Modul C

Singen – neurologische Stimulation - Ressourcenaktivierung


Anwendungsbezug

Neurologische Erkrankungen wie Parkinson, Aphasien, Schlaganfallpatienten


Durch musikalische Stimulierung, insbesondere auf so aktive und unmittelbare Weise wie beim Singen, kann stärker noch als durch passives Musikhören der Mensch auf positive Weise stimuliert werden. Die bildgebenden Verfahren haben zeigen können, was Patienten beim spontanen Singen überrascht feststellen: Singen weckt Ressourcen. Durch die zusätzliche Aktivierung bzw. Synchronisierung von Erregungsmustern und Aktivierungszentren können Menschen nur stockend sprechen, denselben Text jedoch flüssig singen. Melodie und Rhythmus aktiveren die rechte Hirnhälfte und können die Spontansprache bei flüssigen Aphasien bspw. zurückgewinnen lassen. Erweitert man die Modulationsfähigkeit der Stimme (z.B. durch größeren Tonumfang) werden linkische Bewegungen runder sowie Ausfallserscheinungen und Defizite gemindert. Rhythmische Bewegungen helfen zudem das Gleichgewicht zu stabilisieren, die Schrittsicherheit zu erhöhen und die für das ParkinsonSyndrom typische Verminderung der Mobilität hinauszuzögern.

Wenn Kontakt-, Kommunikations- und Bewegungsfähigkeit nachlassen und neurologische Krankheiten auftreten, gewinnen kreative, non-verbale Ausdrucksformen eine neue Bedeutung. Sie regen spielerisch an und machen den grauen Alltag bunter – ermöglichen insbesondere auch die Äußerung von Emotionen. Auf leise, mal laute, mal schnelle oder langsame und melodiöse Weise ergänzt und erweitert das Singen die im Gesundheitswesen eingesetzten aktivierenden Therapieverfahren wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie – und wirken dabei auch der Gefahr einer krankheitsbedingten Isolation entgegen.

In diesem Seminar möchten wir:

  • Aufzeigen und gemeinsam erkunden, wie Atem-, Stimm-, Lockerungs- und Entspannungsübungen über das Singen und Tönen als musikalische Stimulation für neurologische Defizite und die Aktivierung von Ressourcen eingesetzt werden können.
  • Uns neben einem persönlichen Zugang zum Singen auch mit spezifischen Aspekten von neurologischen Erkrankungen befassen und ein darauf abgestimmtes Lied- und Bewegungsrepertoire einführen.
  • Menschen, die mit neurologischen Patienten arbeiten oder dies gerne möchten, genaue Anleitung für Aufbau und Durchführung von Singgruppen geben sowie Grenzen und Möglichkeiten dieser Singgruppenarbeit diskutieren.

"Ich habe Parkinson und wenn ich morgens aufstehe habe ich mit extremem Schwindel zu tun. Der Schwindel ist so schlimm, dass wenn ich vom Stuhl oder vom Sessel aufstehe, ich mich ganz schnell irgendwo festhalten muss oder mich ganz, ganz schnell auf einen Stuhl setzen muss weil ich sonst jeden Moment ohnmächtig werden kann. Bis zum Mittag legt sich das aber wieder. Seitdem ich aber jeden Morgen, gleich nach dem Frühstück, die heilsamen Lieder (1 Stunde) singe habe ich keinen Schwindel mehr. So stark wirkt das Singen auf mich".
Gisela Movahedi


Dieses Seminar richtet sich an alle Singbegeisterte und
kann Physio-, Ergo-, und Körpertherapeuten, Logopäden
sowie sonstigen Fachkräften des Gesundheitssystems
einen Zugang zu einer tönenden Ressourcenaktivierung
eröffnen.


Songs zur persönlichen Krankheitsbewältigung:
Bernd Everding leidet seit 2007 an Parkinson. Die Musik ist - neben den Medikamenten - sein Heilmittel. Einer seiner Funk & Soul Songs heißt "Mr. P. kann mich mal". Mehr auf seiner Homepage www.everding-2010.de und in seinen expressiven Songs bernd-everding/bartender. Ein Interview erschien in der Heidenheimer Zeitung, Ausgabe Wochenende 25./ 26.02.2017, Autorin Karin Fuchs: Online-Artikel lesen parkinsonweb.com


Modulgebühr:
265 € (ohne Kosten für Unterkunft und Verpflegung)
238,50 € ermäßigt für Mitglieder

Seminarzeiten:
Freitag 18:00 Uhr bis Sonntag 13:00 Uhr


Seminarleitung:
Robert Sawilla und Ulrike Behr

Ort: DE - Seminarhaus Einbecker Sonnenberg in Einbeck

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