Singende Krankenhäuser e.V. bei Landestagung in Münster

v.l.: Sirun und Klaus Hogrefe, Petra Kunz

Die Landestagung der Frauenselbsthilfe nach Krebs NRW e.V. mit vierzig Selbsthilfegruppen vom 28.-30.10.16 in Münster widmete sich am ersten Tag dem heilsamen Singen. Überraschend und wohltuend war die klangvolle Eröffnung durch Elke Wünnenberg, in die ca. 80 Gruppenleiterinnen der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. einstimmten. Petra Kunz, die Landesvorsitzende begrüßte dann die anwesenden Frauen, die wenigen Männer und die Gäste.

Der erste Vortrag widmete sich dem Thema Fatigue - für die Betroffenen wichtig, da viele die Erfahrung von Erschöpfungszuständen kennen, es jedoch an Verständnis und Hilfen mangelt. Danach richtete sich der Blick nicht mehr auf die Erkrankung und deren Folgen, sondern auf die Entfaltung von Potentialen.

v.l.: Elke Wünnenberg, Petra Kunz (Landesvorsitzende NRW), Christine Poensgen

Elke Wünnenberg, 1. Vorsitzende von Singende Krankenhäuser e.V., stellte den Verein und sein Anliegen vor. Sie erläuterte, dass Selbsthilfegruppen und das Netzwerk „Singende Krankenhäuser e.V.“ eine gemeinsame Grundausrichtung hätten: den Menschen in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ganzheitliche Ansätze zu fördern und das Gesundheitssystem mitzugestalten. Dabei betonte die Vorstandsvorsitzende, dass das Gesundheitssystem so menschlich sei, wie sich alle Beteiligten persönlich einbrächten und Beziehungen gelängen. Auch der Umgang mit Krebs sei eine Beziehung – eine Beziehung zu sich selbst, in der sich oft die eigene Biografie und persönliche Überzeugungen spiegelten.

Eine gemeinsame Singerfahrung verdeutlichte das Menschenbild und die Grundausrichtung der Initiative. Über die angestimmten Lieder konnten die Frauen unmittelbare Veränderungen in ihrer Befindlichkeit wahrnehmen. Nach einem Kanon mit Gänsehauteffekten, begannen Mimik und Gestik der versammelten Frauen lebendiger zu werden. Von einem „Oioi im Jammermodus“ ging es über zu swingenden Körperbewegungen – wobei Elke Wünnenberg augenzwinkernd anmerkte, dass diese der Körper “schon nach wenigen Sekunden mit Lebensfreude verwechsele“. Körper richteten sich auf und der Gesang wurde voller. Tatsächlich lässt das gemeinschaftliche leistungsfreie Singen vielfältige Erfahrungen zu. Die Teilnehmerinnen der Landestagung schätzten in späteren Rückmeldungen die Achtsamkeit und emotionale Tiefe, die durch das Singen angeregt wurden. Sie nahmen die wertvollen Impulse zur Krankheitsbewältigung, die „so ganz nebenbei, aber unmittelbar spürbar“ vermittelt wurden, dankbar wahr. Elke Wünnenberg, die in der Paracelsus-Klinik Scheidegg arbeitet, sprach sich für das Potential des Singens aus – Singen gebe ihr einen Zugang zu Patientinnen, der weit über Reden hinausgehe.

Im Anschluss an Vortrag und Singerfahrung wurde der Film „Krebs – Singen ist Leben“ zum ersten Mal gezeigt. Christine Kostrzewa vom medienbüro Essen, die mit ihren Filmreihen schon viel für krebsbetroffene Frauen bewegte, hat diesen Film geplant und gestaltet. Auftraggeber und Initiatoren waren die Frauenselbsthilfe nach Krebs Landesverband NRW e.V. und die Deutsche ILCO Landesverband NRW e.V.
Mit der Projektförderung der AOK Rheinland/Hamburg wurde der finanzielle Grundstein gelegt. Auch der Verein Singende Krankenhäuser e.V. beteiligte sich inhaltlich und finanziell an dem Projekt. Die Vertreterinnen der AOK (Frau Hiemer und Frau Greiner) zeigten sich sehr beeindruckt vom Film, Vortrag und Singworkshop und nahmen die Anregungen mit in ihre Geschäftsstelle.
Der Film ist der Beginn einer gemeinsamen Kooperation zwischen dem Netzwerk „Singende Krankenhäuser e.V.“ und den Selbsthilfegruppen der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Ein nächster gemeinsamer Termin wird die 5. Jahreskonferenz von „Singende Krankenhäuser e.V.“ sein, auf der das Filmprojekt vertiefend vorgestellt wird.

Rückmeldungen zum Film "Krebs - Singen ist Leben"

Die ersten Rückmeldungen auf den Film „Krebs – Singen ist Leben“ am Auftaktabend der Landestagung waren sehr emotional und knüpften nahtlos an die geschilderten Singerfahrungen an. Auf die Frage, was der Film innerlich angerührt und spürbewusst gemacht habe, antworteten die Frauen: „Berührend, beeindruckend, heilsam“ oder „Musik öffnet die Herzen und nimmt alle Sorgen und Ängste“ oder „Für Herz und Seele! – Einklang“. Es ging weiter mit Impulsen zum Singen in der Gruppenstunde, zum Durchführen von Sing-Workshops und zu ins Leben zu rufenden offenen Singgruppen. Diese Vorhaben werden durch die zukünftige Kooperation zwischen den Initiativen „Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.“ und „Singende Krankenhäuser e.V.“ gestärkt und getragen.

Am zweiten Tag der Landestagung gab es in drei thematisch unterschiedlichen Workshops, die die Teilnehmerinnen nacheinander besuchten, die Gelegenheit Neues zu erfahren und sich auszutauschen. Die Arbeit in den Workshops zu „Entstauungsgymnastik und alles fließt“, „Ruhe und Kraft mit dem Atem“ sowie „Ein starker Auftritt für meine Gruppe“ waren für die ehrenamtliche Arbeit der Gruppenleitungen eine große Hilfe und Unterstützung.

Die Mitgliederversammlung fand am Sonntagvormittag statt; hier wurde auch der verstorbenen Mitglieder gedacht. Die Landestagung wurde mittags mit dem Lied der Frauenselbsthilfe nach Krebs „Zusammenstehen gibt Kraft und Halt“ beendet.

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