10. Symposium künstlerischer Therapien in der Altenarbeit vom 25.-27.10.2019 in Speyer

gemeinsames Singen

……wieder einmal war Vera Kimmig auf einem Symposium und durfte diesmal versierten Musiktherapeuten die wundervolle Art des „heilsamen Singens“ in einem Workshop vorstellen und sie mitnehmen in innere und äußere Beweglichkeit. Denn darum ging es hier: Künstlerische Therapien in der Altenarbeit. Thema: „Beweglich sein!“

Vera Kimmig berichtet:

"Eingeladen hatte das Netzwerk Musiktherapie mit alten Menschen in Kooperation mit: Werkstatt Demenz e.V., ALMUTH, Kunstdialog, DMtG-Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft, MSH-Musical School Hamburg und arts-and-change, Department Kunst, Gesellschaft und Gesundheit.

Bei dem diesjährigen Thema denkt man spontan an die motorische Bewegung. Tanztherapie, Eurythmie, Dramatherapie - denn diese nutzen die körperliche Bewegung auf sehr vielfältige Weise. Keine Kunst kann auf die Bewegung verzichten. Der Pinselstrich bedarf der Bewegung genauso wie das Lied, das Spiel auf einem Instrument oder die Spur im Material Ton.
Aber dann gibt es noch die Emotion, also die innere Bewegung. Welche Bedeutung spielt diese innere Beweglichkeit in der Begleitung von Menschen mit Demenz? Wie können wir künstlerischen Therapeut*innen die innere Beweglichkeit im Alter und von Menschen mit Demenz fördern? Wie gehen wir damit um, wenn die innere Beweglichkeit erstarrt zu sein scheint oder die motorische Beweglichkeit besondere Herausforderungen an uns stellt?

Weitere Themen waren auch: Wie gestalten und nutzen wir den Zwischenraum der therapeutischen Triade? Welche Bewegungen vollziehen sich dort? Wie gelingt es über die Jahre der Berufstätigkeit in der therapeutischen Begegnung resonanzfähig zu bleiben, als ein stabiles, belastbares und ebenso spielerisch tänzerisches Gegenüber. Was können wir für uns selbst tun, um uns diese Beweglichkeit und Flexibilität zu bewahren?

gemeinsames Bewegen

Das Hauptthema war von vielen Nebenthemen begleitet und es war viel Raum für den kollegialen Austausch. Viele der anwesenden Referenten erzählten Spannendes aus ihrem Berufsalltag und den Umgang mit ungewöhnlichen Situationen oder besonders schönen Momenten. So hörten wir Clowns-Geschichten der humorvollen Begegnung. Eine Kunsttherapeutin stellte Bilder aus ihrem Arbeitsalltag vor und erzählte, wie sie ältere, oft sich isoliert fühlende Menschen mit künstlerischen Mitteln begleitet und inspiriert, ihren eigenen "Bewegungsfluss“ zu entdecken. Eine Ärztin erläuterte, welche persönlichen Kompetenzen des Therapeuten wichtig sind im Umgang mit dementiell veränderten Menschen. Sie verdeutlichte, dass Kongruenz, Empathie und Wertschätzung Variablen sind, für die Wichtigkeit eines reflektierten Umgangs.

Mit meinem eigenen Workshop „Sing dich frei! Heilsames Singen und Bewegen“, brachten wir die Zellen der teilnehmenden Musiktherapeuten in Schwingung und erlebten, wie unserer durch das Singen belebten Lebensfreude eine befriedende und energetisierende Kraft innewohnen kann. Solcherart Erlebtes kann auch gut weitergegeben werden, denn auch für unsere anvertrauten Senioren ist Singen "Medizin“ und hält den Körper und die Seele des Menschen auf vielerlei Arten zusammen. Leistungsfreies Singen und sanftes Bewegen kann eine wohltuende Kraftquelle im Alltag sein und das nicht nur für ältere Menschen! Musik und hier besonders das selbst singen ist eine der Möglichkeiten, aktivierende Gesundheit zu praktizieren, da sofort bioverfügbare Hormone da sind. Durch eine Kombination von gefühlvollen, rhythmischen, tanzähnlichen Bewegungen werden beim gemeinschaftlichen Singen Ressourcen geweckt, die Selbstregulationsfähigkeiten verbessern und neben der gezielten Förderung von Mobilität, Sprech- und Kommunikationsvermögen, auch Lebensfreude, Solidarität und Sinnperspektiven stärken. Frei nach der Aussage von Yehudi Menuhin:
„Wenn einer aus der Seele singt, heilt er zugleich seine innere Welt. ……..!“

Spannend wäre für mich auch der Workshop „Eurythmie in Seniorenheimen“ gewesen, doch hatte ich zur gleichen Zeit meinen Workshop. Habe aber die Dozentin auf einer anderen Tagung schon einmal erleben dürfen und schätze ihre Arbeit sehr! Deshalb hier nur ein Auszug aus der Ausschreibung im Tagungsprogramm:
"Im Vergleich zu anderen Künsten und Bewegungskünsten ist die Eurythmie mit ihren gerade mal 100 Jahren eine noch recht junge Kunst. Die wenigsten Teilnehmer in den Seniorenheimen können auf Vorerfahrungen aus der Jugend mit der Eurythmie zurückgreifen, aber sie haben alle Erfahrungen, Erlebnisse und Erinnerungen an und mit der Sprache der Musik. Fast jeder kennt Verse und Gedichte auswendig oder kann sich zur Musik bewegen. Diese Fähigkeit nutzt auch das Bewegungsangebot der Eurythmie."


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