Spendenprojekt: Singen mit Flüchtenden

Informationen zum Spendenprojekt „Singen mit flüchtigen Menschen“

Zwischenzeitlich ist das Pilotprojekt „Singen mit flüchtigen Menschen“ von Petra Allgaier und Franz Xaver Ott in Weingarten abgeschlossen. Die Grundidee ist, traumatisierten und heimatlosen Menschen auf der Flucht mit Hilfe des Singens und der Musik ein Mittel in die Hand zu geben, ihre eigenen musikalischen Schätze zu pflegen und sich selbst darin auszudrücken und wiederzufinden. Singende Krankenhäuser e.V. möchte, dass beim Singen die Widerstandskraft und Lebensfreude dieser Menschen wieder geweckt wird und hofft auf Nachahmer-Projekte in anderen Städten. Das Netzwerk unterstützt derartige Singprojekte im Rahmen einer Anschubfinanzierung zunächst aus eigenen Mitteln und hofft, in dieser Zeit Sponsoren und Spender zu finden, die die Kosten des Projekts übernehmen. Zweckgebundene Spenden auf unser Spendenkonto sind daher herzlich willkommen.
Danke an ALLE!

Bericht Singen mit flüchtigen Menschen von Petra Allgaier

Es ist ein leichter Gang an diesem Sonntagnachmittag – die Stufen in strahlendem Sonnenschein den Martinsberg hinauf, der Basilika St.Martin entgegen. Sonja Heim, Geschäftsführerin von Singende-Krankenhäuser e.V., machte meinen Mann und mich auf die Menschen aufmerksam, die auf Initative der Kirche in der Basilika Weingarten Zuflucht gefunden haben. In Gesprächen mit Schwester Ines, Flüchtlingsbetreuerin, wurde deutlich, dass es hier darum gehen könnte, trotz Heimatverlust, kulturellem Sich-Fremdsein und sicher auch traumatischen Lebenserfahrungen ein Miteinander–Dasein zu schaffen.

Wir beschlossen, einfach ins Tun zu gehen – das, zu leben, was Singende Krankenhäuser e.V. als Motto trägt: SINGEN – hilft heilen! Bei den betreuenden Schwestern Ines und Regina stießen wir sofort auf offene Ohren. An diesem besagten Sonntagnachmittag sind wir in Vorfreude auf die Begegnung und die Verbindungen, die die Musik schaffen kann. Wir werden von den Schwestern herzlich begrüßt und in den Innenhof geleitet, in dem die sogenannten „Asylbewerber“ versprengt sitzen. Als erstes begegnen wir Benjamin, ein afrikanischer Flüchtling, Schwester Regina und zwei weiteren Frauen, die hier mit den „Neuankömmlingen“ sind. Schwester Regina und Benjamin fädeln Perlen auf. Eine freundliche Begegnung und herzliches Willkommen heißen. Wir packen unsere „Mitbringsel“ aus: Die Gitarre und eine Tasche voller Rhythmusinstrumente. Erste Akkorde erklingen. Benjamin wendet sich uns zu. Unser singender Austausch beginnt. Wir stimmen „Willkommen in diesem Raum“ an – Benjamin singt irgendwann mit – ganz in seiner Art und Weise.

Daraus entsteht sacht ein Geben und Nehmen. Wir lassen uns von Benjamin „seine“ Lieder zeigen. Spirituals – afrikanisch gesungen. Danke fürs Beibringen, Benjamin. „Meine Füße fest auf Mutter Erde“ erschließt Sprache und sorgt für Wurzeln. Benjamin geht freudvoll auf die Wortdeutungen über den Körper ein. Nach und nach füllt sich der Hof mit Männern, Stühle werden herbeigebracht, Trommeln tauchen auf. Aus einer Handvoll Menschen werden ca. 20-25. Es gibt Hinhörer und Mit-Macher.

Sehr berührend ist der Moment, als sich alles „verselbstständigt“. Diese temperamentvollen Menschen singen und trommeln in ihrer Mentalität, als gäbe es in ihrem Leben nichts anderes. Lebensfreude pur, Bewegung, Tanz - zwei wundervolle Stunden voller Rhythmik und „dunklen“ Gesängen. In diesem Moment ziehen wir uns mit unserem Tun zurück, schwingen mit und sehen die Freude, die in den Gesichtern der Männer und deren Körpern zum Ausdruck kommt. Es sieht so aus, als hätten sie in diesem Augenblick ihre zum Teil unglaublichen Lebensgeschichten einfach „vergessen“. Vielleicht braucht es nur „ein kleines Lied“, Offenheit und einen Impuls. Singen bewegt, verbindet, gliedert ein und schafft Brücken. Auf unserem Heimweg beschließen wir ein Wieder-Singen!

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns bei dieser Arbeit unterstützen.
Kennwort: Singangebot für flüchtige Menschen