnen hat die Kulturarbeit mit dem Aufbau eines eigenen Amateurtheaters, zu dem derzeit die Große Bühne, die Kleine Bühne und die Junge Bühne gehören, und der Einstellung der Kantorin Petra Stahringer. Sie hat, inzwischen zusammen mit zwei Kolleginnen den musikalischen Bereich auf- und ausgebaut: mit eigenem Chor, Gesangs- und Orchesterprojekten, Konzerten und vielen musikalischen Angeboten nicht nur für Patienten, sondern auch für Angehörige, Mitarbeiter*innen und Bürger*innen.

Norbert Hermanns, Ehrenvorsitzender Singende Krankenhäuser e.V.

Mittlerweile gibt es etwa 300 musikalische Angebote im Jahr, vom Kammerkonzert über Klangmassagen bis zum Singen von Liedern aus der Mundorgel. Neben wenigen Hauptamtlichen wird die Kultur am EKM getragen von über 100 Ehrenamtlichen, die sich in ihrer Freizeit dafür engagieren.

Der Ärztliche Direktor des EKM, Chefarzt Prof. Dr. Heinz-Jochen Gassel, stellte sich in seinem Statement bewusst hinter die Kulturangebote des Hauses: „Es geht nicht nur um rein seelisches Wohlbefinden, denn Studien haben gezeigt, dass die Musik die körpereigene Abwehr aktiviert. Die Immunkräfte werden gestärkt. Das ist nicht nur in der Krebstherapie wichtig.”

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Prof. Dr. Walter Möbius aus Bonn zum Thema “Resilienz durch Kultur”. Er kennt als langjähriger Chefarzt das Gesundheitswesen und hat mehrere Bücher über Menschlichkeit in der Medizin geschrieben.

Norbert Hermanns, Musiktherapeut, Sänger und Stimmbildner und langjähriger Vorsitzende des Netzwerks “Singende Krankenhäuser”, ließ die Gäste nicht nur hören, sondern selbst spüren, was das Singen mit ihnen macht. Er übergab das Zertifikat an Nils B. Krog, Prof. Dr. Gassel und Petra Stahringer.

Die singenden Chefärzte

Nachdem der Backstein-Chor die Veranstaltung mit einem Flashmob eröffnete, präsentierte Krankenhausmusikerin Petra Stahringer zum Abschluss der Feierstunde den neuesten Zweig der Musischen Werkstätten: die singenden Chefärzte. „Chefsache Singen” feierte mit Liedern der Comedian Harmonists eine erfolgreiche und bewegende Premiere, die mit Standing Ovations der Gäste belohnt wurde."

Pressekontakt:
Sabrina Bungert
Unternehmenskommunikation
Tel.: 0208 309-2064
E-Mail: sabrina.bungert@ategris.de


Elke Wünnenberg erhält Stiftungspreis der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung

„Die Macht der inneren Bilder“

Vera Kimmig, Dr. Christian Jung (HUS), Elke Wünnenberg, Dr. Jürgen Weber (HUS), Bernd Braun, Stephanie Heinze (HUS), Dr. Mareike Schwed, Anton Bonnländer (HUS), Gabriele Schmidt

Die Wahl des Titels bringt es auf den Punkt: Bilder sind mächtig. Vielleicht insbesondere dann, wenn man-frau sich nicht dessen bewusst ist, dass es überhaupt innere Bilder gibt und welche Wirkkraft sie haben. Denn: Welche Bilder pflegen wir mit uns selbst und im Umgang mit Menschen, deren Erscheinungsbild dem definierten klinischen Bild einer Parkinsonerkrankung gleichkommt?

Das Miteinander von über hundert „Parkinsonpatienten“, scheinbar „Gesunden“ „Mehrfachbehinderten“ und „Mehrfachnormalen“ in einem ansprechenden Symposium-Programm aus Fachvorträgen, Workshops, künstlerischen Darbietungen und freier Begegnungszeit hat wieder einmal in Bad Segeberg einen wertvollen Erfahrungsraum und wichtige Bewusstseinsarbeit geleistet.

Auf der einen Seite wurde deutlich, wie sehr wir in Bildern verhaftet sind, die sich bereits in ersten Sprachwendungen wie „der Patient leidet an einer Erkrankung“ zeigen. Auf der anderen Seite wurde spürbar, wie stark wir innere Bilder als positive Kräfte in uns nutzen können. So wie es uns Frederick die Maus, in dem berühmten Kinderbuch von Leo Lionni vorlebt: gute Erfahrrungen tief in uns aufzunehmen zu können, zu bewahren und in Notzeiten als innere Kraftquelle für uns und andere lebendig werden zu lassen… .

Stephanie Heinze (Geschäftsführung HUS), Elke Wünnenberg, Anton Bonnländer (stellv. Vorsitzender Stiftungsbeirat HUS). Er hielt die Laudatio.

In ihrem Vortrag erläuterte Elke Wünnenberg, Vorstandsvorsitzende von Singende Krankenhäuser e.V. beispielsweise, wie Menschen über innere Bilder aus Stressregulation kommen und sich Kraftquellen aus dem eigenen Selbst erschließen können: um Bewegungsstörungen zu überwinden, Motivation zu schöpfen und Sinn zu erfahren. Dabei ging sie auch darauf ein, wie positive innere Bilder sich in der Lebensbiografie verankern und wie das Singen von Liedern nach dem Konzept der Singenden Krankenhäuser e.V. dies fördert.

In medizinischen Studien schillern diese Kräfte am deutlichsten bei sogenannten Placebo-Studien durch. Interessant, dass unter bestimmten Kontexten nichts mehr so ist, wie es eigentlich ist: gebeugte Haltungen strecken sich zu aufrechten, ausladenden Theatergesten, gefühlte Schwere wird beim Tanzen zu zweit verbunden mit einem chinesischen Essstäbchen zu Leichtigkeit, bis zur Kurzatmigkeit Erstarrte finden im Singen zu großem Stimmausdruck und Selbstwirksamkeitserleben. Kurzum: Freeze wird zu Flow…

"Ich kann dreistimmig singen. Laut, falsch und mit Begeisterung"

Wenn Kunst die Medizin trifft und umgekehrt, dann wird lebbar, wonach wir uns alle sehnen: mehr zu sein als Erkrankung, Möglichkeiten außerhalb medikamentöser Therapien zu sehen, gefühlte oder tatsächliche Isolation und Ohnmacht zu überwinden und und und…

In den Teilnehmerinnen wie Referenten und Veranstaltern ist die Absicht genährt worden, diese Segeberger Ideen und Erfahrungen ins Gesundheitssystem hineinzutragen. Gemeinsam sollen die Weichen für eine partizipative, sinn- und beziehungsstiftende würdevolle Ganzheitsmedizin im Gesundheitswesen gestellt werden. Für weitere Informationen und Dokumentation des Symposiums sei auf die Homepage der Initiativen verwiesen:

Vera Kimmig, Gabriele Schmidt, Elke Wünnenberg, Stephanie Heinze (v.l.)

Mit der Preisverleihung des mit 10.000 Euro dotierten Stiftungspreises der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung an Elke Wünnenberg, Psychologische Psychotherapeutin, Musikpädagogin und Vorsitzende des Vereins „Singende Krankenhäuser“ ist wieder ein Meilenstein auf der gemeinsamen Reise gesetzt worden. Die Preisträgerin erhielt die Auszeichnung auf dem Segeberger Symposium in Anerkennung

  • ihres großen Engagements für den Verein Singende Krankenhäuser e.V.
  • ihres konsequenten Eintretens für künstlerisch aktivierende Verfahren zur Therapie chronischer Krankheiten
  • ihrer wissenschaftlichen Darstellung und methodischen Aufbereitung der Singgruppenarbeit für den Gesundheitsbereich.

Herzlichen Glückwunsch und ganz bestimmt auf Wiedersehen, lieber Bernd und Christine Braun. Was für eine intensive, professionell organisierte und bewegende Symposiumszeit. Ein riesiges Dankeschön an alle Beteiligte!!!


"Singen ist wie eine gute Medizin"

Asklepios Schlossberg Klinik wird als erstes „Singendes Krankenhaus“ in Hessen zertifiziert

Bei der Zertifikatsübergabe: Katharina Bossinger, Geschäftsführer Ulrich Schultz, Musiktherapeut Joachim Nolden, Chefarzt Dr. Michael Hartwich, Musiktherapeut Stephan Koslik, v.l.

Am 9. August 2018 stand ein besonderes Ereignis an: In Hessen wurde mit der Asklepios Schlossbergklinik in Bad König das erste Singende Krankenhaus ausgezeichnet. Die Ehrenvorsitzenden Katharina und Wolfgang Bossinger überreichten - mit der Sonne um die Wette strahlend - die Urkunde und luden die Anwesenden mit Gitarre und musikalischer Begeisterungsfähigkeit zum gemeinsamen Singen ein. Wie sich der Tag im einzelnen gestaltete und wie das Singangebot an diesem Akutkrankenhaus für neurologische Frührehabilitation umgesetzt wird, erfährt man beim Weiterlesen:

"Es darf gesungen werden. Überall, und warum nicht auch dort, wo es auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheint, wie in einem neurologischen Krankenhaus für Frührehabilitation, einem Krankenhaus mit schwerst erkrankten Patienten. Aber gerade dort wird die heilende Wirkung des Singens besonders spürbar: Singen ist einfach, zeigt aber große Wirkung! Was liegt also näher, dies auch offiziell zum Programm zu erklären, dachte sich Musiktherapeut Stephan Koslik von der Asklepios Schlossberg Klinik in Bad König.

Zur Zertifikatübergabe mit gemeinsamem Singen kamen neben Mitarbeitern aus allen Bereichen der Klinik auch Patienten, Angehörige, Bürger und Sänger aus Bad König und Umgebung und auch Gäste, die eine offizielle Auszeichnung für die Einrichtung mitbrachten. „Jetzt sind es 33 Krankenhäuser die bundesweit dem Verein Singende Krankenhäuser e.V. angehören. Sie sind die erste Klinik in Hessen“, überreichten Katharina und Wolfgang Bossinger, Ehrenvorsitzende und Begründer des internationalen Netzwerkes, die Urkunde an Geschäftsführer Ulrich Schultz, Chefarzt Dr. Michael Hartwich und die beiden Diplom Musiktherapeuten Stephan Koslik und Joachim Nolden.

Wolfgang Bossinger leitet das gemeinsame Singen an

Von der therapeutischen Wirkung des gemeinsamen Singens ist auch Chefarzt Dr. Michael Hartwich überzeugt: „Gesungen wird in unserer Klinik schon seit über 20 Jahren. Als Teil eines internationalen Netzwerks gehen wir jetzt in die Offensive und nehmen auch Angehörige und Besucher der Klinik oder singfreudige Menschen aus Bad König und Umgebung mit.“

„Singen erschließt neue Zugangswege zum Patienten“, stellte Stephan Koslik anhand von Videoaufzeichnungen Beispiele aus dem Klinikalltag in der neurologischen Frührehabilitation vor. Bereits auf der Intensivstation, auch bei beatmeten Patienten, wird im Rahmen der Musiktherapie mit den Patienten gesungen. Das Lächeln, die funkelnden Augen und der Arm, der im Takt mitgeht: Schwerst erkrankte Menschen „fühlen sich durch das Singen schneller verbunden, genießen den Moment der Gemeinsamkeit“, zählte der Musiktherapeut die Vorzüge auf.

Bei Sprachstörungen, zur Regulation der Atmung, Gedächtnisstörungen, depressiven Entwicklungen, Ängsten und anderen neurologischen Erkrankungen, ist Singen ein wichtiger Wirkfaktor der Therapie. Singen schult die Empathie, fördert Lebensfreude und stärkt das Immunsystem. Dies wird durch neuere Forschungen bestätigt.

Beeindruckend, wie ein Patient sein Gefühl beschrieben hat: „Für mich ist Singen, als wenn mitten in der Nacht die Sonne aufgeht.“"

Pressetext 20.08.2018/SE

Presseartikel in echo-online von Birgit Reuther


Der singende und klingende Widdelhof wurde zertifiziert

- als erstes „Singendes Altersheim“ in Niedersachsen

Dr. Wolfgang Baumgärtner (2. Vorstand Singende Krankenhäuser e.V.), Rike-Leona Rupprich (Assistentin Geschäftsleitung), Lena-Marie Hormann (Leiterin Altenheim), Annemarie Renken-Schumann (Singleiterin), v.l.

Am 12. Juli 2018 besuchte unser 2. Vorstand Dr. Wolfgang Baumgärtner das überaus schön gelegene und angelegte Seniorenheim „Widdelhof“, ein Haus der „tegeler Pflege und Gesundheit“-Gruppe in Rehburg-Loccum. Eingebettet in ein Gartenfest überreichte er bei sommerlichen Temperaturen und heiteren Gemütern die Urkunde „Singendes Altersheim“ an die Verantwortlichen vor Ort und berichtet folgendermaßen von seinen persönlichen Eindrücken:

„„Hier ist gut sein“ - und „Wo man singt, da lass dich fröhlich nieder“ - das ging mir vergnügt durch den Sinn, als ich das Gelände des Widdelhofes betrat. Ein warmer Sommerabend im blumenreichen und von Obstbäumen erfüllten Garten des ehemaligen Bauernhofes in Winzlar/ Bad Rehburg-Loccum: An Tischen sitzen viele alte Menschen, selbstständig wirkende und Rollstuhlfahrer, bunt gemischt…

Ich zitiere aus der website:
'Der Widdelhof ist ein bäuerliches Anwesen aus dem Jahr 1884. Von 1990 bis 1993 wurde der Hof zu einer modernen Einrichtung umgebaut und in den Jahren 2000 und 2005 modernisiert und erweitert. Insgesamt verfügt er über 83 Plätze. Der ursprüngliche und besondere Charakter des historischen Anwesens mit dem Herrenhaus, der großen Fachwerkdiele, dem parkähnlichen Garten mit altem Baumbestand und den schönen Feldsteinanlagen ist dabei erhalten geblieben. Der Widdelhof ist mitten im Ortskern des idyllischen Dorfes Winzlar gelegen. Die Lage in der Nähe zum Steinhuder Meer und dem ländlichen wohltuenden Umfeld lädt zu einem entspannten und zugleich anregendem Leben in persönlicher Atmosphäre ein. Ländlich und doch zentral – mit der Bushaltestelle direkt vor der Tür gibt es eine gute Anbindung nach Rehburg, Nienburg, Hagenburg und Wunstorf.'

Auch so kann ein „Altersheim“ sein. Da das Zusammensein wie das Team unter der jungen Leitung von Frau Hormann sich - bis auf Kinder - durch alle Altersgruppen zieht, bekomme ich das Gefühl, wenn schon nicht auf einer Familienfeier - dann doch auf einem Dorffest zu sein, bei dem sich die meisten kennen und schätzen.

Nach einer kleinen Erläuterung, was es mit den Singenden Altersheimen und Krankenhäusern auf sich hat, überreiche ich die Urkunde für die Zertifizierung als (noch) einziges „Singendes Altersheim“ in Niedersachsen und schließe sie mit dem Satz: „Man/frau kann auch ohne Gesang leben - aber es lohnt sich nicht!“.

Dieser Satz gefällt auch dem örtlichen Pressemitarbeiter, der das mit einigen Fotos in der Lokalen Zeitung abdrucken will. Auch die Leitung der Tegeler-Gruppe ist durch Herrn Sven Tegeler persönlich vertreten, der sich sichtlich in der Einrichtung wohlfühlt und das Beisammensein nach vielen Schreibtischstunden des Tages genießt. Auch der Fotograf des Hauses Tegeler, Herr Lutz Bierwirth, freut sich über die prima Atmosphäre und trägt zu diesem Bericht die schönen Fotos bei.

Annemarie Renken-Schumann (Singleiterin), Sven Tegeler (Vorstand)

Aber dann kommt noch das Wichtigste: Unterstützt von unserem Mitglied, der Singleiterin Frau Annemarie Renken-Schumann an der Ukulele singen alte Menschen als erstes „Geh aus mein Herz und suche Freud“, das schöne alte Lied von Paul Gerhardt - dafür brauchen viele das vorbereitete Liedblatt nicht, sie können es auswendig. Ich bekomme den Eindruck, sie singen für sich selbst und die anderen - und für mich. Okay, es gibt auch nur Zuhörende, aber nicht mürrisch. Und zwei um die 90-Jährige singen voller Begeisterung, dass es eine Lust ist, ihnen zuzuhören und zuzuschauen … klar singe ich mit und gebe gerne auch noch auf Bitten ein Blockflötensolo dazu. Frau Renken-Schumann ist zertifizierte Singleiterin für Seniorenheime; sie erklärt begeistert, wieviel Freude es ihr macht, ihren Beruf als Grundschul- und Musiklehrerin auf diese Weise noch fortführen zu können …

Dr. Wolfgang Baumgärtner

Klar doch, dass der Pflegedienstleiter dann leckere Bratwürstchen grillt, die zu einem feinen, von der Heimküche selbst hergestellten Kartoffelsalat gereicht werden. Alle essen wir draußen, auch die, welchen das Essen gereicht werden muss. So kann ich mich kurz an allen Tischen vorstellen, befrage einige BewohnerInnen, wie sie sich hier fühlen „ …na prima, …schon schön hier, …auch gutes Essen, …die Pflege ist sehr lieb…“ usw. So darf ich per alkoholfreiem Sekt mit einigen auf ihre schöne Bleibe anstoßen und ihnen so weit möglich, Gesundheit und Zufriedenheit wünschen, kenne ich doch als 25 Jahre lang praktizierender Arzt für Allgemeinmedizin auch andere Verhältnisse… Es wundert mich nicht, dass der Medizinische Dienst Bestnoten für den Widdelhof vergab!"

Fotos: Lutz Bierwirth

Presseartikel: Die Harke, Tageszeitung für den Landkreis Nienburg, 24.07.2018, Lokalredaktion
Die heilsame Kraft des Singens erleben


1. Patiententag des Westdeutschen Tumorzentrums (UK Essen)

Singende Krankenhäuser e.V. war dabei

WTZ Krebspatiententag 2018, Foto: Copyright "André Zelck"

Am 23.Juni 2018 war unser Ehrenvorsitzende Norbert Hermanns auf den ersten Patiententag des Westdeutschen Tumorzentrums (UK Essen) eingeladen, um dort die von ihm mit realisierte DVD „Krebs - Singen ist Leben“, siehe Onlineshop, vorzustellen und einen Workshop zu diesem Thema anzubieten. Hier sein Bericht:

„Im Großen Hörsaal der Uniklinik Essen fanden am Vormittag des 23. Juni die Hauptvorträge des Patiententages statt. Durch das Engagement der Frauenselbsthilfe nach Krebs NRW war die Präsentation der oben genannten DVD gut plaziert.

Die meisten Patienten sind der Ansicht, dass sie nicht singen können - und genau ein solcher Krebs-Patient wird zu Beginn des Haupt-Films der DVD vorgestellt: Er war der festen Überzeugung, dass er nicht singen kann und sagte von sich: „Ich kann zwar nicht singen, tue es aber mit Leidenschaft“. Er hatte nicht diesen Perfektionsdrang, der uns oft hemmt, blockiert und konnte sich spontan spielerisch auf dieses Abenteuer „Singen“ einlassen. Zudem war ihm bis dahin nicht bewusst, dass er eine schöne, sonore und große Stimme hat. Er meldete rück, dass er seinen Körper durch die mitunter starken Vibrationen, neuen Resonanzen und tieferen Atem neu erfährt, was ihn zutiefst beglückt - auf so eine befreiende Erfahrung habe er lange gewartet. Dabei war er sehr bewegt - Singen berührt!

WTZ Krebspatiententag 2018, Foto: Copyright "André Zelck"
Norbert Hermanns, Ehrenvorsitzender Singende Krankenhäuser e.V.

Mit einfachen, vokalreichen Liedern auf einer Tonsilbe mit eingängiger Melodie kann wirklich jeder unter entsprechender Anleitung seine Stimme entfalten. Und das vermittelte ich den Anwesenden mit einigen Impulsen zur Öffnung der Stimme anhand des Liedes von Katharina Bossinger „jai dai dai“, worauf sich die Anwesenden einließen, direkt aufstanden und zum Lied schunkelten (fast wie im Rheinland :-) ).

Sie spürten, wie sich ihre „Stimmung“ unmittelbar veränderte: Unser Gefühlszentrum wird durch das Singen direkt stimuliert, wir nehmen unsere Gefühle deutlicher wahr und können sie direkt ausdrücken - das befreit. Viele Patienten sind nach der Diagnosestellung oftmals in einer Art „Kontroll-Modus“ - es gibt unglaublich viel zu verarbeiten, zu bewältigen und zu organisieren. Und Gefühle werden dann häufig zurückgestellt, mitunter auch aus Angst davor, dass sie zu mächtig sind. Gefühle lassen sich aber nicht „wegpacken“. Sie sind eine Art Leuchtturm für unsere wichtigsten Bedürfnisse. Wenn sie ignoriert werden entwickeln sie ihr Eigenleben: Angst z.B. kann in chronische Unruhe, Anspannung, mitunter zu Panikattacken „aus heiterem Himmel“ führen. Unterdrückte „Wut“ zu einer chronischen Reizbarkeit. Unterdrückte Trauer zu scheinbar grundlosem Weinen ... Das sogenannte heilsame Singen kann uns den Zugang zu unseren Gefühlen und damit zu dem, was uns ausmacht, was uns guttut, was uns nährt, eröffnen. Und somit auch den Zugang zu unseren Mitmenschen, da wir - im Einklang mit unseren Gefühlen - klarer mitteilen können, was uns bewegt, was wir uns wünschen. Ich beziehe mich hier auf Elke Wünnenberg, die dies in ihren Beiträgen „Singend bezogen sein“ und „Selbstregulation auf tönende Weise“ unseres aktuellen Tagungsbandes wunderbar erläutert.

Der Film zeigt verschiedene Verbundenheitserfahrungen im Singen. Dadurch, dass wir auswendig einfache Melodien mit leicht zu merkenden Texten singen, können wir freier singen, mehr in uns hineinhorchen und unser Gegenüber wahrnehmen, vielleicht sogar uns zum Singen bewegen. Häufig tauschen sich die Teilnehmer nach einem Lied aus, wie es auf sie gewirkt hat, in welcher Stimmung sie gerade sind, welche Gefühle spürbar wurden, welche Erinnerungen / Assoziationen auftauchten. Und jeder kann für sich dann abgleichen: „Ja, das habe ich auch so empfunden“, oder „bei mir war es anders“. Über das Sprechen werden Gefühle und die damit verbundenen Bedürfnisse bewusster. Unsere Quellen, das, was uns nährt, werden greifbarer. Es ist erstaunlich, welche befreiende, lösende Wirkung dieses Singen auf SängerInnen hat, dies vermittelt auch der Film: Im geschützten Raum können alle Gefühle geäußert werden. Wenn ein Teilnehmer z.B. fürchtet, dass seine Gefühle ihn überrollen, legen wir die Aufmerksamkeit auf achtsame Körperwahrnehmung, seine Atmung, auf einen stabilen Stand / „Erdung“, auf rhythmisch-beschwingtes Sprechen und Singen!

Am Beispiel des Liedes „Bele Mama“ wurde im Forum die rhythmische Kraft des Singens erlebbar: Verbundenheitserfahrungen wurden spürbar: Unsere Atemmuster, Herzfrequenzen gleichen sich an, synchronisieren sich! Die nonverbale Ebene der Kommunikation wird bewusster, erfüllter, resonanzreicher und dadurch Beziehungen vertieft. Wie wichtig tragende Beziehungen für unsere psychisch und physische Gesundheit sind, hat jeder erfahren. Inzwischen belegen dies auch zahlreiche Studien wie diese Metastudie aus dem Jahre 2010: Social Relationships and Mortality Risk

Ich fand es erstaunlich, wie intensiv sich die Teilnehmer auf das Singen einlassen konnten. Es gab nach dem Vortrag und Workshop großes Interesse an unserem SiKra-Netzwerk, unseren Singgruppen.

Fotos: Copyright „André Zelck"


Sangkraft Singing Hospitals aus Dänemark

Treffen im PZN am 26.06.2018

Jutta Eise, Jacob Madsen, Klaus Loescher, Elke Wünnenberg (v.l.)

In Dänemark gibt es eine lebendige Singtradition. So besteht beispielsweise "Roskilde Singing" seit September 2012 als selbständige gemeinnützige Institution und ist eines von 10 singenden Epizentren in Dänemark. Im März diesen Jahres kam die Anfrage von Jacob Madsen, Verwaltungsleiter der Roskilder Sangkraft-Initiative, ob der Verein "Singende Krankenhäuser e.V." mit seinem Know-How die Ausweitung der Roskilder Singgruppenarbeit auf Krankenhäuser und anderen Einrichtungen des dänischen Gesundheitswesens unterstützen könne.

Vor ein paar Tagen nun – am 26.6.18 - fand ein erstes Treffen statt. Jacob Madsen kam extra zu einem Kurzbesuch nach Deutschland und zeigte sich sehr erfreut, das Anliegen und die Aktivitäten von "Singende Krankenhäuser e.V." kennenzulernen und erleben zu können. Im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden war dank der Musiktherapeut_innen Jutta Eise und Klaus Loescher ein unmittelbarer Einblick in die Wirkkraft der dortigen Singgruppe möglich.

Als nächsten Schritt wird Jacob Madsen ein Treffen mit seinen Partnern in Dänemark anberaumen, um die Finanzierungsmöglichkeiten für ein Pilotprojekt zu prüfen. Wir drücken die Daumen und Jacob kreuzt die seinigen ("I cross my fingers"), dass die bei dem Besuch entfachte Begeisterung und die konkreten Kooperationswünsche auf offene Ohren und Herzen bei den Entscheidungsträgern in Dänemark stoßen!