Vorbeugen besser als Heilen

„Kongress für Menschliche Medizin“ 2017 in Frankfurt

Prof. Dr. med. Jörg Spitz (geb. 1943) aus Schlangenbad bei Wiesbaden ist Facharzt für Nuklearmedizin, Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin. Prof. Spitz hält einen Paradigmenwechsel in der Medizin für überfällig: „Weltweit zeigen interdisziplinäre Forschungsergebnisse die elementare Bedeutung der Umwelt und des Lebensstils für die Gesundheit der Menschen. Vor diesem Hintergrund ist Vorbeugen eindeutig besser als Heilen. Immer mehr Menschen fordern ein Umdenken und schätzen die Lebensqualität höher ein als die Quantität (gewonnene Zeit ohne Lebensqualität). Vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung ist dies eine große Herausforderung für die Medizin in der Gegenwart und Zukunft“.

Seit einigen Jahren widmet sich Prof. Dr. Spitz ausschließlich der Erarbeitung von Präventionskonzepten und deren Umsetzung in der Praxis. 2008 gründete er die „Deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention” und 2014 die „Akademie für menschliche Medizin und evolutionäre Gesundheit”. Ferner organisiert er seit 2014 den „Kongress für Menschliche Medizin“, der 2017 unter dem Themenschwerpunkt „Neue Perspektiven zur Entstehung und Therapie von Krebserkrankungen“ am 25. – 26. März in Frankfurt stattfand. Neben der wichtigen Bedeutung von Nährstoffen, Bewegung und Sport sowie der Gesprächstherapie hatte Herr Prof. Dr. Spitz auch die Bedeutung der Musik, speziell des Singens, für onkologische Patienten im Blick und die erste Vorsitzende Elke Wünnenberg der Singenden Krankenhäuser e.V. zu diesem Thema eingeladen.

Elke Wünnenberg sprach in ihrem Vortrag darüber, wie Menschen erleben, dass Musik ihr subjektives Erleben widerspiegelt und erweitert. Daher kommt der Musik seit jeher eine hohe Bedeutung in der Verarbeitung von Krankheit und Leiderfahrungen zu. Selbst zu Singen ist noch viel unmittelbarer,  „bewegt“ den Menschen ganzheitlich, vertieft den Kontakt zu sich und der Welt. Um ihre Wirkungsannahmen wissenschaftlich zu begründen erläuterte sie die Erkenntnisse der Polyvagaltheorie von Stephen Porges. Sie verdeutlichte, wie Singen eine Hotline zu psychovegetativen Funktionskreisen bahnt, aus Überlebensstrategien „erlöst“ und Zugang zu sozialer Bezogenheit, emotionaler Schwingungsfähigkeit und Vitalität verbessert. So wurde auf theoretischer wie praktischer Ebene deutlich, wie das Einschwingen auf einen Atemrhythmus, auf lebensbejahende Texte und musikalische Parameter einen Zugang zu Selbstwirksamkeit, Gemeinschaftserleben und Sinnperspektiven eröffnen kann.

Neben Studienergebnissen hatte sie auch Ausschnitte aus dem Film „Krebs – Singen ist Leben“ dabei. Der 13-minütige Film samt Bonusmaterial zeigt, was möglich ist, wenn Menschen sich in Krisensituationen  auf den Weg machen, ihre eigene (Sing-)Stimme zu finden und in eine Gemeinschaft von Menschen mit Liedern und Bewegung einzutauchen. Realisiert wurde er von
Christine Kostrzewa, Medienbüro Essen im Auftrag der Frauenselbsthilfe nach Krebs, ILCO in Zusammenarbeit mit der Initiative Singende Krankenhäuser e.V.

Auch an diesem Konferenztag wurde deutlich, dass es im Gesundheitssystem noch Bewusstseinsarbeit bedarf, um dem Singen den Stellenwert zu geben, der ihm als Resilienzkraft gebührt. Prof. Dr. Spitz würdigte Elke Wünnenbergs Ausführungen im Anschluss an die Konferenz in einer persönlichen Mail: „Ich muss gestehen, ich hatte gehofft, dass Sie nicht nur ein Liedchen trällern würden (pardon!), sondern auch über einige wissenschaftliche Fakten zu Singen und Musik berichten würden. Einen Vortrag auf einem solch hohen wissenschaftlichen Niveau, der gleichzeitig auch noch emotional berührt, hatte ich nicht erwartet. Alle Achtung! Der Beifall der Teilnehmer machte deutlich, dass dies wohl nicht nur mein Eindruck war“.

Der Kongress wurde aufgezeichnet - das gesamte Kongressmaterial wird online verfügbar sein – zunächst gratis, dann zu einem symbolischen Preis, erhältlich auf der Homepage der Akademie für Menschliche Medizin. In der persönlichen Begegnung mit Prof. Dr. Spitz sagte dieser mit einem Augenzwinkern: „Mein Vorhaben ist wie eine Karawane, die auch in unwirtlichen Umständen ihren Weg findet und weiterzieht. Meinem Netzwerk schließen sich immer mehr an und ich habe in der Zwischenzeit ein sicheres Indiz gefunden, um Menschen zu erkennen, die mit mir unterwegs sein möchten: Leuchtende Augen!!! Singende Krankenhäuser e.V. dankt Herrn Prof. Dr. Spitz für die Einladung zu diesem zukunftsträchtigen Kongress, für sein „Funkeln und Sprühen“, für seine Herzlichkeit und sein Engagement für eine Medizin, in der Singen einen Platz finden wird.

Wir ziehen mit und weiter in der Spitzen-Präventions-Karawane!!!

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