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1. Patiententag des Westdeutschen Tumorzentrums (UK Essen)

Singende Krankenhäuser e.V. war dabei

WTZ Krebspatiententag 2018, Foto: Copyright "André Zelck"

Am 23.Juni 2018 war unser Ehrenvorsitzende Norbert Hermanns auf den ersten Patiententag des Westdeutschen Tumorzentrums (UK Essen) eingeladen, um dort die von ihm mit realisierte DVD „Krebs - Singen ist Leben“, siehe Onlineshop, vorzustellen und einen Workshop zu diesem Thema anzubieten. Hier sein Bericht:

„Im Großen Hörsaal der Uniklinik Essen fanden am Vormittag des 23. Juni die Hauptvorträge des Patiententages statt. Durch das Engagement der Frauenselbsthilfe nach Krebs NRW war die Präsentation der oben genannten DVD gut plaziert.

Die meisten Patienten sind der Ansicht, dass sie nicht singen können - und genau ein solcher Krebs-Patient wird zu Beginn des Haupt-Films der DVD vorgestellt: Er war der festen Überzeugung, dass er nicht singen kann und sagte von sich: „Ich kann zwar nicht singen, tue es aber mit Leidenschaft“. Er hatte nicht diesen Perfektionsdrang, der uns oft hemmt, blockiert und konnte sich spontan spielerisch auf dieses Abenteuer „Singen“ einlassen. Zudem war ihm bis dahin nicht bewusst, dass er eine schöne, sonore und große Stimme hat. Er meldete rück, dass er seinen Körper durch die mitunter starken Vibrationen, neuen Resonanzen und tieferen Atem neu erfährt, was ihn zutiefst beglückt - auf so eine befreiende Erfahrung habe er lange gewartet. Dabei war er sehr bewegt - Singen berührt!

WTZ Krebspatiententag 2018, Foto: Copyright "André Zelck"
Norbert Hermanns, Ehrenvorsitzender Singende Krankenhäuser e.V.

Mit einfachen, vokalreichen Liedern auf einer Tonsilbe mit eingängiger Melodie kann wirklich jeder unter entsprechender Anleitung seine Stimme entfalten. Und das vermittelte ich den Anwesenden mit einigen Impulsen zur Öffnung der Stimme anhand des Liedes von Katharina Bossinger „jai dai dai“, worauf sich die Anwesenden einließen, direkt aufstanden und zum Lied schunkelten (fast wie im Rheinland :-) ).

Sie spürten, wie sich ihre „Stimmung“ unmittelbar veränderte: Unser Gefühlszentrum wird durch das Singen direkt stimuliert, wir nehmen unsere Gefühle deutlicher wahr und können sie direkt ausdrücken - das befreit. Viele Patienten sind nach der Diagnosestellung oftmals in einer Art „Kontroll-Modus“ - es gibt unglaublich viel zu verarbeiten, zu bewältigen und zu organisieren. Und Gefühle werden dann häufig zurückgestellt, mitunter auch aus Angst davor, dass sie zu mächtig sind. Gefühle lassen sich aber nicht „wegpacken“. Sie sind eine Art Leuchtturm für unsere wichtigsten Bedürfnisse. Wenn sie ignoriert werden entwickeln sie ihr Eigenleben: Angst z.B. kann in chronische Unruhe, Anspannung, mitunter zu Panikattacken „aus heiterem Himmel“ führen. Unterdrückte „Wut“ zu einer chronischen Reizbarkeit. Unterdrückte Trauer zu scheinbar grundlosem Weinen ... Das sogenannte heilsame Singen kann uns den Zugang zu unseren Gefühlen und damit zu dem, was uns ausmacht, was uns guttut, was uns nährt, eröffnen. Und somit auch den Zugang zu unseren Mitmenschen, da wir - im Einklang mit unseren Gefühlen - klarer mitteilen können, was uns bewegt, was wir uns wünschen. Ich beziehe mich hier auf Elke Wünnenberg, die dies in ihren Beiträgen „Singend bezogen sein“ und „Selbstregulation auf tönende Weise“ unseres aktuellen Tagungsbandes wunderbar erläutert.

Der Film zeigt verschiedene Verbundenheitserfahrungen im Singen. Dadurch, dass wir auswendig einfache Melodien mit leicht zu merkenden Texten singen, können wir freier singen, mehr in uns hineinhorchen und unser Gegenüber wahrnehmen, vielleicht sogar uns zum Singen bewegen. Häufig tauschen sich die Teilnehmer nach einem Lied aus, wie es auf sie gewirkt hat, in welcher Stimmung sie gerade sind, welche Gefühle spürbar wurden, welche Erinnerungen / Assoziationen auftauchten. Und jeder kann für sich dann abgleichen: „Ja, das habe ich auch so empfunden“, oder „bei mir war es anders“. Über das Sprechen werden Gefühle und die damit verbundenen Bedürfnisse bewusster. Unsere Quellen, das, was uns nährt, werden greifbarer. Es ist erstaunlich, welche befreiende, lösende Wirkung dieses Singen auf SängerInnen hat, dies vermittelt auch der Film: Im geschützten Raum können alle Gefühle geäußert werden. Wenn ein Teilnehmer z.B. fürchtet, dass seine Gefühle ihn überrollen, legen wir die Aufmerksamkeit auf achtsame Körperwahrnehmung, seine Atmung, auf einen stabilen Stand / „Erdung“, auf rhythmisch-beschwingtes Sprechen und Singen!

Am Beispiel des Liedes „Bele Mama“ wurde im Forum die rhythmische Kraft des Singens erlebbar: Verbundenheitserfahrungen wurden spürbar: Unsere Atemmuster, Herzfrequenzen gleichen sich an, synchronisieren sich! Die nonverbale Ebene der Kommunikation wird bewusster, erfüllter, resonanzreicher und dadurch Beziehungen vertieft. Wie wichtig tragende Beziehungen für unsere psychisch und physische Gesundheit sind, hat jeder erfahren. Inzwischen belegen dies auch zahlreiche Studien wie diese Metastudie aus dem Jahre 2010: Social Relationships and Mortality Risk

Ich fand es erstaunlich, wie intensiv sich die Teilnehmer auf das Singen einlassen konnten. Es gab nach dem Vortrag und Workshop großes Interesse an unserem SiKra-Netzwerk, unseren Singgruppen.

Fotos: Copyright „André Zelck"


Sangkraft Singing Hospitals aus Dänemark

Treffen im PZN am 26.06.2018

Jutta Eise, Jacob Madsen, Klaus Loescher, Elke Wünnenberg (v.l.)

In Dänemark gibt es eine lebendige Singtradition. So besteht beispielsweise "Roskilde Singing" seit September 2012 als selbständige gemeinnützige Institution und ist eines von 10 singenden Epizentren in Dänemark. Im März diesen Jahres kam die Anfrage von Jacob Madsen, Verwaltungsleiter der Roskilder Sangkraft-Initiative, ob der Verein "Singende Krankenhäuser e.V." mit seinem Know-How die Ausweitung der Roskilder Singgruppenarbeit auf Krankenhäuser und anderen Einrichtungen des dänischen Gesundheitswesens unterstützen könne.

Vor ein paar Tagen nun – am 26.6.18 - fand ein erstes Treffen statt. Jacob Madsen kam extra zu einem Kurzbesuch nach Deutschland und zeigte sich sehr erfreut, das Anliegen und die Aktivitäten von "Singende Krankenhäuser e.V." kennenzulernen und erleben zu können. Im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden war dank der Musiktherapeut_innen Jutta Eise und Klaus Loescher ein unmittelbarer Einblick in die Wirkkraft der dortigen Singgruppe möglich.

Als nächsten Schritt wird Jacob Madsen ein Treffen mit seinen Partnern in Dänemark anberaumen, um die Finanzierungsmöglichkeiten für ein Pilotprojekt zu prüfen. Wir drücken die Daumen und Jacob kreuzt die seinigen ("I cross my fingers"), dass die bei dem Besuch entfachte Begeisterung und die konkreten Kooperationswünsche auf offene Ohren und Herzen bei den Entscheidungsträgern in Dänemark stoßen!


Südwestdeutsche Parkinson-Tage in Landstuhl, 8. - 9. Juni 2018

Elke Wünnenberg und Wilfried Scholl

Mit ca. 1.500 Teilnehmer haben die Südwestdeutschen Parkinson-Tage von 8. - 9. Juni 2018 in der Kongresshalle in Landstuhl eine dem Programm angemessene Resonanz bekommen. Neben 16 Fachvorträgen führender Ärzte aus bundesweiten Kliniken reihte sich der Vortrag zum „Singen als Gesundheitserreger?!" von Elke Wünnenberg in einen hochkarätig besetzten Informationstag ein. Die Ausführungen des Vortrags durften auch gleich in dem Workshop „Singen nach Herzenslust“ praktisch umgesetzt werden. Es gab interessierte Nachfragen und viele glückliche Gesichter. Und so konnten Impulsvortrag und Workshop einen kleinen Beitrag dazu leisten, sich nicht von „Sir James Parkinson" das Leben bestimmen zu lassen. Positive Erfahrungen zur Verbesserung der Lebensqualität bei und trotz Morbus Parkinson konnten wir in den vergangenen Monaten auch bereits in unserem Selbsthilfeprojekt mit der Hilde-Ulrichs-Stiftung "Singend der Krankheit begegnen" sammeln.

Weitere Informationen sind auf den Seiten der Selbsthilfegruppe Kaiserslautern zu finden. Mit Wilfried Scholl, dem Hauptorganisator dieser Tage sind weitere gemeinsame Aktivitäten zum Ausbau nichtmedikamentöser Therapien geplant. Und wo er Hand anlegt, gibt es reichen Ertrag.

Elke Wünnenberg

Rückblick auf die Südwestdeutschen Parkinson-Tage 2018

Nach der Premiere 2016 fanden die Südwestdeutschen Parkinson-Tage in diesem Jahr ihre Fortsetzung – und wieder mit großem Erfolg. Ein umfassendes Programm lockte am 8. und 9. Juni rund 1.500 Besucher in die Stadthalle Landstuhl. In 18 Vorträgen und 13 Workshops konnten sie sich über Morbus Parkinson, Diagnoseverfahren, Therapien und Neues aus der Forschung informieren. Dazu gaben Fachaussteller Auskunft über nützliche Hilfsmittel und Anlaufstellen. Die gute Resonanz, auch über die Region hinaus, verdeutlichte die Wichtigkeit der Fachtagung. Ihr Ziel waren nicht nur Wissensvermittlung und Aufklärung, sie bot auch ein Forum für Erfahrungsaustausch und Kontaktpflege.

Veranstaltet von Junge Parkinsonkranke Rheinland-Pfalz und der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V., erntete das Organisationsteam für seine beachtliche Leistung reichlich Lob und Anerkennung. Besucher wie auch Vertreter aus Politik und Gesundheit würdigten das Engagement, dessen Motor der Landesbeauftragte RLP und Bundesbeauftragte JuPa Wilfried Scholl ist. Seinem Ruf waren anerkannte Parkinson-Spezialisten aus allen Richtungen der Republik gefolgt, um über spezielle Aspekte der Erkrankung zu referieren.

Die Vortragsreihe eröffnete Karin Junginger, Leitende Oberärztin der Abteilung Neurologie/Geriatrie in der Fachklinik Ichenhausen mit einem generellen Einblick in Morbus Parkinson. In einem weiteren Beitrag widmete sie sich dem Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Restless Legs-Syndrom. Ebenfalls zweimal vertreten war Dr. Thomas Vaterrodt, Chefarzt der Neurologie an den SHG-Kliniken Sonnenberg in Saarbrücken. In seinem Referat über 'Parkinson im Internet' klärte er über Nutzen und Risiken dieser Art der Informationsbeschaffung auf. In seinem zweiten Vortrag gab er wertvolle Tipps für eine ausgewogene Ernährung, die nicht nur Parkinsonpatienten zugute kommt. Geeignete körperliche Aktivitäten und ihre positiven Auswirkungen auf Körper und Geist waren ebenso Thema wie das Gesundheitspotenzial von Singen, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Morbus Parkinson und Möglichkeiten der Rehabilitation.

„Kognitives Training bei Parkinson: Hoffnung oder Hype?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich Prof. Dr. Elke Kalbe von der Universitätsklinik Köln und konnte laut neuester Studien die Effektivität gezielter Übungen bestätigen. Ein Thema, das seit einigen Jahren das wissenschaftliche Interesse erregt. Über den richtigen Zeitpunkt zur intensivierten Parkinson-Therapie referierte der Neurologe Dr. Robert Liszka vom Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern. Dabei ging er auf die mögliche nachlassende Wirkung bzw. Wirkungsschwankungen der Parkinsonmedikamente im Verlauf der Erkrankung ein und zeigte alternative Therapien wie etwa die Tiefe Hirnstimulation auf. Welche Voraussetzungen für einen Hirnschrittmacher erfüllt werden müssen und auf welche Weise er die Lebensqualität verbessert, erläuterte Dr. Stefan Groiss vom Uniklinikum Düsseldorf. Die Therapie mit Medikamentenpumpen bei fortgeschrittener Parkinsonerkrankung hatte das Referat von Prof. Dr. Rüdiger Hilker-Roggendorf, Chefarzt am Klinikum Vest, zum Inhalt. Auf großes Interesse stießen auch die Vorträge über Demenz sowie Blasen- und Darmstörungen bei Parkinson als auch die Bedeutung der Speiseröhre. Einen ebenso informativen wie hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft der Parkinson-Therapie dank sich wandelnder Technologie warf Prof. Dr. Sergiu Groppa von der Universitätsmedizin Mainz.

Parallel zu den Vorträgen deckten auch die gut besuchten Workshops ein breites Themenspektrum ab, das von Schluckstörungen, über den sinnvollen Einsatz von Hilfsmitteln, LSVT-Big-Therapie bis hin zur Fahreignung bei Morbus Parkinson reichte. Ergänzend zu dem umfassenden Angebot konnten sich die Besucher in der Fachausstellung informieren. Für eine Stärkung zwischendrin oder zum gegenseitigen Austausch bot sich der Gastronomiebereich an. Hier wurden auch Kontakte gepflegt oder neue geknüpft – ganz im Sinne der Organisatoren, deren intensive Netzwerkarbeit die Basis für das Zustandekommen der vielbeachteten Veranstaltung bildet. Und so waren sich nicht erst am Ende der Südwestdeutschen Parkinson-Tage 2018 alle Teilnehmenden einig, dass auch in zwei Jahren eine Neuauflage folgen soll.

Wilfried Scholl
www.parkinson-kl.de


Fortbildung der Bayerischen Krebsgesellschaft für LeiterInnen von Selbsthilfegruppen

14. - 16.6. in Augsburg

Augsburg - drittgrößte und faszinierende Fuggerstadt Bayerns war Tagungsort für die diesjährige Jahrestagung. Diese Stadt bietet eine faszinierende Bandbreite von Römerfunden, Renaissancebauten, Reformationsgeschichte und Rokokokunst. Außerdem begeisterte mich das Tagungshotel der Diözese Augsburg, Haus St. Ulrich, welches mitten in der historischen Altstadt liegt und durch seine Größe und Lage ein Gefühl der absoluten Entspannung bietet.

Thema der Tagung war: Was macht mich im Alltag stark? Hilfreiche Informationen und Methoden zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit (Resilienz) gab es durch die interessanten Vorträge der fachkundigen Referenten und angebotenen Workshops. Mit interessierter und offener Bereitschaft tauschten sich die Anwesenden auch in Kleingruppen aus und nahmen sicher viele neue Inspirationen für ihre Gruppen mit nach Hause.

Am zweiten Abend der dreitägigen Fortbildung stand die Einladung zum Heilsamen Singen auf dem Programm. „Sing Dich Frei“ - Heilsames Singen - Energieprogramm Lebensfreude“ war der Titel. Vorsichtig um sich schauend kamen die ersten Teilnehmer in den Raum und setzten sich möglichst in die letzte Reihe, da sie ja nicht singen könnten, wie sie sagten! Später, da viele der Tagungsteilnehmer in den Raum strömten, füllten sich auch die vorderen Reihen. „Wir sind sehr gespannt, was uns erwartet, denn wir können uns darunter überhaupt nichts vorstellen!". So wurde ich von einigen Anwesenden beim Abendessen angesprochen. Trotz vieler Vorbehalte in Bezug auf das Singen, füllte sich langsam der Saal mit den Gruppenleiter/innen.

„Ich bin Stimme, ich bin Klang, bin mein Tanzen, bin mein Gang, bin dabei, singe mich frei!“ Dieses Lied von Karl Adamek hörten die Teilnehmer schon beim Hereinkommen: Viele kamen gleich die Hüften im Rhythmus des Liedes schwingend herein und freudiges Lächeln erstrahlte auf den Gesichtern. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft, Markus Besseler, lud ich die Anwesenden ein, verschiedene Möglichkeiten des Heilsamen Singens kennen zu lernen. Lustvoll summend, tönend, stampfend, den ganzen Körper bewegend oder meditativ nach innen spürend, so gestaltete sich das gemeinsame Erleben des Heilsamen Singens. Durch überleitende Texte und Bilder, die über Beamer auf eine Leinwand projiziert wurden, erfolgten auch noch viele Informationen über die Wirkweisen des Heilsamen Singen und über Singende Krankenhäuser e.V., sodass die Anwesenden informiert waren und es nun ihren Selbsthilfegruppen weitergeben können. Die freudvolle Begeisterung der Teilnehmer und die offene Bereitschaft alles mitzumachen, ist mir bei den Selbsthilfegruppen, immer wieder eine Freude und zeichnete diese Teilnehmer in Augsburg ebenfalls aus! Die Zeit verging wie im Flug und danach verließen die Anwesenden summend und singend den Vortragssaal, nicht ohne sich vorher noch mit Informationsmaterial über die „Singenden Krankenhäuser e.V.“ zu versorgen.

Bei einem Glas Wein in einer urigen Kneipe um die Ecke, klang dieser Abend dann noch gemütlich aus. Beim Verabschieden verliehen viele der Gruppenleiter/innen nochmals ihrer Begeisterung Ausdruck, wie gut ihnen diese entspannte Art des Singens getan hatte.

Vera Kimmig


Sozialstation Lindau als erste "Singende Tagespflege" ausgezeichnet

v.l.: Sonja Heim (Geschäftsführerin SiKra), Gabi Hermle-Fehr (Leiterin der Tagespflege und Singleiterin), Frau Feierabend (Pflegedienstleiterin), Gerhard Fehrer (Geschäftsführer)

Am 7. Juni reiste Sonja Heim, Geschäftsführerin des Vereins, an den schönen Bodensee, um im bayerischen Lindau eine besondere Auszeichnung zu übergeben: Die Sozialstation Lindau GmbH wurde als erste Einrichtung überhaupt mit der Urkunde "Singende Tagespflege" ausgezeichnet. In zwei pavillonartigen Gebäuden mit Rundgangmöglichkeit werden die überwiegend demenziell erkrankten Tagesgäste betreut. Die Räume sind licht und hell, Gelegenheit zum Ausruhen, aber auch für viele Gemeinschaftsaktivitäten, die an einem großen Tisch oder draußen im gepflegten Garten stattfinden.

Ungefähr zwei Dutzend Tagesgäste und Mitarbeiter versammelten sich bei bewölkter Witterung optimistisch gestimmt auf der Terrasse. Gabi Hermle-Fehr, Leiterin der Tagespflege und Singleiterin, sowie Gerhard Fehrer, Geschäftsführer der Einrichtung, begrüßten gutgelaunt die anwesenden Gäste. Mit Gitarrenbegleitung stimmte Frau Hermle-Fehr das bekannte Lied "Singen ist Medizin" an. Die Tagesgäste singen gerne und viel. Das war zu spüren, denn sie beteiligten sich rege an den heilsamen Liedern. Pünktlich zum Festvortrag von Sonja Heim brach dann auch die Wolkendecke auf und schickte die ersten Sonnenstrahlen durch. Auf den Hinweis, dass es sich um die europaweit erste singende Tagespflege handelt, gab es spontanen Applaus. Singen wirkt sich positiv auf unser Gedächtnis, unsere Stimmung und unseren Körper aus. Auch die Tagesgäste warfen ein, wie es ihnen mit dem Singen ergeht. So löst es bei der einen Fröhlichkeit aus, bei der anderen Hunger. Derart interaktiv wurden gemeinsam die positiven Auswirkungen des Singens erlebt - und die Sonne schien immer mehr. Während die Markise hervorgefahren wurde, erfrischten sich die Anwesenden bei alkoholfreier Erdbeerbowle, und im Anschluss an den Vortrag bei Häppchen, Kaffee und Kuchen. Unter großem Applaus nahm Geschäftsführer Fehrer die Urkunde entgegen. Beim gemeinsamen Singen und Reden klang der Tag aus und die ersten Tagesgäste wurden froh gestimmt wieder von ihren Taxis abgeholt.

Fotos: Helena Golz / Lindauer Zeitung

Presseartikel:
Schwäbische, Lindau, 14. Juni 2018, von Helena Golz
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11. Come-together-Songfestival im ZEGG vom 31.5. - 3.6.2018

Am Fronleichnams-Wochenende fand nun im ZEGG in Bad Belzig zum 11. Mal das Come-together-Songfestival statt. Bei herrlichstem Wetter gestalteten die Organisatoren Hagara Feinbier und Raimund Mauch den Auftakt auf dem großen Platz dieses "Zentrums für experimentelle Gesellschaftsgestaltung". Später ging es dann im Zirkuszelt weiter. Dort stellten sich auch die Gäste, Mark Fox mit Partnerin Angelika Thome, Elke Voltz und Unmada Manfred Kindel, der das Kinderprogramm gestaltet, den etwa 300 Teilnehmer*innen musikalisch vor. Schwerpunktthema war diesmal die ganzheitliche Stimmentfaltung, der sich Mark und Elke in ihrer Sing-Arbeit intensiv widmen.

Für Karin und mich ist das Song-Festival ein fixer Termin im Jahr. Wir erhalten sehr wertvolle Inspirationen für unsere Arbeit, knüpfen neue Kontakte, treffen Singleiter-Kolleg*innen, können unsere eigene Arbeit in Workshops vorstellen und haben insgesamt eine großartige Zeit in einem wunderbaren Rahmen an diesem "heiligen Ort", den Mark am Sonntag nach dem Abschluss-Podium besang. Gänsehaut pur.

Das Herzstück des Festivals bilden jedes Jahr die 60-Minuten-Workshops im Stile eines Open space, die in insgesamt drei Zeitbändern am Freitag und Samstag nachmittag parallel stattfinden und die aus der Teilnehmerschaft selbst entstehen. Hier kann alles angeboten oder sich gewünscht werden, vom Mantra-Singen bis Body-Percussion, Jodeln bis Balkan, Tänze des universellen Friedens bis Nacktsingen (hat's auch schon gegeben :-)). In der "Fiesta Vocale" am Samstag Abend, dem "Best of Workshops" ging es in diesem Jahr außerordentlich fröhlich und heiter zu. Wie auch in vergangenen Jahren nutzten Kordula und ich die Gelegenheit, unser Netzwerk und unsere Singleiter-Weiterbildung vorzustellen. Etwa 15 Menschen interessierten sich dafür. Der Workshop kam sehr gut an und weckte bei dem einen oder der anderen die Neugier.

Nach dem Festival ist vor dem Festival: Im nächsten Jahr, vom 20. - 23.6.2019, ist dann u.a. unser musikalischer Botschafter Michael Betzner-Brandt zu Gast. Da geht´s schwerpunktmäßig um Circle-Singing und Stimmimprovisation. Safe the date!!!
Impressionen findet Ihr auf der homepage www.come-together-songs.de

Vielleicht treffen wir uns im nächsten Jahr dort

Thomas Jüchter


DRK-Senioren-Stift Mark in Hamm als "Singendes Altersheim" zertifiziert !

gemeinsames Musizieren

Martina Hollenhorst verlieh am 18. Mai 2018 der Einrichtung das Zertifikat:

"Für gewöhnlich treffen sich die Seniorinnen und Senioren des Wohnstiftes, dem auch Mietwohnungen angeschlossen sind, dienstagsvormittags, heute aber zu diesem besonderen Anlass am Freitagnachmittag. Etwa 20 Sängerinnen und Sänger finden sich im Kreis ein. Außerdem kommen eine hochbetagte Dame, die mit ihrem Rollstuhl direkt vor dem Klavier Platz nimmt und ein Mieter, der seine Geige mitgebracht hat und ich erfahre, dass diese beiden regelmäßig für die Begleitung der Lieder sorgen.

Dann beginnt die Leiterin des Sozialen Dienstes, Gudrun Quessel, die als zertifizierte Singleiterin und Musikgeragogin qualifiziert ist, das gewohnte Einstimm-Ritual, bei dem der Körper und die Stimme gelockert werden und das mit einer "Klang-Dusche" endet. Aus einem eigens für diesen Anlass zusammengestellten Textheft singen wir einige frühlingshafte Volkslieder und ich bin nicht wenig überrascht, in welch schwungvollem Tempo diese begleitet werden - Zitat der Pianistin: "Wenn da Allegro steht, dann spiele ich das auch!". Ebenso begleitet sie spontan vorgeschlagene Lieder. Zu der bekannten Melodie von "Oh Susanna" singt Gudrun Quessel: "Wir gehen ins Singende Altenheim - wer kommt mit ?" und gibt Bewegungsimpulse, die von den Teilnehmern gleich umgesetzt werden.

Höhepunkt des Nachmittags war wohl mein Besuch. Ich wurde von Geschäftsführer Herrn Arrenberg herzlich begrüßt und alle hörten aufmerksam zu, als ich die "Singenden Krankenhäuser e.V." und unsere Vision von der Verbreitung des Singvirus „Heilsames Singen“ vorstelle.

Gudrun Quessel und Martina Hollenhorst (beide stehend, v.l.) mit Bewohnern

Auf der Querflöte spiele ich die Melodie eines Volksliedes, welches von einigen gleich erkannt und dann von allen gemeinsam gesungen wird: "Hab oft im Kreise der Lieben ..". In diesem Volkslied aus dem Jahre 1829 wird schon beschrieben, wie wohltuend das Singen ist.

Dann erfolgt die offizielle Übergabe des Zertifikates und zur Feier des Tages stoßen wir mit einem Gläschen Sekt auf den schönen Erfolg an. Zum Dankeschön erhalten wir Blumen und in fröhlicher Stimmung werden weitere Lieder angestimmt und gesungen. Den Musikern fällt noch das eine oder andere Stück ein und spontan wird sogar mit dem Rollstuhl (!) getanzt. Als die Teilnehmer sich schon auf dem Rückweg in die Wohnbereiche befinden, höre ich sie auf den Fluren weitersingen. Und so wünschen wir allen weiterhin viel Freude beim gemeinsamen Singen."

Martina Hollenhorst

Im Westfälischer Anzeiger, Hamm, erschien am 24.05.2018 ein Artikel über die Feier.


'Haste Töne' - beim 12. Deutschen Seniorentag

28. - 30. Mai 2018 in Dortmund

12. Deutscher Seniorentag
Henrike Graef

Henrike Graef, Ausbildungsreferentin BVGT e.V. und Singleiterin für Alterseinrichtungen und Senioren (Singende Krankenhäuser e.V.) hat dabei die ca. fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermutigt, der eigenen Stimme Ausdruck zu verleihen. Sie betonte: Mitmachsingen ist gerade auch für die Menschen, die denken, sie könnten nicht singen. Denn „es gibt keine Fehler, sondern nur Variationen“ (Zitat von Wolfgang Bossinger, Begründer von Singende Krankenhäuser e.V.)

Singen ist eine wunderbare Ergänzung des Ganzheitlichen Gedächtnistrainings vom „Bundesverband Gedächtnistraining e.V.“, da das Singen grundsätzlich allen Menschen zugänglich ist! Während des Mitmachsingens sind keinerlei Vorbedingungen notwendig und eine Beteiligung ist Gedächtnistraining pur, weil die Texte und Melodien ohne schriftliche Vorlage erinnert und wiederholt werden.

Das begeisterte Publikum hatte sehr viel Freude an der gemeinsamen Aktion und brachte die ganze Halle zum Singen, Klingen und Schwingen.


SiKra unterwegs – lebendige Stimmung auf der Messe „Leben und Tod“

am 4. / 5. Mai 2018 in Bremen

Messe "Leben und Tod" in Bremen - 2018
Sonja Bullen und Sabine Rachl (v.l.)

„Mit Leib und Seele“ ist nicht nur der diesjährige Untertitel der Messe, mit Leib und Seele haben wir, Sabine Rachl, Sonja Bullen, Ursula Huhs und Beate Zepik, die Singenden Krankenhäuser dort auch vertreten. Das Flair dieser Messe wächst aus ihrer Vielfältigkeit: Hospizdienste und Bestatter, Buchhandlungen und Instrumentenbauer, Sarggestalter mit Probeliegemöglichkeiten und Urnenfilzen zum Mittun, die Verwandlung von Asche zu Saphiren und Diamanten sowie Fried- und Ruhewaldunternehmen. Auch die Bundesverbände aller großen mit Sterben und Trauer befassten Selbsthilfeorganisationen stellen sich hier vor und nehmen sich viel Zeit für Gespräche und Vernetzung. Ihre Stände vermitteln lebendige Eindrücke. Wer mag, macht zwischendurch eine Entspannungspause im Massagesessel oder mit 20-minütigem Shiatsu. Das Workshop- und Vortragsprogramm ist ebenfalls lohnenswert.

Wir SiKras haben vor allem mit unseren leisen Gesängen der Liedpostkartenlieder und mit einer Schale Gummibärchen und Lakritz die Menschen zum Innehalten und Lauschen bewegt und zwei Tage lang viele gute Gespräche geführt. Fast jede, die stehenblieb, erzählte uns ihre ganz eigene Geschichte, immer anknüpfend an erste oder wichtige Singerlebnisse im Leben. Pflegerinnen und Pfleger, Krankenschwestern, Komponisten und Kirchenmusiker, Trauer- und Sterbebegleiter und viele Menschen am Rentenbeginn, die Ideen für ein Ehrenamt suchten. Es war wie ein Austausch: Wir hörten ihnen zu – sie lauschten unseren Informationen und nahmen dankbar und interessiert die Vielfältigkeit der SiKra-Angebote wahr. Jeder kam mit einem Puzzleteil seines Lebens und überlegte, wie die neuen Informationen ins eigene Lebenspuzzle zu integrieren seien.

Viele meinten: „Mann, was für eine gute Idee und wie naheliegend! Singen in Krankenhäusern und Altenheimen, genau da, wo es besonders gebraucht wird.“ Eine Frau sagte: „Wie schön, dass Sie singen – da fühle ich mich direkt wohl. Das kann ich mir auch für mich gut vorstellen.“

So haben wir viele neue NewsletterinteressentInnen und WeitererzählerInnen des Gesundheitserregers SiKra gefunden. Neben nachdenklichen und auch traurigen Tönen, nehmen wir vor allem das Bunte und Helle der Beschäftigung mit dem Fachpublikum einer Messe, die sich ums Sterben und ums Leben bis zuletzt dreht, mit nach Hause. – Nächstes Jahr gerne wieder!

Sabine Rachl und Sonja Bullen


Klinik Arlesheim ist erstes "Singendes Krankenhaus" in der Nordwestschweiz

Dr. Andreas Jäschke, Geschäftsführer der Klinik, dankt Katharina und Wolfgang Bossinger

Am 16. April zeichneten Katharina und Wolfgang Bossinger die schweizerische Klinik Arlesheim als "Singendes Krankenhaus" aus. Die anthroposophische Akutklinik für Innere Medizin, Onkologie, Psychiatrie und Psychosomatik ist in der Nordwestschweiz das erste Spital mit dieser Auszeichnung. Bisher gibt es in der Schweiz drei andere Kliniken (am Bodensee, in Luzern und in Rheinfelden) mit diesem Zertifikat. Die Klinik Arlesheim übernimmt einmal mehr eine Vorreiterrolle im Gesundheitswesen, was ihrem besonderen Stellenwert als Ursprungsort der Anthroposophischen Medizin entspricht.

Zur Zertifizierung kamen Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten, Chormitglieder und Medienvertreter. Eine Patientengruppe des Heilsingens umrahmte die Veranstaltung musikalisch, ebenso der Klinikchor von Maria Rechsteiner, der jeweils am Montagabend probt und anschliessend das Geübte auf den Stationen für die Patienten singt. Auch ein Projektchor unter der Leitung von Viola Heckel trat auf. All diese Beiträge sorgten dafür, dass ein grosser Teil der Zertifizierungsveranstaltung musikalischer Art war - sehr zum Genuss der Anwesenden.

Katharina und Wolfgang Bossinger setzten noch einen drauf und zeigten, wie man mit einfachen Melodien zu einfachen Texten sehr schnell in einer großen Gruppe mehrstimmig in den gemeinsamen Gesang findet. Der eine oder andere wird die Veranstaltung wohl mit einem Ohrwurm verlassen haben. Herzlicher Dank allen Beteiligten - an die Musiktherapeutinnen, an die Sängerinnen und Sänger und alle anderen, die das Ganze in irgendeiner Weise unterstützt haben - allen voran an Küche und Service für den wunderbaren Apéro, der die Gäste anschliessend erwartete.

In der Klinik Arlesheim haben Musik und Kunst seit den Gründungstagen der Klinik eine große Bedeutung. Therapeutische Erfolge des Heilsingens sind schon in den zwanziger Jahren dokumentiert. Die Musiktherapie wurde bereits vor Jahrzehnten an der Klinik eingeführt. Insofern war es folgerichtig, den Antrag auf die Vergabe des Zertifikats zu stellen. Die Voraussetzungen für das Zertifikat sind an der Klinik Arlesheim gegeben: Heilsingen für Patientinnen und Patienten, Musiktherapie, Klinikchor, Projektchöre zu verschiedenen Anlässen, Musiktherapeutinnen mit dem Abschluss als Singleiterin. Regelmässig werden Singkurse für Menschen mit Atemwegserkrankungen angeboten.

Hier eine Radioreportage des SRF über die Zertifizierungsfeier und ein in der bz Basel erschienener Artikel.