Singender Umzug „Wieverfastelovend“ in der Uniklinik Köln

Un wenn dat Trömmelche jeht, dann stonn se all parat...

Und wie wir alle wieder parat standen! Über 60 „Jecken“ fanden sich an Weiberfastnacht, oder eher „Wieverfastelovend“ wieder in der Klinikkirche der Uniklinik Köln zum 6. Singenden Umzug zusammen. Ja, der singende Umzug hat tatsächlich das schulfähige Alter erreicht!
Statt Schulhefte gab es an diesem Tag liebevoll vorbereitete Blätter zur Unterstützung der Kultur „der zweiten und dritten Strophe“.
Ausgestattet mit dieser kölschen Liedgut-Lektüre stimmte uns Edel-Punk Norberto ein, und bald gab es ein fröhliches Quäken und Juchzen von schmucken Sultans, kessen Bienen und anderen phantasievollen Gestalten.

Los ging es um 11:11 Uhr mit dem traditionellen Lied „Eimol Prinz zu sin“, in ausdrucksvoller Pantomime, die nach der passierten Pförtnerloge in ein beherztes „Mate Aroha - Kölle Alaaf!“ überging und in den hohen Fluren der Uniklinik auf das herrlichste schallte!

Nicht nur die Anzahl der Umzugssänger wächst stetig mit Sängern der Singgruppe, mutigen Gästen aus der „verbotenen Stadt“ (D-dorf) und Singleitern aus der Region. Auch die musikalische Combo, die alle Jecken rhythmisch im Zaum hielt, ist gewachsen: So bekam das Singleiter-Stammteam  bestehend aus einem Huhn mit der „Quetsch“ (Bärbel Kükenshöner), einem Dieb und Herzensbrecher (Micha Meza), der janz, janz zachten Clownin in rosé mit der dicken Trum (Hille Grooterhorst) und der weitgereisten Esferaldinosia  (Monika Wiese) noch musikalische Unterstützung vom Sulltaaaan (Martin Hermanns), ne kölsch lecker Mädsche am Trömmelschen (Anni....), dem Pandabär (Adrian Gahbler) an der Djembe und einem waschechten Revoluzzer (Helmut Metten).

Janz zuvörderst winkte unsere Edelkeit Norberto mit Neptuns (oder gar Beelzebubs?) Gabel, um die singende Schar anzuführen und zu dirigieren.

So zog der bunte Trupp singend, trommelnd, rasselnd hinüber zum Herzzentrum – passierende Patienten in Rollstühlen oder Betten, auf dem Weg zum OP wurden bereits im Vorfeld mit dem Ruf „Majestät!“ angekündigt und es öffnete sich eine Gasse, in der die Narren mit freudig-erhabener Verbeugung grüßten! Wunderbar und berührend zu sehen, wie so mancher Patient mit der hoheitlichen Zuwendung an Strahlkraft gewann, freudig zurück grüßte, und noch Meter weiter im Takt winkte!

Auf jedem Flur und an jeder Tür begegneten uns immer wieder verkleidete Mitarbeiter und ausschließlich freundliche Gesichter, die bei „Viva Colonia“ mitsangen und sich für eine ganze Weile in die Magie des kölschen Karnevals hinein ziehen ließen.

So ging es wohl auch den Ärzten und anderen Mitarbeitern, die zunächst am Rande standen als wir das Foyer des Herzzentrums erreichten und dort im großen Kreis die hohen Hallen schon bald nach kölschen Klassikern wie „En dr Kayrgass“ oder auch einem feurigen „Haida!“ die ganze Eingangshalle bis in die einsehbaren Flure und Räume der anderen Etagen zum vibrieren und feiern brachten. Nicht lange, und die Ärzte wurden eingeladen, untergehakt und sangen mit Inbrunst und wachsender Heiterkeit die umgetextete Variante  von „Drink doch ene mit“ von Bärbel:

„Sing doch einfach mit, stell Dich nit esu an,
Du stehst hier die janze Zick eröm.
Bist auch als scheu, dat jeht schnell vorbei:
sing doch einfach mit, sing einfach mit!“
Wunderbar! So geht Integration! :-)

Und es waren diesmal nicht nur die asiatischen Gäste, die das jecke Treiben, in dem so herrlich spürbar wird, „dass mer doch alle jlich sin im Hätze“ mit ihren Kameras staunend einfingen – viele Mitarbeiter standen am Geländer oder an den Fenstern und filmten die wunderbare Verwandlung des Foyers.

Dann folgte ein fliegender Wechsel, denn kaum waren unsere Töne von „Bele Mama“ verklungen, folgte auch schon ein Tanzkorps der neuen Generation 4+ der wir winkend das Foyer überließen und uns wieder auf den Rückweg machten. Die Clownin Rosalie hüpfte immer wieder vorbei oder wagte ein kleines Tänzchen mit dem ein oder anderen Passanten, die ihrem Charme nie widerstehen konnten.

So aufgetankt und erfrischt an „Hätz un Siel“ landeten wir wieder in der Kapelle der Klinik, wo Gänsewein und bunter Konfettikuchen auf uns warteten und viele Erinnerungsbilder gemacht wurden - nicht selten mit dem himmlischen Segen des Altars im Hintergrund... Auch das ist kölscher Karneval - der „Herrjott“ ist irgendwie immer mit Schmunzeln im Hintergrund dabei...

Und wenn im nächsten Jahr die verhexte 7 lockt, dann klingt es vielleicht:
“wat och passiert, das eine ist doch klar: et schönste wat mer han, schon all die lange Johr, is unser Umzug....“

Bericht: Monika Wiese
Fotos: Christian Wittke, MedizinFotoKöln

Zurück