Südwestdeutsche Parkinson-Tage in Landstuhl, 8. - 9. Juni 2018

Elke Wünnenberg und Wilfried Scholl

Mit ca. 1.500 Teilnehmer haben die Südwestdeutschen Parkinson-Tage von 8. - 9. Juni 2018 in der Kongresshalle in Landstuhl eine dem Programm angemessene Resonanz bekommen. Neben 16 Fachvorträgen führender Ärzte aus bundesweiten Kliniken reihte sich der Vortrag zum „Singen als Gesundheitserreger?!" von Elke Wünnenberg in einen hochkarätig besetzten Informationstag ein. Die Ausführungen des Vortrags durften auch gleich in dem Workshop „Singen nach Herzenslust“ praktisch umgesetzt werden. Es gab interessierte Nachfragen und viele glückliche Gesichter. Und so konnten Impulsvortrag und Workshop einen kleinen Beitrag dazu leisten, sich nicht von „Sir James Parkinson" das Leben bestimmen zu lassen. Positive Erfahrungen zur Verbesserung der Lebensqualität bei und trotz Morbus Parkinson konnten wir in den vergangenen Monaten auch bereits in unserem Selbsthilfeprojekt mit der Hilde-Ulrichs-Stiftung "Singend der Krankheit begegnen" sammeln.

Weitere Informationen sind auf den Seiten der Selbsthilfegruppe Kaiserslautern zu finden. Mit Wilfried Scholl, dem Hauptorganisator dieser Tage sind weitere gemeinsame Aktivitäten zum Ausbau nichtmedikamentöser Therapien geplant. Und wo er Hand anlegt, gibt es reichen Ertrag.

Elke Wünnenberg

Rückblick auf die Südwestdeutschen Parkinson-Tage 2018

Nach der Premiere 2016 fanden die Südwestdeutschen Parkinson-Tage in diesem Jahr ihre Fortsetzung – und wieder mit großem Erfolg. Ein umfassendes Programm lockte am 8. und 9. Juni rund 1.500 Besucher in die Stadthalle Landstuhl. In 18 Vorträgen und 13 Workshops konnten sie sich über Morbus Parkinson, Diagnoseverfahren, Therapien und Neues aus der Forschung informieren. Dazu gaben Fachaussteller Auskunft über nützliche Hilfsmittel und Anlaufstellen. Die gute Resonanz, auch über die Region hinaus, verdeutlichte die Wichtigkeit der Fachtagung. Ihr Ziel waren nicht nur Wissensvermittlung und Aufklärung, sie bot auch ein Forum für Erfahrungsaustausch und Kontaktpflege.

Veranstaltet von Junge Parkinsonkranke Rheinland-Pfalz und der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V., erntete das Organisationsteam für seine beachtliche Leistung reichlich Lob und Anerkennung. Besucher wie auch Vertreter aus Politik und Gesundheit würdigten das Engagement, dessen Motor der Landesbeauftragte RLP und Bundesbeauftragte JuPa Wilfried Scholl ist. Seinem Ruf waren anerkannte Parkinson-Spezialisten aus allen Richtungen der Republik gefolgt, um über spezielle Aspekte der Erkrankung zu referieren.

Die Vortragsreihe eröffnete Karin Junginger, Leitende Oberärztin der Abteilung Neurologie/Geriatrie in der Fachklinik Ichenhausen mit einem generellen Einblick in Morbus Parkinson. In einem weiteren Beitrag widmete sie sich dem Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Restless Legs-Syndrom. Ebenfalls zweimal vertreten war Dr. Thomas Vaterrodt, Chefarzt der Neurologie an den SHG-Kliniken Sonnenberg in Saarbrücken. In seinem Referat über 'Parkinson im Internet' klärte er über Nutzen und Risiken dieser Art der Informationsbeschaffung auf. In seinem zweiten Vortrag gab er wertvolle Tipps für eine ausgewogene Ernährung, die nicht nur Parkinsonpatienten zugute kommt. Geeignete körperliche Aktivitäten und ihre positiven Auswirkungen auf Körper und Geist waren ebenso Thema wie das Gesundheitspotenzial von Singen, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Morbus Parkinson und Möglichkeiten der Rehabilitation.

„Kognitives Training bei Parkinson: Hoffnung oder Hype?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich Prof. Dr. Elke Kalbe von der Universitätsklinik Köln und konnte laut neuester Studien die Effektivität gezielter Übungen bestätigen. Ein Thema, das seit einigen Jahren das wissenschaftliche Interesse erregt. Über den richtigen Zeitpunkt zur intensivierten Parkinson-Therapie referierte der Neurologe Dr. Robert Liszka vom Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern. Dabei ging er auf die mögliche nachlassende Wirkung bzw. Wirkungsschwankungen der Parkinsonmedikamente im Verlauf der Erkrankung ein und zeigte alternative Therapien wie etwa die Tiefe Hirnstimulation auf. Welche Voraussetzungen für einen Hirnschrittmacher erfüllt werden müssen und auf welche Weise er die Lebensqualität verbessert, erläuterte Dr. Stefan Groiss vom Uniklinikum Düsseldorf. Die Therapie mit Medikamentenpumpen bei fortgeschrittener Parkinsonerkrankung hatte das Referat von Prof. Dr. Rüdiger Hilker-Roggendorf, Chefarzt am Klinikum Vest, zum Inhalt. Auf großes Interesse stießen auch die Vorträge über Demenz sowie Blasen- und Darmstörungen bei Parkinson als auch die Bedeutung der Speiseröhre. Einen ebenso informativen wie hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft der Parkinson-Therapie dank sich wandelnder Technologie warf Prof. Dr. Sergiu Groppa von der Universitätsmedizin Mainz.

Parallel zu den Vorträgen deckten auch die gut besuchten Workshops ein breites Themenspektrum ab, das von Schluckstörungen, über den sinnvollen Einsatz von Hilfsmitteln, LSVT-Big-Therapie bis hin zur Fahreignung bei Morbus Parkinson reichte. Ergänzend zu dem umfassenden Angebot konnten sich die Besucher in der Fachausstellung informieren. Für eine Stärkung zwischendrin oder zum gegenseitigen Austausch bot sich der Gastronomiebereich an. Hier wurden auch Kontakte gepflegt oder neue geknüpft – ganz im Sinne der Organisatoren, deren intensive Netzwerkarbeit die Basis für das Zustandekommen der vielbeachteten Veranstaltung bildet. Und so waren sich nicht erst am Ende der Südwestdeutschen Parkinson-Tage 2018 alle Teilnehmenden einig, dass auch in zwei Jahren eine Neuauflage folgen soll.

Wilfried Scholl
www.parkinson-kl.de


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