"Reden reicht nicht!?" - Fachkongress für Psychotherapie in Heidelberg

Elke Wünnenberg war begeistert vom Hauptredner Dr. Stephen Porges

"Der Körper ist die Bühne der Gefühle" (Antonio Damasio)

Vom 24.5.16 bis 29.5.16 erlebten über 2000 Teilnehmer die Konferenz "Reden Reicht Nicht!?". Sie wurde gemeinsam von Michael Bohne, Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle und Matthias Ohler (Carl-Auer Akademie) ins Leben gerufen. Ziel dieser Tagung ist es, innovativen Konzepten in der Psychotherapie Raum zu geben und über Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten zu diskutieren. Über 100 Referentinnen und Referenten waren an diesen Tagen eingeladen, ihre Techniken und Methoden einer prozess- und körperzentrierten Psychologie vorzustellen. Auch die Arbeit mit Stimme und Gesang fehlte nicht. Mit einem Workshop „Singen und Selbstregulation“ war auch "Singende Krankenhäuser e.V." mit ihrer Vorsitzenden Elke Wünnenberg vertreten. Neben den vielfältigen Einblicken in praktische Arbeit fanden auch anregende Podiumsdiskussionen und Vorträge statt.

Elke Wünnenberg, Dr. Stephen PorgesEiner der spannendsten Hauptredner war Dr. Stephen Porges, Professor für Psychiatrie und Biomedizintechnik, Direktor des Brain Body Centers an der University of Illinois in Chicago. Er war Präsident der „Federation of Behavioral, Psychological and Social Sciences” und der “Society for Psychophysiological Research”. Von 1985 bis 2001 war er Professor für humane Entwicklung und Psychologie an der University of Maryland/Collage Park und Direktor des “Institut for Child Study“. Er ist verheiratet mit Sue Carter, einer international bekannten Expertin im Bereich der Neuropeptide Oxytocin und Vasopressin in Bezug auf soziales Verhalten; sie ist Co-Direktorin des Brain Body Centers. Man kann sich die lebhaften und geistig gegenseitig befruchtenden Interaktionen über das Frühstücksei hinweg vorstellen, welche dann anschließend im Labor überprüft werden sollen. Ursprünglich erforschte Porges anfangs der 90er Jahre das autonome Nervensystem, repräsentiert durch das sich gegenseitig balancierende parasympathische Nervensystem, vermittelt durch den Nervus vagus und das sympathische Nervensystem. Porges entdeckte damals das Prinzip der Herzraten-Variabilität (HRV), welches heute vielfältig genutzt wird. Damals ging Porges davon aus, dass ein Organismus je parasympathischer gestimmt, desto gesünder sei. Dass dem nicht so war, wurde ihm durch das Feedback eines Kinderarztes auf eine Publikation bewusst: in der Neonatologie ist eine Bradykardie ein lebensbedrohliches Alarmzeichen. Dieses Phänomen, von Porges als „Vagus-Paradox“ bezeichnet, wurde Ausgangspunkt zu einem intensiven Literaturstudium, welches in die eigentliche PVT mündete. Seine Forschungsarbeiten, die er im Rahmen der „Polyvagaltheorie“ bündelt, können aktuell als einer der wegweisenden wissenschaftlichen Ansätze gesehen werden. Porges Polyvagaltheorie rollt dem Singen „den roten Teppich“ aus, lässt verstehen, wie und warum über Gemeinschaftserleben, Kontakt und Resonanzerfahrung Selbstheilungskräfte entfaltet, „versteinerte Herzen“ geöffnet werden können und Lebensfreude pur spürbar wird. Neben dem Singen war es vor allem das wissenschaftlich erforschte Lächeln von Stephen Porges und seine Ideen, die ansteckend wirkten.

Wieder einmal konnte sich die Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“ einem interessierten und aufgeschlossenen Fachpublikum des Gesundheitswesens präsentieren, wurden Kontakte geknüpft und Visionen entwickelt und „last but noch least“ Prof. Dr. Stephen Porges in den wissenschaftlichen Beitrat der Initiative eingeladen.

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