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Zertifizierung der AOK-Nordseeklinik zur 1. Singende Mutter/Vater-Kind-Fachklinik

Mädchen-Musikzug Neumünster

Am 4. Mai 2019 durften wir die nördlichste Klinik aus unserer Mitgliedschaft als "Singendes Krankenhaus" auszeichnen. Ulrike Behr, Musiktherapeutin und Dozentin aus Schleswig-Holstein musste dafür etwas ungewöhnlich mit dem Schiff anreisen, um nach Amrum überzusetzen. Die AOK-Nordseeklinik aus dem Rehasan-Verbund ist auf Mutter/Vater-Kind-Kuren spezialisiert und hat seit zwei Jahren ein umfassendes Singangebot aufgebaut und in den therapeutischen Alltag integriert. Auf dieser Insel wird kräftig gesungen - wir gratulieren sehr herzlich!

Bericht von Ulrike Behr:

"Am Samstag, den 4. Mai 2019 wurde auf der schönen Nordsee-Insel Amrum - mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer – die AOK-Nordseeklinik zur 1. Singenden Mutter/Vater-Kind-Fachklinik Deutschlands zertifiziert.

Die Zertifizierung zum „Singenden Krankenhaus“ fand unter Beteiligung vieler großer und kleiner Patienten sowie Mitarbeiter im Rahmen eines fröhlichen Festaktes mit viel Musik und Gesang statt. Schon vor Beginn der Veranstaltung sang ein Dreijähriger „Hey Pippi Langstrumpf“, welches später vom Auditorium kraftvoll und fröhlich mitgesungen wurde. Die Fanfaren des Mädchen-Musikzuges Neumünster, der für die Zertifizierung geladen und gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden Bernd Müller angereist war, sorgten immer wieder für gute Stimmung.

Bernd Müller, Vorsitzender Mädchen-Musikzug Neumünster, SL Sandy Krebs, Ärztliche Leiterin Dr. Berit Mehmen, Klinikdirektorin Karin Lüpken, Ulrike Behr, SiKra, SL Inga Schulze (v.l.)

Sowohl die Klinikdirektorin Frau Lüpken, als auch die leitende Ärztin der Einrichtung Frau Dr. Mehmen, brachten mit ihren einleitenden Sätzen ihre Freude über den Stellenwert des Singens in ihrer Einrichtung zum Ausdruck.

Vor zwei Jahren wurde von Seiten der Geschäftsführung der REHASAN der Wunsch an die Klinik herangetragen, das Singen in das Therapeutische Behandlungskonzept einzubinden. Dies wurde von der Klinikleitung gerne umgesetzt: Es wurden zwei Mitarbeiterinnen weitergebildet, eine Inhouse-Schulung mit unseren Dozentinnen Daniela Sauter de Beltré und Andrea Käpernik auf Amrum durchgeführt und zwei wöchentlich stattfindende Singgruppen eingerichtet: eine für Kinder und Jugendliche sowie eine für die Mütter und Väter.

Ulrike Behr, Musiktherapeutin

Während der Feier gab es neben mehreren musikalischen Einlagen mit den beiden zertifizierten Singleiterinnen der Klinik, Sandy Krebs und Inga Schulze, einen Vortrag von Ulrike Behr zu den Wirkweisen des heilsamen Singens, während dem das Gesagte immer wieder durch gemeinsames Singen erlebbar wurde. Anschließend wurde das Zertifikat von Ulrike Behr als Vertreterin von „Singende Krankenhäuser e.V.“ feierlich der Klinikleitung und den beiden Singleiterinnen der Einrichtung übergeben.

Frau Lüpken bedankte sich in ihren abschließenden Worten bei den beiden Singleiterinnen für ihre Arbeit und bekräftigte nochmals, wie wertvoll das Singen und die Zertifizierung für die Klinik ist. Jetzt wird es in ihren Bemühungen darum gehen, dieses immer mehr in den Klinikalltag zu integrieren."

Ulrike Behr               Fotos: Kinka Tadsen

Presse-Artikel:
"Die AOK-Nord-Sing-Klinik …", Amrum News, 17.05.2019, von Kinka Tadsen
Online-Artikel lesen


Spendenübergabe an SiKra durch Gerlinde Kretschmann

vorne v.l.: Vera Kimmig, Gerlinde Kretschmann, Sonja Heim; hinten 3.v.l. Wolfgang Baumgärtner

Ein Stuttgarter Frühlingsregen, der etwas wärmer hätte sein können, begleitete uns am Donnerstag 9. Mai zu einem Termin mit einem schönen Geldregen ins Staatsministerium. Sehr herzlich wurden wir am Sitz der baden-württembergischen Landesregierung, der Villa Reitzenstein, von unserer Schirmherrin Gerlinde Kretschmann - der Frau des Ministerpräsidenten - mit den Worten begrüßt: "Termine, an denen man Geld weitergeben kann, sind immer etwas Wunderbares".

Neben uns, also 2. Vorstand Wolfgang Baumgärtner, der eigens aus Melle in Niedersachsen angereist war und 3. Vorstand Vera Kimmig und mir als Delegation von Singende Krankenhäuser e.V. waren unter anderen auch Markus Fischer von der Vesperkirche Ludwigsburg anwesend sowie einige Vertreter der Reitzenstein-Kicker und der Prominenten-Kicker. Ein jährlich veranstaltetes Benefizturnier der beiden kickenden Mannschaften mit ministerialen Beamten und Direktoren erbrachte einen Gesamterlös von 1.500 Euro, der hälftig auf uns und die Vesperkirche aufgeteilt worden ist. Aus den Händen von Frau Kretschmann nahmen wir gerne den großen Spendenscheck über 750 Euro entgegen und dankten herzlich den Geldgebern, den Reitzenstein- und Promi-Kickern.

vorne re: Markus Fischer

Als Geschäftsführerin durfte ich den versammelten Personen, die uns noch nicht kannten, die Arbeit und Zielsetzung unseres Netzwerks nahebringen. Erstaunlicherweise sind auch zwischen dem Fußball und dem Singen etliche Parallelen zu finden. Wo die Spieler dem Ball hinterherjagen, sind wir auf der meist erfolgreichen und kurzen Jagd nach dem Glücksgefühl, für den der sogenannte Glückscocktail im Gehirn sorgt. Besonders effektiv ist das Singen wie beim Fußball, wenn man es gemeinsam oder als Mannschaftssport betreibt. Singen ist ja so gesund! Als Ratschlag gab ich den leidenschaftlichen Kickern daher mit auf den Weg, dass sie nach einem schlechten Spiel, im Anschluss noch ein Lied anstimmen sollten. Denn Singen sei ein gutes Antidepressivum! Deshalb sangen wir auch sogleich spontan im Chor, angeleitet durch Vera Kimmig das Lied: "Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder..."

Nachdem auch die verdienstvolle Arbeit der Vesperkirche Ludwigsburg vorgestellt worden war, entspann sich in lockerer Runde und unter der regen Anteilnahme von Frau Kretschmann eine anregende Unterhaltung über das Ehrenamt, das Singen und nicht zuletzt die bekanntlich wichtigste Nebensache der Welt, den Fußball. Zu Sekt und Häppchen spielte in dem prachtvoll eingerichteten "Runden Saal" Wolfgang Baumgärtner noch spontan mit seiner Blockflöte auf und untermalte mit barocken Klängen die feierliche Stimmung. Eine knappe Stunde später verließen wir wieder den Regierungssitz, froh darüber, dass der Regen aufgehört hatte und wir den überdimensionierten Scheck als Erinnerungsstück gut nach Hause bringen würden.

Sonja Heim

Fotos: Staatsministerium Baden-Württemberg


6. SiKra-Jahrestagung in Bad Kissingen

vom 5. - 7.4.2019 in der Akademie Heiligenfeld

Heino Debus leitet an

Thomas Jüchter berichtet:

Mit den ersten Tönen und gesungenen Worten war es bereits da, um was es gehen sollte: Gänsehaut war die Körperresonanz, als Daniela Sauter de Beltré ihre ersten Töne zu „Hier sein“ anstimmte, "Hier sein, mit allem, was ist, lebendig mit einem Lächeln“. Der Text zu diesem Song sagte schon alles aus, was es braucht, um heilsame Körperresonanzen wahrzunehmen.

Die 6. internationale Jahrestagung von Singende Krankenhäuser e.V. vom 5.-7.4.2019 in der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen stand unter dem Thema „Musik-Embodiment-Körperresonanz - wie Singen uns hilft, in Einklang zu kommen“. War es das Thema, das Singen, die Gemeinschaft? Gewiss alles zusammen trug zur herzeröffnenden Atmosphäre bis zu Glücksgefühlen bei. 160 Teilnehmende kamen an diesen besonderen Ort, die altehrwürdigen Heiligenfelder Kliniken, gut geeignet, das zehnjährige Bestehen von Singende Krankenhäuser e.V. zu feiern – hier, wo das Singen, künstlerische und bewegungstherapeutische Verfahren seit jeher zentraler Bestandteil des Therapieangebotes sind. Wirklich ein Glück, dabei zu sein, viele berührende Momente durch und in den Liedern, das Wiedersehen vieler lächelnder Menschen, die sich auch alle freuten, ein großes „Hallo“, als wir am Freitag Mittag zusammenkamen.

Die Vorträge stopften manche Wissenslücke, machten neugierig; vor allem fand ich in den Resümees ein großes „Ja, genau darum“, Bestätigung für die Kraft und die Bedeutung des heilsamen Singens, wie es auch Elke Wünnenberg in ihrer Begrüßung sagte: „Wir (Anm. TJ: SiKra) sind angekommen im deutschen Gesundheitswesen, werden gehört und wahrgenommen“. Dr. Karl Adamek, Pionier und Wegbereiter des Heilsamen Singens und von SiKra - viele hatte sich gerade auf ihn gefreut - konnte aufgrund schicksalhafter familiärer Gründe nicht dabei sein. Er kam mit einem persönlichen ebenso dankbaren wie mutmachenden Gruß zu Wort.

Der Neuro- und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Tobias Esch ging in seinem unterhaltsamen Eröffnungsreferat „Die bessere Hälfte“ (wie im gemeinsam mit Eckart von Hirschhausen verfassten gleichnamigen Bestseller) auf die wieder ansteigende Glückskurve jenseits der 40 ein und widerlegte damit nicht nur seinen Optiker, der behauptet habe, der Mensch sei nur für die ersten 40 Jahre gemacht, danach sei er vor allem auf fremde Hilfe angewiesen. Esch bezog sich auf das wunderbare Gedicht „Glück“ von Peter Haertel: „Nichts mehr, was dich treibt, nichts mehr, was dich hält auf den Hügel hinauf. Und so lange nach innen singen, bis die Stimme dich aufhebt und mitnimmt“. Es gebe drei Arten von Glück: Die erste Art des Glücks ist in diesem Modell das HIN zu Peak Moments, der unmittelbaren Lustbefriedigung, dem Erklimmen von Gipfeln. Die zweite Art bestehe in der Vermeidung von Unglück, dem „WEG“. Die dritte, erst neuerdings in der Forschung anerkannte Art des Glücklich-Seins, sei das Genau-richtig-SEIN, die Kohärenz - genau das, was viele Teilnehmende in Singgruppen und auch ich selbst immer wieder im Singen erleben.

Jodeln in der Pause mit Doro Heckelsmüller

In den weiteren Vorträgen erläuterten Thomas Fuchs, Barbara Gindl und Stefan Kölsch Erkenntnisse aus ihren Forschungen zum Zusammenhang von Musik, Gefühl und innerer Antwort (Resonanzerleben).

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs aus Heidelberg gab einen fundierten Ein- und Überblick in die Natur von musikalischen Resonanzphänomenen. Er erläuterte, wie Resonanz physikalisch und musikalisch entsteht, wie sie immer mehr ist als nur Manipulation oder Projektion und wie unser Selbst dabei mitklingt, wenn wir singen oder tanzen.

"Anklang finden" war auch Thema des Folgevortrages der Schweizer Dozentin und Musiktherapeutin Barbara Gindl, Autorin des viel beachteten Buches „Anklang – Die Resonanz der Seele“. Sie berichtete informativ, aber zugleich berührend und amüsant aus ihrer Arbeit mit bindungsgestörten Kindern und Jugendlichen. Es war beeindruckend, wie sie feinfühlig und behutsam auf zarte Anklänge ihrer Gegenüber eingeht und wie sie uns die heilsame Haltung der Resonanzbereitschaft noch einmal lebendig an Fallbeispielen mit Videos verdeutlichte.

Bernd Braun (rechts)

Prof. Dr. Stefan Kölsch, Hirnforscher und Musikwissenschaftler, derzeit an der Uni Bergen/Norwegen, referierte via Skype aus seinem Buch „Good Vibrations“ und zeigte anschaulich, welche Bereiche des Gehirns beteiligt sind, wenn wir Musik hören. Er bestätigte die Ausführungen der Vorredner aus neurologischer Sicht. Für die Musiktherapie von besonderer Bedeutung betonte er die Erkenntnis, wie sich die Hirnbereiche für Spaß/Spiel und Schmerz überlappen. Dies erkläre, warum sich Schmerzempfindungen beim Hören von Musik, um so mehr beim Singen oder anderem aktiven Musizieren reduzieren.

Leider musste Robert Sawilla krankheitsbedingt seinen Vortrag zum Morbus Parkinson (und den Workshop) kurzfristig absagen. Dafür aber gaben Bernd Braun von „Parkinson bewegt“ und Elke Wünnenberg einen beeindruckenden Einblick in die Möglichkeiten, dieser Krankheit singend zu begegnen!

Friederike Wortmann, Silvia Abegg, Gabriele Schmidt (v.l.)

Die spannenden Impulsvorträge wechselten sich in bewährter Weise ab mit Workshops, die körperliche Aspekte fokussierten. Z.B. gab Carina Eckes Einblick ins Meridian-Singen nach der Sintala-Methode, die Qi Gong mit Singen verbindet. Rhythmiklehrerin Friederike Wortmann weckte mit angemessenen Übungen unsere Körper. Die Schauspielerin Gabriele Schmidt gab tolle Spielimpulse. Silvia Abegg lud zum Singen mit Menschen mit Demenz ein, dass es nur so Freude machte. Sabine Rittner führte uns in mögliche Wege ein, beim Singen in eine wohltuende Trance zu kommen. Und vieles andere mehr ...

Rolf Grillo, Vera Kimmig

Am guten Schluss der Tagung stand der Workshop des Rhythmik-Lehrers Rolf Grillo aus Freiburg, mit „Rhythmus-Spielen aus aller Welt“ (so der Titel seiner Spiele-Sammlung). Manches durchaus anspruchsvoll, aber immer mit einer großen Laune, irgendwann und zwischendurch lustvoll zu scheitern. Das hat einfach nur Spaß gemacht und gab viele wichtige Impulse für das Arbeiten in Gruppen.

Auch das Feiern und das gemeinsame Singen kamen nicht zu kurz. Der runde Geburtstag "10 Jahre SiKra" wurde Freitagabend mit Sekt, leckerem Fingerfood und einem Open Space gefeiert. Dass SiKra auch tanzen kann, konnte man dann in der Disco im Nebenraum erleben.
Am letzten Abend durfte selbstverständlich die Liedernacht nicht fehlen, als die SiKra-Allstars „WoKa“ (Wolfgang und Katharina Bossinger), Heino Debus und „JoDa“ (Joachim Goerke und Daniela Sauter de Beltré) solistisch und zum Mitsingen aufspielten. Neue Stimmen und Töne gab es von Angela Brantzen aus Darmstadt und Benjamin Penna aus Landau. Wie schön! Auch von Euch wollen wir gerne mehr hören!

Wolfgang Baumgärtner (2. Vorsitzender SiKra), Kordula Voss (rechts, Moderatorin)

So ging eine großartige Tagung zu Ende, die sich für mich sehr rund und wohlig anfühlte. Die Organisatoren hatten glückliche Hände mit ihren Einladungen, abgesehen von den bedauerlichen Absagen von Karl Adamek und Robert Sawilla. Der Geschäftsführerin Sonja Heim, dem erstklassigen Vorstand, den vielen fleißigen Helfenden und der großartigen Kordula Voss - die wieder einmal wunderbar und unnachahmlich charmant die Tagung moderierte - ein dreifach getöntes großes DANKESCHÖN.

Die nächste Mitgliederversammlung soll am 28. März 2020 stattfinden und zwar an dem Singenden Krankenhaus, der Asklepios Schloßberg Klinik im hessischen Bad König, die nächste Jahrestagung im April 2021.

P.S.: Und noch ein persönliches Dankeschön für zehn Jahre SiKra: Als ich vor zwölf Jahren die Weiterbildung bei Wolfgang und Katharina absolvierte, war mir ziemlich schnell klar, dass das "Sikralinische Chanten" meine Berufung sein würde. Was ich bei dieser Form des Singens erlebte, war mir bis dahin unbekannt. Diese Tiefe und Intensität hat mich einfach umgehauen. Ich war tatsächlich sofort infiziert. „Just sing - when we sing, we fall in love“ - ich meine in diesem Song damit dieses tiefe Gefühl, dass ich nicht anders als „Liebe“ benennen kann, eine Kraft, die seitdem immer da ist, immer um mich herum ist und hoffentlich immer da sein wird. Ich bin Euch, Wolfgang und Katharina, unendlich dankbar, dass Ihr mir wie unzähligen anderen diesen Raum geöffnet haben. Und Ihr habt letztlich ja auch nur weitergegeben, was Ihr erfahren habt. Ihr habt es aufgegriffen und die Welle in Gang gebracht.". Es erfüllt mich immer wieder zutiefst, die Wirkung des Heilsamen Singens zu erleben, in meinen Gruppen und anderswo. Jede und jeder von uns erlebt es immer wieder, wie Herzen sich öffnen, Schönheit und Liebe herausströmen und Frieden schaffen. Selbst überzeugteste Nicht-Singer können sich der Kraft nicht entziehen.

links: Thomas Jüchter

Ich bin überzeugt davon, dass unsere Arbeit, wie Yehudi Menuhin als Schirmherr von Il canto del mondo gesagt hat, ein wertvoller Beitrag zum Frieden zwischen den Menschen leistet und damit auch zum Erhalt der Schöpfung und unseres Planeten. Das Singen macht uns menschlich; „Humanität“ und „Humus“ sind ein Wortstamm und die „Hum“ bedeutet im Sanskrit „Vereinigung“. Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Familie zu sein, hier und da meinen Beitrag leisten zu können und wünsche uns und dem Gesundheitswesen, dass sie weiter wächst und wächst zu einem großen Ganzen.

Thomas Jüchter
Dipl.Musiktherapeut/FH-NL (DMtG)
Singleiter (SiKra)
www.cantokreise.de

Fotos: Hildegard Grooterhorst                                          Weitere Fotos und Informationen auf der Jahrestagungsseite


„Singen als Lebenselexier und Gesundheitserreger“

Workshop mit Elke Wünnenberg

Elke Wünnenberg (links), Dr. Matthias Krüger, Leiter der Tagesklinik (Mitte, mit Gitarre)

Auf Einladung der Psychiatrischen Tagesklinik Friedrichshafen hat Elke Wünnenberg am 29. und 30. März 2019 "Eine Einführung in gesundheitsfördernde Formen des Singens in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen" gegeben.

Am 22. April 2019 erschien dazu ein Online-Artikel in "schwäbische" mit dem Titel "Auf dem Weg zum 'Singenden Krankenhaus'":

"Die „heilsame Kraft des Singens“ bewusst mehr in dem Gesundheitssystem nutzbar zu machen, hat sich der Verein „Singende Krankenhäuser“ zur Aufgabe gemacht. Die erste Vorsitzende des Vereins, Elke Wünnenberg, Psychologische Psychotherapeutin und Musikpädagogin, hat auf Einladung der Psychiatrischen Tagesklinik Friedrichshafen einen Workshop zum Thema „Singen als Lebenselexier und Gesundheitserreger“ gegeben.

Lieder, Töne, Melodien – sie erreichen die Menschen oft mehr als Worte, ist dem Pressetext zu entnehmen. Sie berühren und bewegen. Musik gehört zum Menschen. In allen Kulturen wird gesungen, in allen Kulturen spielen Rhythmen, Tänze und Lieder eine zentrale Rolle, wenn es gilt, Menschen in schweren Zeiten zu begleiten, ihnen zu helfen, Übergänge im Leben zu meistern, aber auch, ihnen ein Medium zu geben, ihre Freude auszudrücken, sie zu stärken, ihnen Mut zu machen. Elke Wünnenberg hat die 30 Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes „beseelt“ nach den zwei Tagen wieder in ihre jeweilige Wirkungswelt entlassen, wo sie die heilsame Kraft des Singens ihren jeweiligen Klienten zugutekommen lassen wollen.

Es ist – angesichts mancher schlimmer Beschämungssituation in der Schulzeit – oft gar nicht so einfach, Menschen dazu zu bringen, sich aufs Singen und Tönen einzulassen. Wenn es aber gelingt, kann man es kaum verhindern – so auch die neurophysiologische Forschung dazu – dass es „der Seele gut tut“. Das „Alarmsystem“, das in alten Hirnstrukturen lokalisiert ist und dessen Aktivierung nicht immer als solches bewusst sein muss, reagiert auf die Rhythmen und Töne mit dem Erleben von „Sicherheit“. Eben weil die Menschen sie „schon immer in sich haben“.

Insofern passte der Workshop exzellent zum therapeutischen Konzept der Tagesklinik, das versucht, die Menschen in ihren Sorgen, Ängsten und Nöten zu verstehen und ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben, „da wieder raus zu kommen“. Musik und Singen helfen dabei. Manchmal sind sie gute Geländer auf diesem Weg, manchmal sogar der Weg selbst, heißt es abschließend in dem Pressetext."


7. "Singender Umzug" durch die Uniklinik Köln

Aus erster Hand:

"Patienten, Besucher und Mitarbeiter der Uniklinik Köln feierten zusammen mit Musiktherapeuten und Singleitern unseres Netzwerks WIEVERFASTELOVEND.

Singend, tanzend das Leben in Verbundenheit feiern - die Lebenslust "schwappte" während unseres Umzuges wieder auf zahlreiche Patienten, Besucher und Mitarbeiter über, die spontan mit uns tanzten, sich im Krankenbett auf dem Weg zum OP von uns feiern ließen und uns dirigierten - und so voller Endorphine weiter zum OP fuhren, wiederholt mit dem Rollstuhl unser Spalier ("Patienten ALAAF!!" x3) voller Vergnügen passierten ... Unzählige schöne, berührende Momente, für die wir dankbar sind.

Ganz herzlichen Dank an Helmut Metten für die großartigen Fotos, an Monika Ananda Wiese, Bärbel Kükenshöner, Hildegard Grooterhorst, Michael Meza, Martin Herrmann und Norbert Hermanns für die Organisation und Durchführung sowie den unzähligen Helfern wie Claudia Weber für die Süßigkeiten, Kamelle und Blumen für die Patienten und Mitarbeiter, die wir unterwegs trafen und Kordula Voss, die eigens für den Umzug aus Berlin angereist ist ..."

von Norbert Hermanns


1. Singing Planet Festival in Landsberg/Lech

Doro Heckelsmüller

Thomas Jüchter berichtet:

„Am Samstag, 23.2.2019 fand in Landsberg/Lech das erste Singing Planet Festival statt. Musiktherapeutin und SiKra-Mitglied Doro Heckelsmüller hatte die Idee zu diesem Festival und reiht sich damit ein in die Bewegung der Nächte der spirituellen Lieder und vieler anderer großartiger Initiativen für den Erhalt unseres Planeten.

Die Synergie von Singnacht und interaktiven, fair-ökologischen Aktionen zu Gemeinwohl und Weltbewusstsein macht uns lebendig und entschieden achtsam für unsere Erde.

Anka Draugelates (li.), Andrea Behm (re.)

Die Bewegung „Singing Planet“ will unseren lebendigen Planeten feiern, wenn Vögel, Wale, Bäume, Wasser … und wir Menschen mit der Vielfalt unserer Stimmen aus vollem Herzen singen! Die Vision dahinter ist, das ganzheitliche, ethische Gedankengut der Gemeinwohlökonomie für ein fair ökologisches Miteinander mit lokalen Initiativen, Gesangsvereinen und Singnächten zu verknüpfen. Das gemeinsame, unserem Heimatplaneten gewidmete Singen kann dazu inspirieren, zusammen vor Ort Verantwortung zu übernehmen. Die Stadt und der Landkreis Landsberg unterstützen das Festival.

Das Singing Planet Festival wird zudem unterstützt vom und-Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit (und-institut.de). Ganz im Wissen um die Verbindung von Humus und Humanus, worauf die und- und Erdfest-Aktivistin Hildegard Kurt hinweist (erdfest.org/de/stimmen-initiative), ist die Erde um so fruchtbarer, je mehr sie durchlüftet ist und was durchlüftet den Menschen mehr als hingebungsvolles Singen?

Die fröhlichen "Insektenführer" führten die Gruppen charmant und sicher durch den Elemente-Parcours

Der Tag wurde eröffnet mit einem Flashmob bei herrlichstem Sonnenwetter auf dem Hauptplatz von Landsberg. Über 70 Passanten stimmten mit ein in zwei Jodler für die Erde. Danach ging es weiter im Pfarrsaal der Kirche vor über 130 Teilnehmer*innen mit dem nicht zuletzt durch die musikalischen Kommentare der Stimmperformerin Anka Draugelates aus Regensburg (www.anka-draugelates.de) äußerst lebendigen und eindringlichen Vortrag der Rechtsanwältin und Sprecherin der Gemeinwohlökonomie-Bayern Andrea Behm.

Die von dem österreichischem Attac-Begründer, Autor und Tanzperformer Christian Felber ins Leben gerufene GWÖ will nichts weniger als das bestehende Wirtschaftssystem zu verändern. Weg von der rein ökonomischen Ausrichtung des Welthandels auf monetäres Wachstum hin zu Menschenwürde, Solidarität, sozialer Gerechtigkeit, demokratische und transparente Ausrichtung, ökologische Nachhaltigkeit (www.ecogood.org).

Anka Draugelates (li.), Doro Heckelsmüller (re.) und das Banner über ihnen

Die Ideen und Gedanken der GWÖ wurden sehr anschaulich im Element Feuer als sich im Anschluss an den Vortrag das Auditorium in vier Gruppen aufteilte, um einen Elemente-Parcours zu durchlaufen. An vier Stationen á 30 Minuten konnten die Teilnehmenden die Qualitäten von Feuer, Erde, Wasser und Luft auf sehr eindringliche, kreative, meditative Weise erleben und bestaunen.

Abends stimmte, angeleitet von Doro Heckelsmüller, dem Duo Lunalna mit Ilona Haug und Katharina Kraus sowie Thomas Jüchter in einem prall gefüllten Saal ein Chor von über 150 Sänger*innen in die Singnacht ein. Ein sehr eindrucksvoller Tag ging zu Ende.

Und die Idee geht weiter: Das Fest darf „auf Reisen gehen“. Es soll auch andere inspirieren, damit Gemeinwohlökonomie-Regionalgruppen auf Singkreise zugehen oder Singnachtorganisatoren/Gesangsvereine auf GWÖ-Regionalgruppen zugehen …und gern noch weitere Initiativen vor Ort sich anstecken lassen.

Singing Planet Festival - Banner

Das wundervolle Banner wird auf Reise gehen durch Städte/Orte und Singnächte in Deutschland, Europa… am besten mit der ‚zündenden’ Idee des olympischen Feuers, dass diejenigen die das nächste Festival ausrichten bei dem vorangehenden dabei sind und das Banner mitnehmen!

Ich habe es schon mal mit nach Buxtehude genommen… Im Blick haben wir das Wochenende 20. - 22.3.2020… Ich halte Euch auf dem Laufenden...“

Fotos von Thomas Jüchter und Andreas Winter


Gesundheitsmesse Kempten mit einem Stand von Singende Krankenhäuser e.V.

Elisabeth Ortner

"Unter Beteiligung eines Standes von Singende Krankenhäuser e.V. fand am Wochenende von 16. - 17. Februar 2019 in Kempten eine Gesundheitsmesse mit dem Titel "mein Leben! Messe Allgäu Kempten" statt. Zwei Mitglieder aus der Region, Elisabeth Ortner und Anneliese Breher waren mit einer weiteren Standperson dort vertreten und konnten einige der über 3.000 Besucher über das heilsame Singen informieren und beraten. Die Standbetreuerinnen waren mit der Resonanz zufrieden: "Die Leute, die an den Stand kamen, hatten meist großes Interesse und wollten viel über das Singen im Gesundheitswesen wissen."

Anneliese Breher

So rundete Anneliese Breher das Messewochenende mit einem gesprochenen und gesungenen Vortrag "Sing`a und kling`a, Herzenslieder dia guat dund - Heilsames Singen in Gesundheitseinrichtungen" für eine größere Zahl von Besuchern ab, die selbst sehr gerne ins Mitmachen und Mitsingen kamen.

Unser Dankeschön gilt unseren Standbetreuerinnen für ihren Einsatz. Eines ist gewiss: Rund um Kempten dürfte unser Netzwerk einigen Menschen nun bekannter sein als vorher!


Das BKH in Lohr am Main wurde als "singendes Krankenhaus" zertifiziert

Teilnehmer der Zertifikatsübergabe (von l. n. r.): Andreas Paff (MT), Bernd Ruß (Krankenhausdirektor), Erwin Dotzel (Bezirkstagspräsident), Elke Wünnenberg, Marianne Schaffarczik (Pflegeleitung), Prof. Dr. Dominikus Bönsch (Chefarzt)

Über die Feier an der Bezirksklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische Medizin berichtet Andreas Paff, Musiktherapeut:

"Am Mittwoch, dem 16.01.19 wurde in Lohr am Main (Unterfranken) die Bezirksklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin (kurz BKH) als „singendes Krankenhaus“ zertifiziert. Unter der Beteiligung vieler Patienten und Kollegen wurde das Zertifikat den anwesenden Vertretern der Musiktherapie, der Krankenhausleitung und des Bezirkstages Unterfranken (als zuständigem Träger) von Elke Wünnenberg, Vorsitzende des Vereins „singende Krankenhäuser e.V.“, übergeben.

Vor rund vier Jahren wurde das heilsame Singen als neues Angebot im BKH etabliert. Musiktherapeut Andreas Paff hatte diese besondere Art des Singens während einer Anstellung in der psychiatrischen Klinik Lüneburg kennengelernt und dann nach Lohr mitgebracht. Nun gehe es darum, die Information der Patienten und auch des Personals über das Angebot zu verbessern und das heilsame Singen insgesamt auszubauen. Dafür gebe es einige Ideen und Pläne. Das Ziel sei eine Gruppe mit 20 bis 30 Teilnehmern wie in der Partnerklinik Werneck, welche schon länger als „singendes Krankenhaus“ zertifiziert ist. Auch an eine bessere Integration des Personals und der Stationen werde gedacht.

Neben einer kurzen Einführung durch den Chefarzt des BKH, Herrn Prof. Dr. Bönsch und einem wertschätzenden Grußwort des Präsidenten des Bezirksrates Unterfranken, Herrn Erwin Dotzel, gab es Vorträge von Andreas Paff und Elke Wünnenberg zur generellen Funktion des heilsamen Singens und der spezifischen Umsetzung vor Ort.

Über ihre Erfahrungen mit dem Singangebot berichteten zwei Patienten. Eine sagte, das Singen gebe ihr eine Leichtigkeit, die sie trage, wenn es ihr einmal nicht so gut gehe. Und ein anderer erklärte, dass er sich beim und nach dem Singen gelöst, entspannt und ruhig fühle und es jedem empfehlen möchte.

Prof. Bönsch unterstrich, das Bezirkskrankenhaus habe bereits eine Reihe von Auszeichnungen erhalten, aber dieses Zertifikat freue ihn besonders, weil es mit Musik zu tun habe. Musik und Psychiatrie hätten miteinander zu tun. Denn Musik werde als etwas besonders Wohltuendes wahrgenommen.

Das BKH Lohr ist bereits das fünfte Krankenhaus in Bayern mit dem Zertifikat "singendes Krankenhaus".

Lohr am Main, 25.01.2019"

 


Die neue Lust am Singen

"Heaven can wait" Chor; alle Fotos: © Stefan Malzkorn

Mit dem Chor "Heaven can wait" führt unser Wissenschaftlicher Beirat Prof. Gunter Kreutz eine Pilotstudie zum Einfluss von Singen auf die Konzentrationsfähigkeit älterer Menschen durch. Der NDR berichtete u.a. darüber in dem Film Boom der Chöre - Die neue Lust am Singen.

"Bei seinem Konzertprogramm setzt der "Heaven can wait" Chor bewusst auf sein Alter. Themen wie Verlust und Tod bekommen eine ganze andere Bedeutung, wenn sie von alten Menschen besungen werden. ...

Chorsingen galt lange als uncool, war nur etwas für richtig gute Sänger. Doch das hat sich gründlich geändert. Insgesamt singen in Deutschland momentan mehr als fünf Millionen Menschen in Gesangsgruppen oder im Chor. Es gibt allein 60.000 registrierte und geschätzt noch mal 50.000 unabhängige Chöre. Der Film begleitet Chöre, die anders singen wollen als klassische Schul- oder Kirchenchöre und fragt: Warum sind Chöre plötzlich so angesagt?"

 


Singen im Männerwohnheim in der Kyreinstraße in München

Dagmar Aigner mit einem Teil der Singgruppe

Dagmar Aigner, zertifizierte Singleiterin in München, berichtet über ein Projekt das Singende Krankenhäuser e.V. mit einer Anschubfinanzierung unterstützte:

Anfang August begann mein wöchentliches Singen mit den wohnungslosen Männern im Haus an der Kyreinstraße, einer Einrichtung des Katholischen Männerfürsorgevereins München e.V.. Seitdem singen wir jeden Montagmorgen eine Stunde lang zusammen, ganz anders allerdings, als ich anfangs dachte: Da das Votum der Männer eindeutig in Richtung Oldies ging, singe ich mit ihnen weniger „heilsame“ Lieder als hauptsächlich Songs aus Pop, Rock, Folk und Soul - u.a. aus meinem Straßenmusikrepertoire der frühen Jahre vor meinem Gesangsstudium.

Und noch etwas ist anders, als ich es von anderen Singgruppen her kenne: Die Heimbewohner, von denen die meisten eine psychische Krankheit oder eine Suchterkrankung oder beides haben, sind extrem schwer zu motivieren, wie mir die Betreuer von Anfang an zu verstehen gaben. Und es gibt im Alltag wenig Austausch untereinander oder Bezogenheit. Die Bewohner sind aufgrund ihrer Vorgeschichte sehr mit ihren Problemen beschäftigt und haben häufige Beziehungsabbrüche erlebt, so dass es ihnen auch schwerfällt, Verbindlichkeiten in Form von Wahrnehmung regelmäßiger Termine einzugehen.

Vor diesem Hintergrund ist es nach der Meinung der Sozialpädagogin, die das Singen begleitet (wenn sie nicht anderweitig eingespannt ist), schon außergewöhnlich und als Erfolg zu werten, dass sich ein kleiner, aber fester Kern herausgebildet hat, der regelmäßig kommt und auch zusammen interagiert. Sie ist z.B. auch positiv überrascht von einem Teilnehmer, bei dem es wohl schon etwas ganz Besonderes ist, wenn er überhaupt eine Stunde lang still dasitzen kann. Diesem (am häufigsten von allen erscheinenden) Teilnehmer, den mangelnde Sprachkenntnisse oft am Mitsingen hindern, ist häufig ein starkes Berührtsein durch unser Singen anzumerken. Nach einer Singstunde meinte er: „Mehr Singen ist besser als Trinken!“ Er hat neulich einen Alkoholentzug begonnen, ihn leider aber fürs Erste wieder abgebrochen.

Auch bei einem weiteren Mitsänger findet dessen Betreuerin es ganz erstaunlich, dass er regelmäßig teilnimmt und sich sogar intensiv einbringt, da er ansonsten, so wie sie erzählt, kaum aus seinem Zimmer herauskommt. Er hat ein selbst geschriebenes Lied eingebracht, für das er viel positives Feedback der Gruppe bekam, genauso wie für seine gelegentlichen Gitarrensoli, mit denen er meine Gitarrenbegleitung unterstützt. Dieser Mann hat eine gravierende psychische Erkrankung, hat sich aber für seine Verhältnisse inzwischen sehr geöffnet, was sich z.B. darin ausdrückt, dass er immer sein lebensgroßes Lieblingsstofftier mitbringt, das während des Singens bei ihm auf dem Schoß sitzt, als quasi zusätzlicher Teilnehmer. Damit wir bald mühelos Lieder in der gleichen Tonart zusammen spielen können, hat er sich zu Weihnachten einen Kapodaster für die Gitarre gewünscht.

Überhaupt bringen einige Teilnehmer großes künstlerisches Talent und teilweise auch musikalische Vorbildung mit. Immer wieder nutzt einer gerne die „Bühne“, die er bei uns hat, etwa für ein vorgetragenes Gedicht oder einen kleinen eigenen Flötenvortrag und erhält eine Wertschätzung, die er sonst nicht gewohnt ist.

Trotz erkennbarer Schwierigkeiten in der Interaktion der Männer kommt es oft zu einem schönen Miteinander, bei dem wir mit mehreren Instrumenten und trotz der kleinen Teilnehmerzahl sogar mehrstimmig und mit Inbrunst zusammen singen. Es ist dann „Leben in der Bude“ und eine Begeisterung und ein gemeinsamer „Spirit“ fühlbar, wie man es auch vom „Chanten“ her kennt, vom nicht ambitionierten Singen also, bei dem Freude und Entspannung im Vordergrund stehen.

Apropos Chanten: Auf die wohltuende Wirkung der dort üblichen mantrenartigen Wiederholungen müssen wir bisher weitgehend verzichten, denn die Männer tun sich schwer, mit ihrem Interesse an etwas länger „dran zu bleiben“ und selbst wenn wir einen Popsong zweimal hintereinander sangen, kam von einem der Sänger schon gelegentlich die Klage, das sei zu langweilig.

Die Wiederholungen „schmuggle“ ich manchmal hinein, z.B. in Form eines Kanons. Ich bin gerne bereit, die musikalischen Wünsche, wenn möglich, zu erfüllen, denn, wenn wir z.B. ein „Proud Mary“ von Creedence Clearwater Revival oder ein „Morning has broken“ von Cat Stevens singen, dann fühlen viele sich, wie sie sagen, an ihre Jugend „angedockt“. Für mich ist dabei spürbar, dass es auch ein Anknüpfen an etwas Kraftvolles innerhalb der eigenen Biographie ist, etwas Stärkendes, eine Ressource.

Bisher wird das Singangebot leider nur von einem kleinen Teil der Bewohner angenommen, was aber auch für andere Angebote gilt, wie mir der Heimleiter Herr Baierlacher versichert. Für die regelmäßig Teilnehmenden allerdings ist der Singkreis mittlerweile ein wichtiger „Ankerpunkt“ in ihrer Woche geworden. „Heilsames Singen“ also mal ganz anders – und dennoch, so die Einschätzung der Sozialpädagogen des Heimes, mit salutogenetischer Wirkung.

Herzlichen Dank den Singenden Krankenhäusern für die halbjährige Anschubfinanzierung!

Dagmar Aigner