Bezirkskrankenhaus in Lohr am Main

Über die Einrichtung

Das Bezirkskrankenhaus in Lohr am Main ist das größte Krankenhaus des Bezirks Unterfranken und für die psychiatrische Versorgung des nördlichen Unterfrankens mit ca. 750.000 Einwohnern zuständig. Die jährlich etwa 8.000 voll- und teilstationären, sowie ambulanten Patientinnen und Patienten des Krankenhauses werden in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin in zwei großen allgemeinpsychiatrischen Abteilungen, einer sozialpsychiatrischen, einer suchtmedizinischen, zwei gerontopsychiatrischen und einer psychotherapeutischen Abteilung betreut und therapiert. Darüber hinaus gibt es sowohl in Lohr, als auch in der Außenstelle Aschaffenburg je eine institutseigene Ambulanz, zwei Tageskliniken und eine Kriseninterventionsstation. Daneben ist eine forensische Klinik mit 135 Plätzen vorhanden. ln Lohr gibt es einen an die psychiatrische Klinik assoziierten Heimbereich und eine Selbsthilfefirma. Die Klinik ist nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert.

Die Musiktherapie ist eingebettet in die Abteilung der komplementären Therapien. Unter der Leitung von Andreas Paff (Musiktherapeut, zertifiziert im heilsamen Singen) und Svenja Lenz (Musiktherapeutin) gibt es mehrere Singangebote - meistens 1x wöchentlich zwischen 1 und 2 Stunden: therapeutisches Songwriting, Rap-Projekt, "Geronto-Chor", Singangebote auf geschlossenen Stationen, "Heilsames Singen".

Singangebote gibt es an unserem Haus seit vielen Jahrzehnten. In den letzten 30 Jahren wurden diese von verschiedenen Generationen von Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten durchgeführt.

Die Abteilung der komplementären Therapien hat 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bietet folgende Therapien an:

  • Textilwerkstatt (es werden Werkstücke aus textilen Materialien hergestellt)
  • Gartentherapie
  • Tiergestützte Therapie (Versorgung, Haltung verschiedener Kleintiere)
  • Reittherapie
  • Sport- und Bewegungstherapie (Yoga, Qi Gong, Fitnesstraining, Ausdauertraining, psychotherapeutisch orientierte Körpertherapie, Tanztherapie, Koordinationstraining, Ballsportarten etc.)
  • Kunsttherapie
  • Musiktherapie
  • Komplementäre Therapien für Gerontologie (Walking, Qi Gong, Kunsttherapie, Tanztherapie, Musiktherapie, Bewegungstherapie)
  • Systemische Therapie

Ziele und Grundsätze der Abteilung für Komplementäre Therapien

Unsere Abteilung versteht sich als Kooperationssystem für die Bedürfnisse bzw. Ziele ihres Kundensystems.

Therapie muss deshalb - aus unserer Sicht immer - Mittel zum Zweck sein. Auf dieser Basis müssen die an die Abteilung herangetragenen Aufträge klar herausgearbeitet werden. Hierzu bedarf es einer engen Kooperation zwischen den Überweisern und TherapeutInnen einerseits und zwischen den PatientInnen und TherapeutInnen andererseits. Denn KundInnen sind die Überweiser und die PatientInnen selbst.

Die Komplementären Therapien arbeiten erlebnisorientiert.

Das heißt, wir laden in allen Therapieangeboten die KlientInnen dazu ein, mit unterschiedlichen Medien umzugehen. Dadurch soll es den PatientInnen ermöglicht werden, sich unabhängig von Vorerfahrungen und (unabhängig) von physischen und psychischen Befindlichkeiten im praktischen Tun auszuprobieren. Dabei werden immer Möglichkeiten - Kompetenzen - und / oder Grenzen, sog. Defizite erlebt.

Wir arbeiten ressourcen- und lösungsorientiert.

Ziel der Therapie ist es, den KundInnen die jeweiligen Möglichkeiten, Kompetenzen aufzuzeigen bzw. erlebbar zu machen und Lösungen zu finden für den Umgang mit erlebten Grenzen, um diese für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Erkrankung zu nutzen.

Wir nehmen unsere KundInnen mit ihren Anliegen ernst.

Die PatientInnen stehen häufig vor dem Dilemma, unterschiedlichste, sich (scheinbar) widersprechende Bedürfnisse gleichzeitig zu erleben. Einerseits möchten sie möglichst symptomfrei leben und funktionieren, andererseits stehen diesem Bedürfnis oft Sehnsüchte bzw. autonome Bedürfnisse entgegen, die im Alltag keine Erfüllung finden, was dann als problematisch und leidvoll erlebt wird. Dieses Erleben wirkt oft als Verstärker der Symptomatik psychisch erkrankter Menschen. Hier setzen wir mit unserer Arbeit an.

Unser Ansatz fördert sowohl loyale Bestrebungen, das Bedürfnis zu funktionieren - das "Sollen" - als auch Autonomiebestrebungen, das Bedürfnis nach Eigenständigkeit - das "Wollen".

Die Abteilung für Komplementäre Therapien hält auch arbeitstherapeutische Angebote vor. In der Textilwerkstatt, in der Therapie - Gärtnerei sowie im Therapiebereich Gutshof wird das "Sollen" gefördert. Im Rahmen dieser therapeutischen Maßnahmen werden die PatientInnen unterstützt, diejenigen Fähigkeiten zu stärken, die notwendig sind, um den Anforderungen des alltäglichen bzw. des Arbeitslebens wie Ordnung halten, Ausdauer, Konzentration usw. gerecht werden zu können. Den Patientlnnen wird hier eine vorgegebene Struktur geboten, die möglichst eingehalten werden soll. Die Erfahrung zeigt, dass Patientlnnen ein hohes Bedürfnis haben, möglichst leistungsfähig sein zu können. Sie wollen den (Arbeits-) Alltag bewältigen und setzen sich unter erheblichen Druck, wenn sie dies aufgrund der Krankheitssymptome nicht schaffen.

Die anderen Angebote der komplementärtherapeutischen Abteilung fördern hingegen das "Wollen" der Klientlnnen. ln diesen Therapien können Patientlnnen ihre Sehnsüchte bzw. autonomen Bedürfnisse und Fähigkeiten aufspüren und erleben. Diese können sein: das Bedürfnis nach Abgrenzung, Selbstbewusstsein und Selbstwert, Fitness, Selbstständigkeit usw.

lndem wir unsere Angebote vernetzen, ermöglichen wir den Kundlnnen ein 'sowohl - als auch' zwischen Wollen (Autonomie) und Sollen (Loyalität) und damit eine Lösung für ihre Dilemmata. Oder anders ausgedrückt: Unsere Abteilung bietet den Patientlnnen ein Übungsfeld, auf dem sie trainieren können, das "Wollen" im Rahmen des "Sollens" umzusetzen. Wir fördern Lernprozesse, die es den Patientlnnen ermöglichen, sich gesundheitsförderlich und adäquat abzugrenzen und gleichzeitig am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Zertifizierung

Die Zertifizierung erfolgte am 16.01.2019 mit Elke Wünnenberg - siehe Info/Blog.